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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Diese Handwerker aus Vechta stellen sich gegen Rassismus

23.08.2018

Vechta Ein Foto aus Vechta verbreitet sich derzeit viral im Internet: Darauf zu sehen sind zwei Mitarbeiter und der Chef der Firma Sanitär- und Heizungstechnik, Thomas Bröring. Verbunden mit der klaren Botschaft: Wir stehen zusammen, wenn einer von uns rassistisch angegriffen wird.

Gemacht hat das inzwischen tausendfach geteilte Foto einer der Angestellten. „Geknipst“, würden Profis sagen. Aber schließlich hat in diesem Moment ja auch niemand an eine bundesweite Verbreitung des Fotos gedacht. „Dass das dabei rauskommt, hatten wir nicht geahnt“, sagt Bröring rückblickend.

Nur positive Reaktionen

Mit „das“ meint der Handwerker Anfragen von Funk und Fernsehen, Anrufe von verschiedenen Handwerkskammern und mehr als 300 andere Rückmeldungen aller Art. „Alle durchweg positiv“, betont Bröring und berichtet von einer Frau aus Aachen, die Geld für die Kaffeekasse spenden wollte, oder natürlich der SPD-Parteivorsitzenden, Andrea Nahles, die im Betrieb nachfragen ließ, ob sie den Fall bei ihrer Festrede auf dem Stoppelmarkt ansprechen darf.

Durfte sie natürlich – und so wurde der Handwerksmeister am Montag für seine Aktion vom ganzen Festzelt mit lang anhaltendem Applaus gefeiert. Er sei ein Vorbild, das Mut mache, dass unsere Gesellschaft gegen Hetze und Ausländerfeindlichkeit zusammenhalte, rief Nahles ins Publikum – und dankte dem Vechtaer für seine Zivilcourage.

Dabei habe er, so Bröring, doch eigentlich nur etwas ganz selbstverständliches gemacht: Er stellte sich vor einen seiner Mitarbeiter, als der von einer Kundin wegen seiner Hautfarbe diskriminiert wurde. Und bei Rassismus, so der Firmenchef, „darf man doch nicht schweigen“.

Ereignet hat sich der Vorfall, der jetzt so hohe Wellen schlägt, bereits im Juli. Als zwei Monteure der Firma bei Kunden klingelten, um den Duschbereich barrierefrei zu gestalten, wurde ihnen zunächst nicht geöffnet. „Dabei sah man die Leute durchs Fenster am Tisch sitzen“, sagt Bröring. Schließlich wurde die Tür doch geöffnet, und eine Bewohnerin erklärte den Mitarbeitern barsch, man habe doch gesagt, dass man keine Afrikaner im Haus haben will.

Tatsächlich hätten die Kunden vorher gefragt, ob das Unternehmen deutsche Mitarbeiter hat, sagt der Chef. „Aber wir dachten, die haben lediglich Angst vor Verständigungsproblemen.“ Und da sah Bröring kein Problem, denn auch der aus Mali stammende Ibrahima Bah spricht inzwischen sehr gut Deutsch.

Chef will Entschuldigung

Tatsächlich aber ging es um die Hautfarbe des Mitarbeiters – und das, so Bröring, „geht gar nicht“. Und so entschied sich der Firmenchef, mit dem Fall an die Öffentlichkeit zu gehen: „Wir konnten und wollten das nicht auf sich beruhen lassen.“ Außerdem verzichtete der Betrieb auf den Auftrag und stellte der Kundin für die entstandenen Kosten 380 Euro in Rechnung. „Da läuft die zweite Mahnung“, sagt Bröring. Mehr noch aber geht es ihm um eine Entschuldigung. Denn schließlich seien die vier Flüchtlinge in seiner 70-köpfigen Belegschaft „alle ganz fantastische Jungs“, die so was nicht verdient hätten.

Ibrahima Bah, der in Mali mit ansehen musste, wie seine Eltern getötet wurden, habe auf den Vorfall übrigens am gelassensten reagiert, berichtet Bröring. Als er gefragt wurde, habe er lediglich gesagt: „Ich weiß ja, dass es gute und schlechte Menschen gibt.“

Jörg Jung
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2084

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