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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Agrar-Studenten entwickeln Modelabel „Bauernkind“

20.03.2019

Vechta /Göttingen Lukas Meyer-Tonndorf kommt vom Land. Sein Taschengeld verdiente er sich während seiner Schulzeit beim Bauern nebenan mit Melken und Gülle ausfahren. Mehr aus einer Laune heraus entwickelte er während des Studiums der Agrarwissenschaften in Göttingen mit seinen WG-Mitbewohnern, ebenfalls alle vom Land, die Idee, Pullover mit dem Schriftzug „Bauernkind“ zu bedrucken. Inzwischen hat er sein Studium beendet und arbeitet in der Futtermittelindustrie in Vechta – doch das „Bauernkind“, begonnen als Schnapsidee, wie Meyer-Tonndorf sagt, hat sich mittlerweile zu einer richtigen Marke entwickelt.

Wie die jungen Leute auf die Idee kamen? Nach einem Fernsehbericht staunten sie darüber, dass Bauernkinder und junge Leute vom Land sich wegen ihrer Herkunft immer wieder gemobbt fühlen. „Da war ein absolutes Unverständnis bei uns. Wir sind stolz darauf, vom Land zu kommen und Bauernkinder zu sein“, sagt Meyer-Tonndorf.

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Die jungen Männer bestellten mehrere Pullover, bedruckten sie und richteten eine eigene Website ein. Das war vor gut einem Jahr – inzwischen ist die Nachfrage so gut, dass „Bauernkind“ mittlerweile nicht nur Pullover, sondern auch Shirts, Mützen, Strampler und ähnliches anbietet.

„Wir haben das Gefühl, dass die Landwirtschaft in der Ecke steht und sich rechtfertigen muss. Und so geht es auch manchen Bauernkindern“, sagt Meyer-Tonndorf. Er selbst war von Mobbing nie betroffen.

Beim Landwirtschaftlichen Sorgentelefon in Oesede im Kreis Osnabrück ist Mobbing von Bauernkindern immer mal wieder Thema von Anrufern, aber nicht sehr oft, berichtet Geschäftsführer Ludger Rolfes. „Ich bin da positiv überrascht“, sagt Rolfes. Die meisten Landwirte nutzten das Beratungsangebot wegen Generationskonflikten auf gemeinsam geführten Höfen.

Ob es an regionalen Unterschieden liegt oder bei Mobbing seltener das Sorgentelefon genutzt wird – dass es immer wieder Fälle gibt, zeigte jüngst eine Umfrage im Landfrauenverband Baden-Württemberg. Mehr als 50 Prozent der Teilnehmenden gaben dabei an, als Bauernkind selbst bereits von Mobbing betroffen gewesen zu sein. Nun wird überlegt, eine ähnliche Umfrage auch in Niedersachsen durchzuführen. „Ich denke, da würden wir ähnliche Ergebnisse bekommen“, sagt die Präsidentin des Landfrauenverbands Weser-Ems, Ina Janhsen.

Bei der Tochter einer ihrer Kolleginnen in Ostfriesland gab es vor einiger Zeit einen schweren Fall von Mobbing: Bei Referaten zum Thema Massentierhaltung zeigten Sechstklässler im Unterricht Schockvideos aus überfüllten Ställen. Schnell habe sich der Zorn gegen eine Mitschülerin gerichtet, deren Eltern einen Milchviehbetrieb führten, berichtet die Landfrau. Das Mädchen sei ausgegrenzt worden. Der Versuch der Eltern, der Klasse mit einem Besuch auf dem Hof das Gegenteil zu zeigen, scheiterte – die Schüler hätten sich geweigert, auf den Hof der „Tierquäler“ zu fahren, berichtet Landfrau Janhsen. Doch einseitige Berichterstattung und veraltete Darstellungen in Schulbüchern erzeugten oft ein falsches Bild von Landwirtschaft.

Zum Nachdenken über Landwirtschaft anregen – das ist genau das, was die Gründer von „Bauernkind“ mit ihrer Mode auch wollen. „Egal, ob man nun auf einem Bauernhof aufgewachsen ist oder nicht“, sagt Meyer-Tonndorf. „Unser Ziel ist es, dieses Lebensgefühl vom Land auszudrücken.“

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