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Gesundheitsforum: Vorlauf vermeidet unnötige Operationen

08.12.2016

Etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland sind stark übergewichtig, also Adipositas-krank. Entsprechend groß war das Interesse am 49. Gesundheitsforum zum Thema „Adipositas – konservative und operative Therapiemethoden“. Die Bezirksstelle Oldenburg der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und die NWZ  hatten dazu am Dienstagabend ins PFL in Oldenburg eingeladen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Christoph Titz, Vorsitzender des Bezirksausschusses der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen/Bezirksstelle Oldenburg. Der Gastroenterologe Prof. Dr. Johann Ockenga, Klinikdirektor am Klinikum Bremen Mitte, und der Chirurg Prof. Dr. Tido Junghans, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums Bremerhaven Reinkenheide, führten ins Thema ein und beantworteten die zahlreichen Fragen aus dem Publikum. Hier eine Auswahl:

Frage: An wen kann ich mich wegen einer Beratung wenden?

Ockenga: Der erste Ansprechpartner ist Ihr Hausarzt. Außerdem können Sie bei Ihrer Krankenkasse anfragen. Dort erfahren Sie in der Regel an welche Ernährungsberater in Ihrer Region Sie sich wenden können.

Frage: Viele Menschen sind adipös. Sollte nicht schon in der Schule mehr Prävention betrieben werden?

Ockenga: Prävention beginnt zu Hause und in der Schule. Da es immer mehr adipöse Kinder gibt, ist das ein wichtiges Thema. Es laufen auch schon einige Projekte.

Frage: Sollten die Krankenkassen das nicht anstoßen?

Ockenga: Ein guter Vorschlag. Sagen Sie das Ihrer Kasse. Schließlich sind solche Maßnahmen immer auch eine Frage der finanziellen Mittel.

Frage: Warum kann man nicht einfach weiter Diät halten und eine Operation damit überflüssig machen?

Junghans: Das kann man auf jeden Fall. Ich operiere niemand, der dauerhaft abnimmt. Das gelingt aber nur etwa zehn Prozent der Adipositas-Kranken.

Ockenga: Deshalb ist es auch gut, dass die Krankenkassen etwa ein Jahr Vorlaufzeit vor einer Operation fordern. In dieser Zeit wird festgestellt, ob nicht eine Ernährungsumstellung und eine Bewegungstherapie ausreichen. Wir wollen nicht unnötig operieren.

Frage: Schließt eine Depression eine Operation aus?

Junghans: Eine Depression ist kein genereller Ausschlussgrund. Eine individuelle Beratung, in die auch ein Psychiater einbezogen wird, ist hier besonders wichtig. Auch um zu klären was zuerst da war: die Adipositas oder die Depression. In einer akut depressiven Phase zu operieren, ist sicher nicht angebracht.

Frage: Gibt es eine Altersgrenze bei Operationen?

Junghans: Bisher waren die ältesten Patienten, die wir operiert haben, Anfang 60. Allerdings ist der Eintritt in die Rente für viele eine Phase, in der sie richtig aktiv sein wollen. Das ist also keine strikte Altersgrenze. Es muss im Einzelfall entschieden werden.

Frage: Ändert sich der Stoffwechsel im Alter so, dass man zunimmt, obwohl man nicht mehr isst?

Ockenga: Der Stoffwechsel ändert sich mit zunehmendem Alter. Der Körper braucht weniger Energie. Zudem nimmt die Muskelmasse ab, während mehr Fett gebildet wird. In welchem Maß das geschieht, hängt von der Aktivität des Einzelnen ab. Wird ein Muskel beansprucht, wird er weniger bis nicht abgebaut.

Frage: Muss man nach einer Operation lebenslang Medikamente nehmen?

Ockenga: Ja. Durch den chirurgischen Eingriff wird erreicht, dass die Nahrung nicht mehr so gut verdaut wird. Das kann zu einem Mangel zum Beispiel an Calcium oder Vitaminen führen. Um dem vorzubeugen, wird empfohlen, diese einzunehmen. Außerdem sollte immer wieder überprüft werden, ob alle benötigten Nährstoffe auch in ausreichender Menge aufgenommen werden.

Frage: Wie wirkt sich eine Operation auf eine Diabetes-Erkrankung aus?

Ockenga: Übergewicht kann dazu führen, dass Insulin nicht mehr so gut wirkt. Es kann sein, dass Patienten nach einer Operation kein Insulin mehr spritzen müssen.

Junghans: In unserer Klinik konnten wir die Insulingabe bei einigen Patienten schon während des etwa zehntägigen stationären Aufenthalts nach der Operation stark reduzieren.

Frage: Wie gelingt es nach einer Operation die Gewichtsabnahme wieder zu stoppen?

Junghans: Meist flacht die Kurve des Abnehmens von allein ab. Bei vielen steigt das Gewicht im Lauf der Zeit auch wieder. Der Grund dafür sind meist Diätfehler. Um dies zu vermeiden, ist ein Netzwerk aus Ärzten, Ernährungsberatern und Selbsthilfegruppen ganz wichtig.

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