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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Zu Gast beim Niedersachsenmeister aus Hohenkirchen

21.02.2019

Wangerland Während sich im idyllischen Garten die Krokusse der Sonne entgegenrecken, herrscht in der Küche von Familie Buß in Tengshausen im Wangerland geschäftiges Treiben und höchste Konzentration: Taalke wäscht schon mal ab, Elke rührt die Kartoffelsuppe um. „Was macht die Forelle?“ Die gehört schließlich in die Suppe rein. „Kommt!“, ruft Jasmin, die den Fisch just klein geschnitten hat. Natürlich nicht zu klein, sonst würde sie, also die Forelle, ja untergehen.

Und was ist mit dem Kartoffelbrot im Ofen? „Das Brot is‘ noch nich‘ gut, das muss richtig schön braun sein!“, sagt Elke entschieden.

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Beides, Kartoffelsuppe mit Forelle plus Brot, sind wichtiger kulinarischer Bestandteil des Turniers, das die Korfballgruppe des MTV Hohenkirchen jedes Jahr im November ausrichtet. An diesem Nachmittag wollen einige der Korfballer – darunter Taalke Janßen (23 Jahre), Elke Ortgies (70) und Jasmin Eilers (38) – der NWZ zeigen, was für sie Heimat ist – und wie ihre „Turnier-Leckereien“ schmecken. Schließlich feiern die Wangerländer Korfballer, zu denen aktuell rund 20 Mitspieler gehören, in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen.

Was ist Korfball?

Aber Moment mal: Korfball? Was ist das denn?! Dass sie erst mal in fragende Gesichter blicken, wenn sie Kollegen oder Freunden davon erzählen, ist die Truppe gewohnt. „Das ist eine sehr exotische Sportart“, sagt Taalke Janßen. Und ist das kompliziert? „Wenn man erst mal dabei ist, nicht!“ Die Regeln seien auch schnell erklärt: „Mit dem Ball darf man nicht laufen, und es gibt einen besonderen Korb: Der steht in 3,50 Meter Höhe in der Mitte des Feldes und man darf von allen Seiten drauf werfen.“ Das Besondere an Korfball ist außerdem, dass Männer und Frauen, Jung und Alt, gemeinsam spielen. Jede der beiden antretenden Mannschaften besteht aus vier Männern und vier Frauen. Erfunden hat diese Sportart ein holländischer Lehrer („Korf“ bedeutet übersetzt „Korb“, dennoch ist „Korbball“ etwas anderes als „Korfball“), weil er ein Spiel haben wollte, das von der ganzen Klasse gespielt werden kann. Dementsprechend, erzählen die Wangerländer, sei das Spiel insbesondere in den Niederlanden verbreitet – aber auch im Rheinland, wo Korfball in etwa so populär sei wie bei uns das Boßeln.

Jeden Montagabend trifft sich die Gruppe von 20 bis 22 Uhr zum Training in der großen Sporthalle am Schulzentrum in Hohenkirchen. Übungsleiter ist Eike Bruhnken (29), der heute ebenfalls mitkocht.

Das bedeutet Heimat

Elke Ortgies ist von der ersten Stunde an Mitglied der Korfballgruppe. Was für sie Heimat bedeutet? „Die Gegend, die Weite, Freunde, Familie, gutes Essen“, zählt sie auf. Sie stammt aus dem Kreis Stade und ist Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft. Ortgies: „Ich hab’ nie was anderes gemacht. Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen, habe einen Landwirt geheiratet und bin 1983 nach Hohenkirchen gezogen.“ Zwar vermisste sie hier anfangs den Wald; doch inzwischen ist die Nordsee ihr Zuhause, hier fühlt sie sich sehr wohl und möchte nicht mehr weg. In Stade hatte sie damals Korbball gespielt – das gab es in der neuen Heimat aber nicht. „Hier gab’s nur Tennis und Gymnastik.“ Dann war sie zu Gast auf einer Silberhochzeit, jemand sagte zu ihr: „Ich hab‘ die richtige Gruppe für dich!“ Am Montag drauf ging es dann prompt los: Das erste Training der neuen Korfballgruppe des MTV Hohenkirchen. Seitdem ist die fast 71-jährige Elke Ortgies dabei. Obwohl sie eigentlich mit 70 Jahren hatte aufhören wollen. „Aber weil sie uns so gerne mag, ist sie dabei geblieben!“, ruft Taalke Janßen erfreut.

„Heimat ist ein Ort, an dem man sich immer wohlfühlt“, da sind sich Taalke Janßen und Jasmin Eilers einig. „Die Ruhe. Die frische Brise, die hier weht. Die Leute, die man kennt, mit denen man groß geworden ist. Das Ritual, montags zum Korfball zu gehen“, zählt Taalke Janßen weiter auf. Und die Kartoffeln nicht zu vergessen!

Lieber ins Fitnessstudio?

Was Gerold Buß, der in Tengshausen aufgewachsen ist, schade findet, ist, dass die alten Traditionen immer mehr einschlafen. Wie zum Beispiel das Besenwerfen am Faschingsdienstag. „Die wenigsten sind in der Landwirtschaft tätig und müssten sich dafür extra freinehmen“, erklärt der 51-Jährige, „oder sind gar nicht mehr hier, sondern weggezogen.“ Zwei Drittel der Leute, die er aus Schulzeiten kennt, leben inzwischen woanders. Warum es relativ schwierig ist, neue Mitspieler für die Korfballgruppe zu finden, erklärt Gerold Buß so: „Die wenigsten wollen gebunden sein. Sie gehen lieber ins Fitnessstudio.“ „Sie wollen keine Verantwortung übernehmen und lieber anonym bleiben“, ergänzt Taalke Janßen. Schließlich muss man sich beim Mannschaftssport aufeinander verlassen, ist auf zuverlässige Mitspieler angewiesen, um genügend Leute für zwei Mannschaften zusammenzubekommen.

Bei den Turnieren, wenn die Rheinländer und die Niederländer zu Besuch kommen, tischen die Wangerlän­der übrigens auch eine Variation ihres norddeutschen Essens auf: Dann gibt es mittags neben zehn Litern Kartoffelsuppe mit Forelle auch zehn Liter mit Würstchen. „Weil nicht alle Fisch essen“, erklärt Elke Ortgies, und meint damit – natürlich – die Gäste, denn „hier essen alle Fisch.“ Am Abend tischen die Gastgeber dann Matjessalat und Eierlikör auf. Da sie all die Schnippelei von Fisch, Kartoffeln und Co nicht allein bewältigen könnten, bekommen sie immer liebe Unterstützung von Helferinnen des Landfrauenvereins, erzählt Elke Ortgies.

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Korfball wäre der ideale Schulsport, da ist sich die Gruppe einig. „Aber irgendwie haben die Lehrer keine Motivation“, hat Jasmin Eilers festgestellt, „dabei ist es bei Handball- oder Fußballturnieren doch immer so, dass irgendjemand das schon kann. Beim unbekannten Korfball dagegen hätten alle die gleichen Voraussetzungen.“ „Die meisten Turnhallen haben weder die Körbe noch die Bälle“, hat Übungsleiter Eike Bruhnken außerdem festgestellt. Er selbst ist Lehrer an einer Realschule.

Zwar ist ihre Sportart hier in Norddeutschland relativ unbekannt. Dafür können die Korfballer vom MTV Hohenkirchen von sich behaupten: „Wir sind Niedersachsenmeister!“

Jantje Ziegeler Redakteurin / Online-Redaktion
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