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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Was krabbelt da über die Straßen im Nordwesten?

20.09.2019

Thedinghausen Chinesische Wollhandkrabben sind derzeit auf dem Weg an die Nordsee teils in großer Zahl unterwegs. In Thedinghausen sind es sogar Hunderte: „Nachts und in der Dämmerung wandern sie in Massen“, sagt Sönke Haverich von der Gemeinde im Kreis Verden. Bisher seien die Tiere nur vereinzelt wahrgenommen worden, plötzlich seien sehr viele da. „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der ein oder andere Angst hat, dort zu fahren, wenn die Krabben zu Hunderten die Straße überqueren.“ Um die Unfallgefahr zu minimieren, stehen nun Warnschilder an der Landesstraße 156 beim Ortsteil Werder im Landkreis Verden.

Die Tiere, die ihren Namen von den behaarten Scheren haben, stammen aus China. Mit Frachtschiffen kamen sie nach Deutschland und breiteten sich vor allem in der Nähe der Nordseeküste aus. Erstmals nachgewiesen wurden Wollhandkrabben 1912 in der Aller, einem Nebenfluss der Weser. Die ausgewachsenen Tiere leben im Süßwasser. Am Ende ihres Lebens laufen sie zur Paarung und Eiablage Richtung Nordsee.

„Sie schaffen im Schnitt bis zu zehn Kilometer am Tag“, sagt Arne von Brill von der Naturschutzorganisation Nabu in Verden. „Staustufen sind für sie ein Problem, weshalb wir auch welche auf der Straße haben.“ Ihm zufolge umgehen die Wollhandkrabben in Thedinghausen ein Wehr und landen so auf der Straße. „Sie sind innerlich getrieben, dass sie Richtung Meer laufen. Die Route haben sie als Kleintiere hinter sich gebracht.“ Nach der Paarung legen die Weibchen dem Nabu zufolge bis zu 900 000 Eier pro Tier im Brackwasser ab. Aus den Eiern schlüpfen Larven - viele werden von Fischen gefressen.

Wie viele Wollhandkrabben in Deutschland leben, ist unbekannt. „Sie können sich in unseren Breiten recht gut entwickeln“, sagt Arne von Brill über die nachtaktiven Tiere. Die Zahl der Feinde sei gering, nur wenige Vögel wie Möwen und Reiher pickten die Tiere auf. Nach einem vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn veröffentlichten Dokument wurden selbst in Baden-Württemberg Wollhandkrabben nachgewiesen.

Der Deutsche Angelfischerverband warnt zur Vorsicht. „Invasive Arten müssen wir erstmal kritisch beäugen“, sagt Geschäftsführer Alexander Seggelke in Berlin. Solche Tiere eroberten landesweit Lebensräume und verdrängten heimische Arten. „Die ökologischen Auswirkungen können katastrophale Folgen haben.“ Die Auswirkungen der Wollhandkrabbe auf die Natur sind ihm zufolge noch unklar.

Für Angler seien die Tiere oft lästig. „Sie ärgern sich, dass permanent Angelhaken abgeknipst sind.“ Demnach fressen Krabben die Köder, auch vor Fischernetzen machen sie nicht halt. „Mit ihren Scheren zerkneifen sie die Netze.“ Dann sei der Fang weg, das Netz kaputt. Mittlerweile gibt es Seggelke zufolge auch einen Markt für die Tiere. So werden sie nach China exportiert oder an asiatische Restaurants in Deutschland verkauft.

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