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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Der Mann, der die Deiche mäht

20.01.2018

Wangerland Hans-Gerd Eilers, Baujahr 62 ist ein echter Wangerländer – und ein Landwirt, wie er im Buche steht: Mit grüner Latzhose, grauem Bart und einem eher trockenen Humor. Hier oben nennen ihn alle nur H.G. – der Einfachheit halber. Im Sommer mäht H.G. die Deiche im Wangerland, außerdem kümmert er sich um die Campingplätze in Schillig und Horumersiel. Das ist seine Art, die Liebe zu seiner Heimat zu zeigen.

Sofa am Rasenmäher

Als wir H.G. zum ersten Mal treffen, im Sommer, können wir kaum glauben, was wir da sehen: Er hat an einen Rasenmäher ein altes Zweisitzer-Sofa gebaut, auf dem wir uns niederlassen dürfen. Per Fernsteuerung fährt uns H.G. ein wenig über sein Gelände und wir fühlen uns wie in einem Karussell ohne Selbstkontrolle. Für die Touristen ein absoluter Hingucker und so bleiben die meisten stehen und schießen Fotos von der Gaudi. Genau genommen sind Rasenmäher H.G.s Spezialität, weil er wie erwähnt während der Sommermonate die Deiche mäht und vom Unkraut befreit – Grünpflege im Wangerland an der Nordsee. Ein Nebenjob, der sich anbietet: Schließlich brauchen all die Kühe, die er im Stall stehen hat, Futter.

Der Alltag von H.G. verläuft daher streng nach Plan. Im Sommer heißt das: „Gegen halb fünf aufstehen, melken, frühstücken und dann los zum Mähen. Am Nachmittag nach Hause kommen, melken und nochmal zwei Stunden mähen.“ Das ist H.G.s Leben, zumindest in den heißen Monaten. Nebenbei – das sei noch erwähnt – vermietet er auch vier Ferienwohnungen an Touristen, die das Wangerland lieben.

Wenn es kalt wird hier oben und der Wind rauer, sieht alles ganz anders aus, erzählt uns H.G.: „Dann mache ich Stallarbeit und kümmere mich um die Renovierung der Ferienwohnungen.“ Außerdem muss er den Schreibkram aufarbeiten, der über den Sommer liegen geblieben ist. Das muss ganz schön viel sein, denken wir uns, denn: „Wenn das durch ist, ist meistens schon Ostern.“

Noch nicht ausgelastet

Wer jetzt glaubt, dass H.G. damit ausgelastet ist, irrt: „Im Winterhalbjahr stelle ich für einen Teil der Dauercamper deren Wohnwagen vom Campingplatz gegenüber bei mir ab, was auch noch ein bisschen Arbeit mit sich bringt.“ Ein bisschen Arbeit, klar. Einer wie H.G. kann eben nicht die Füße stillhalten. Er ist ein umtriebiger Typ, auch wenn er darum kein großes Aufheben macht und nicht viel redet. Die „Wohnwagen-Abstell-Geschichte“, wie er es nennt, macht er mittlerweile seit über 30 Jahren. „Das ist jetzt mehr geworden, weil weniger Leute diesen Service anbieten, deshalb stehen bei mir immer mehr.“ Bietet sich ja auch an, weil der Campingplatz gleich bei ihm um die Ecke ist und H.G. genügend Abstellfläche hat.

In all den Jahren hat H.G. viele Camper kennengelernt, da sind wir natürlich neugierig und wollen Geschichten hören. Aber H.G. ist ein Typ, der mehr tut, als er quatscht. Also, wie ist es nun mit den Geschichten?, fragen wir. „Anekdoten hätte ich viele zu erzählen, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“ Und so gehen wir, zugegebenermaßen etwas erwartend, dass ihm jetzt gleich eine tolle Geschichte einfällt, weiter mit ihm über den Campingplatz, über den der frische Herbstwind fegt und der seit Mitte Oktober geschlossen ist und helfen ihm beim Aufräumen. „Aus Sturmflut-Sicherheitsgründen muss alles weg sein, was davonfliegen kann“, erklärt er und geht weiter.

Jetzt versuchen wir es nochmal und fragen, ob er nicht doch noch was erzählen will von den Campern. „Im Laufe der Jahre hat man viele Erlebnisse gehabt. Die sind teilweise heftig drauf, auch wenn zehn Grad minus sind und acht Windstärken, dann muss das Vorzelt trotzdem schnell hoch. Mein Ding ist das nicht, aber wer will, der soll.“

Authentischer Typ

Ja, das ist H.G., etwas wortkarg, aber authentisch. Wie viele Menschen im Wangerland, das auch für H.G. Heimat ist und viel mehr: „Hier bin ich verwurzelt und aufgewachsen. Hier habe ich meine Freunde. Und hier werde ich vermutlich sterben.“ Na, bis dahin vergeht hoffentlich noch viel Zeit, in der H.G. mit seinem Rasenmäher über die Deiche im Wangerland an der Nordsee tuckert und den Blick übers Meer schweifen lässt. Uns ist mal wieder klar geworden, stille Wasser wie H.G. sind tief. Er freut sich übrigens schon – auf die nächste Saison.

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