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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Gestern noch Badestrand, heute Steilküste

01.11.2017

Wangerooge /Langeoog Die Kräfte der Natur können Touristen in diesen Tagen anschaulich auf der Nordseeinsel Wangerooge erleben. Dort, wo vor wenigen Tagen noch ein breiter Strand zum Spaziergehen und Burgenbauen einlud, ist eine Steilküste entstanden. Eine Sturmflut hat fast den gesamten Badestrand weggespült. Die Abbruchkante türmt sich zum Teil mehrere Meter hoch. An den Anblick werden sich die Urlauber gewöhnen müssen: Erst im Frühjahr will die Gemeinde den Strand wieder aufschütten.

Jetzt scheint die Sonne wieder auf Wangerooge, als wäre nichts gewesen. Im Bistro von Ronja Fokkena herrscht Hochbetrieb. Urlauber bestellen Eis, um es mit zum Strand zu nehmen. „Die Touristen stürmen alle zur Abbruchkante. Viele haben das noch nie gesehen“, sagt Fokkena. Jedes Jahr lassen Sturmfluten ab dem Herbst den Strand auf Wangerooge gehörig schrumpfen. „Es ist beängstigend, dass so früh so viel auf einmal weg ist, weil man weiß, dass der Winter noch lang ist“, sagt sie.

Zweiter heftiger Sturm

In der Nacht zu Sonntag tobte bereits der zweite heftige Herbststurm über die ostfriesische Insel. Fast 80 Prozent des Badestrandes haben „Herwart“ und zuvor „Xavier“ weggespült. „Unsere wirtschaftliche Grundlage ist gefährdet“, sagt der stellvertretende Kurdirektor Christian Pollmann. Im Frühjahr wird die Gemeinde deshalb tief in die Tasche greifen müssen. Mindestes 80 000 Kubikmeter neuer Sand müssen aufgeschüttet werden. Die Kosten schätzt Pollmann auf 400 000 Euro. „Einen Großteil der Kurbeiträge setzen wir in den Sand“, sagt er.

In den Tourismusbroschüren ist Wangerooges Badestrand ein wahrer Traumstrand: heller feiner Sand auf einem Kilometer Länge, schön breit und direkt am Ort gelegen. „Deshalb kommen die Leute hierher“, sagt die Geschäftsführerin des Verkehrsvereins, Ulrike Kappler. Auch jetzt – dank langem Wochenende und Herbstferien in Nordrhein-Westfalen – ist die Insel proppevoll. Besorgte Touristen hätten sich bisher nicht gemeldet, sagt Kappler. „Unsere Gäste sind sturmerprobt.“ Auf das Vergnügen am Meer müssen die Urlauber nicht verzichten. „Strandspaziergänge sind noch möglich. Man muss nur vorsichtig sein.“

1,4 Millionen Euro musste die kleine Gemeinde Wangerooge in den vergangenen vier Jahren ausgeben, um den Traumstrand zu erhalten. Viel Geld, das die Insel eigentlich nicht hat: Sie muss einen Schuldenberg von zwei Millionen Euro abbauen. Bürgermeister Dirk Lindner bezeichnet die jüngsten Schäden deshalb als Riesenkatastrophe. „Die Sturmflutsaison beginnt immer früher“, sagt er.

Frachter sitzt weiter fest

Unterdessen stellt die Bergung des vor der Nordseeinsel Langeoog gestrandeten Frachters „Glory Amsterdam“ das Havariekommando Cuxhaven vor Probleme. Ursprünglich sollten Schlepper den 225 Meter langen Schüttgutfrachter schon am Montagabend von der Sandbank ziehen. Doch die Helfer mussten ihre Pläne ändern, weil die Wassertiefe selbst bei Hochwasser dafür nicht ausreichte.

Nun wollen Experten die 22 000 Tonnen Ballastwasser abpumpen, die das unbeladene Schiff stabil auf See halten sollten. Gleichzeitig sollen zwei Hochseeschlepper es mit rund 1000 Meter langen Schleppleinen sichern. Der Wind könnte den leichter werdenden Frachter sonst noch weiter aufs Land treiben, erläuterte der Sprecher des Havariekommandos, Michael Friedrich.

Umweltschützer und Fischer blicken mit Sorge auf den gestrandeten Frachter. In den Treibstofftanks der „Glory Amsterdam“ sind gut 1800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel. Der Unglücksfrachter sei eine erhebliche Gefahr für den Nationalpark Wattenmeer, in dem zurzeit zahlreiche Watvögel, Enten und Gänse rasteten. Die deutschen Kutter- und Küstenfischer befürchten, dass Öl die Fanggebiete über Monate verschmutzen könnte. Dennoch haben sich die Bergungsspezialisten dagegen entschieden, die Treibstoffe vorsorglich abzupumpen. „Das Schiff ist sicher und weist keine Risse auf“, sagte Friedrich.

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