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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Weide- oder Stallhaltung für Milchkühe?

10.11.2018

Stenum Was ist besser und gesünder für die Kuh und ihre Milch: Weide- oder Stallhaltung? Welches Haltungssystem ist ertragreicher und wirtschaftlicher hinsichtlich der Milchproduktion? Das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und die Universität Göttingen wollten das genauer untersuchen und starteten vor einigen Jahren zusammen das umfangreiche Projekt „Systemanalyse Milch“. Fünf Jahre lief das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderte Verbundprojekt. Nun kommt es zum Abschluss.

Management wichtig

Untersucht wurden die Bereiche Tiergesundheit und Wohlbefinden, Eutergesundheit, Parasitologie, Futterproduktion und Nährstoffmanagement, Pansengesundheit und Tierernährung, Nachhaltigkeit, Betriebswirtschaft und Verbraucherakzeptanz. Die umfangreichen Ergebnisse liegen weitestgehend vor. Sie zeigen, dass die Weide- als auch die Stallhaltung Stärken und Schwächen haben. Wichtiger als die Wahl des Haltungssystems sei das richtige Management, um die Stärken von Weide und Stall zu nutzen und die Schwächen auszugleichen, heißt es in der Studie. Ein hohes Tierwohl und wirtschaftlicher Erfolg seien dabei keine Gegensätze, sondern gingen Hand in Hand.

60 Landwirte aus den intensiven Milchviehregionen Niedersachsens stellten für das Projekt ihre Höfe für umfangreiche Untersuchungen zur Verfügung. Die Betriebe ähneln sich in Struktur und Größe, unterscheiden sich aber in ihrer Bewirtschaftungsform. Es gab vier Gruppen mit je 15 Betrieben: Die Bandbreite reichte von Kühen (Rasse: Holstein-Friesian oder Red Holstein), die täglich über zehn Stunden Weidegang hatten, bis hin zu jenen, die ausschließlich im Stall gehalten wurden. Ergänzend zu den Hof-Untersuchungen gab es Versuche und Befragungen.

Am Freitag wurde ein Teil der Projektergebnisse in Vorträgen in Backenköhler’s Hotel und Akademie in Stenum (Gemeinde Ganderkesee) vorgestellt. Landwirte und Vertreter aus Wissenschaft und Politik verfolgten interessiert die Präsentationen. „Systemanalyse Milch ist ein Vorreiterprojekt“, sagte der Wissenschaftliche Projektleiter Prof. Dr. Johannes Isselstein von der Universität Göttingen. Es gehe darum, mithilfe der Ergebnisse etwas konkret in der Praxis zu verbessern und das entstandene transdisziplinäre Netzwerk zu pflegen. „Ohne Milch ist das Grünland wenig wert.“ Für Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, bringt die Studie „Erkenntnisse, die uns helfen, eine gute Zukunft fürs Grünland zu finden“.

Laut der Studie bevorzugen Verbraucher Weidehaltung bei Kühen. Die Ergebnisse zeigen, dass im Sommer, während der Weideperiode, die Betriebe mit Weidehaltung bei der Bewertung des Tierwohls besser abschneiden als die Betriebe mit reiner Stallhaltung. Die Tiere haben eine bessere Klauengesundheit. Wenn sie die Wahl zwischen Stall und Weide haben, verbringen Kühe den Großteil der Zeit draußen, führte Dr. Linda Armbrecht von der Universität Göttingen aus. Im Winter schneiden die Betriebe mit ganzjähriger Stallhaltung und die Weidebetriebe beim Tierwohl gleich gut ab.

Die Milchleistung war in Betrieben mit ganzjähriger Stallhaltung höher, erläuterte Marlene Kohnen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Aus der Studie geht zudem hervor, dass Tiere aus Weidehaltung während der Weidesaison eine zu geringe durchschnittliche Körperkondition zeigten, die aber nicht zwingend zu eindeutigen Ergebnissen in der Wirtschaftlichkeit führte. Sowohl Weide- als auch Stallbetriebe könnten wirtschaftlich erfolgreich sein, so Kohnen. In den Jahren 2015 und 2016 seien die Auszahlungspreise jedoch so schlecht gewesen, dass in keinem der untersuchten Haltungssysteme die Vollkosten gedeckt werden konnten.

Schlechter kontrollierbar

Landwirte von Weidebetrieben sagten bei einer Befragung, Weide gehe mit geringen Futterkosten, weniger Arbeitsbelastung und einer hohen Tiergesundheit und Fruchtbarkeit einher. Stallbetriebe schätzen diese Vorteile als unbedeutend ein und argumentieren mit einer höheren Milchleistung und besserer Kontrollierbarkeit bei Tiergesundheit und Fütterung. Laut Studie wirkt sich die Weidehaltung grundsätzlich positiv auf die Eutergesundheit aus. Bei zu starker Nässe steigt das Risiko von Infektionen aber stark an.

Einigkeit herrscht darüber, dass die Bedingungen auf der Weide auf vielen Ebenen schlechter kontrollierbar als im Stall seien und ein anderes Management erforderten. So em­pfiehlt sich z.B. mit der beginnenden Weidesaison beim Übergang vom Stall zur Weide eine Übergangszeit von drei Wochen. Während dieser Zeit wird das Futter für die Tiere zur Anpassung des Stoffwechsels langsam umgestellt und die Dauer des Weidegangs schrittweise erhöht.

In dem Buch „Systemanalyse Milch – Hintergründe für die Praxis“ sind die wichtigsten Ergebnisse des Verbundprojektes nachzulesen.


     www.systemanalyse-milch.de 
Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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