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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Warum Stolberg erst schweigt und dann redet

03.02.2016

Oldenburg /Bremen Eigentlich wollte Niels Stolberg am Dienstag schweigen. Nachdem der ehemalige Vorzeigereeder zuvor vor dem Bremer Landgericht ausführlich zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung genommen hatte, sollte zunächst den zahlreichen Zeugen das Wort zu den verschiedenen Anklagepunkten überlassen bleiben.

Doch die Vorsitzende Richterin Monika Schaefer will zunächst den Markt und das Geschäftsfeld kennenlernen, in dem die 2011 zusammengebrochene Schwergutreederei Beluga sich bewegte. Sie wolle möglichst viel von der Sache verstehen, sagt sie und regt an, Stolberg möge sich doch mit seinen Anwälten beraten und dann vielleicht doch erläutern, wie Schiffsneubauten geplant und in Auftrag gegeben werden.

Offenbar will Stolberg die souverän und umsichtig agierende Richterin nicht verprellen und berichtet über den erfolgreichen Start der Beluga-Reederei, die durch präzise Analyse des Schwergut-Weltmarkts eine Nische für die eigene Expansion gefunden habe. Etwa ein Drittel der 480 Schwerlastschiffe sei 2006 über 20 Jahre alt gewesen – eine große Chance für moderne Schiffe.

Die weltweite Suche nach einer geeigneten Werft für seine geplanten Neubauten führte ihn dann nach China, wo er fünf bis sechs geeignete Schiffbauer fand. Detailliert schildert der Ex-Reeder, wie er sich einen Eindruck über Qualität und Leistungsfähigkeit verschaffte und wie Verhandlungen über Schiffsneubauten verlaufen.

Als es dann um Zusatzverträge mit einer niederländischen Werft geht, schweigt Stolberg wieder. Einer der drei mitangeklagten ehemaligen Beluga-Manager erläutert, wie es zur „Drehung“ gekommen sei. Mit dem Begriff bezeichnet er die Rücküberweisung überhöhter Forderungen durch die Niederländer an Stolberg.

Mit diesem Finanzmanöver, so die Staatsanwaltschaft, habe Beluga den kreditgebenden Banken einen nicht vorhandenen Eingenanteil an den Schiffsbauten vorgegaukelt. Während die Anklage von Kreditbetrug spricht, nennt Stolberg das „kreative Eigenkapitaldarstellung“ und erklärt, dass er damit niemanden geschädigt habe. Im Gegenteil, die Banken hätten sehr gut daran verdient. Deshalb weist er auch diesen Anklagepunkt zurück.

Der Prozess begann am 20. Januar. Angesetzt sind insgesamt mehr als 50 Verhandlungstage.


Spezial zum Thema unter   www.nwzonline.de/beluga-krise 
Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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