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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Wechsel von Schocks und Chancen

29.03.2014

Oldenburg „Wer hier hat kein Handy?“ – keine einzige Hand der rund 120 Gäste im Kulturzentrum PFL geht nach oben. Ein anderes Ergebnis hatte Gerrit Heinemann wohl auch nicht erwartet. Der Mann ist Wirtschaftswissenschaftler, trägt die Titel Prof. Dr. vor seinem Namen und hat sich auf das Thema Online-Handel spezialisiert.

Heinemann, 1960 in Osnabrück geboren, kennt sich aus. Nicht nur im Bereich der Wissenschaft, sondern auch in der Praxis. Als ehemaliger Warenhausleiter weiß er, wie’s im Einzelhandel läuft, als Experte für Online-Handel ist ihm klar, dass das kein Trend ist, der vorübergeht, sondern, dass genau da die Zukunft liegt. Und als Vater dreier pubertierender Töchter steht er mitten im Leben – und damit mitten in der digitalen Welt.

„Meine Töchter sind ständig on, ich schaffe es gerade mal noch, die Geräte vom Mittagstisch zu verbannen“, berichtet Heinemann am Donnerstagabend im PFL vor rund 120 Vertretern aus der regionalen Kaufmannschaft, von Handels- und Gewerbevereinen, aus Verbänden und aus der Politik. Sie alle stammen aus der Region – von Wangerooge bis Damme – und kamen zur Auftaktveranstaltung der großen NWZ -Aktion „Kauf hier“, mit der die NWZ  in den kommenden Monaten die Konsequenzen des Online-Handels für die Geschäftswelt vor Ort, für die Kommunen und letztlich für alle Bürger aufzeigen möchte.

Heinemann verschont die Einzelhändler im Saal nicht. Er schockiert sie sogar, wenn er etwa von einem „vollautomatisierten Laden“ spricht. Das ist ein Geschäft, in dem der Kunde sich mit einer App auf dem Smartphone eine Hose in der gewünschten Größe, Form und Farbe aussucht – „Kabine 14“ zeigt die App wenige Sekunden später an, dort ist die Hose zwischenzeitlich automatisch gelandet. Heinemann berichtet auch von einer Online-Live-Beratung. Mit einer kleinen Kamera zeigt die Verkäuferin das Produkt, während die Kundin bequem zu Hause vor dem Computer sitzt.

Kunden wollen es bequem

„Die Kunden kommen mit Smartphones in die Geschäfte, sie können immer und überall alles vergleichen. Das wollen die Kunden so, das ist bequem für sie“, sagt der Professor und spricht vom „Ende der Bequemlichkeit“ für manche Einzelhändler.

Viele von ihnen haben es sich indes gar nicht bequem gemacht, sondern sind mittendrin im Prozess, sich gegen Online-Riesen wie Amazon mit seinen in Deutschland 56 Millionen Artikeln zu behaupten.

„Der Handel entscheidet zwischen Lustkauf und Frustkauf“, bringt es Rolf Knetemann, Geschäftsführer des Handelverbandes Nordwest, auf den Punkt. Wenn es dem Handel gelinge, das Einkaufen zum Erlebnis für die Kunden zu machen, dann sei ihm um die Innenstädte nicht bange.

So sehen es offenbar auch die Einzelhändler in der Region – sowohl in großen Städten wie Oldenburg als auch in kleineren Orten wie Rastede, der „Perle des Ammerlandes“, wie Robert Lohkamp die Gemeinde nennt.

Zusammenspiel wichtig

Lohkamp ist Geschäftsführer der Residenzort Rastede GmbH, für Marketing zuständig und sagt: „Damit unsere Innenstädte und Ortskerne funktionieren, bedarf es eines Zusammenspiels zwischen Einzelhandel, Kultureinrichtungen, Gastronomie und anderen Dienstleistern. Ich kann bei Amazon zwar etwas einkaufen, aber nicht zum Arzt gehen oder den Einkaufsbummel zum Erlebnis für die ganze Familie werden lassen.“ Und genau da liege die Chance, sich gegen das Internet zu behaupten. „Das Internet kennt keine Öffnungszeiten“, legt Professor Heinemann den Finger in eine weitere Wunde, denn in der Tat ist das Thema Öffnungszeiten beispielsweise in Rastede ein wunder Punkt. Oder anders: Während die Online-Geschäfte rund um die Uhr geöffnet sind und so stark brummen, dass manche Nachbarn sich schon weigern, Pakete von Amazon und Co. entgegenzunehmen, wird in Rastede und anderen Gemeinden immer noch über einheitliche Öffnungszeiten diskutiert – und darüber, ob ein Geschäft über Mittag schließt oder nicht.

Der Online-Handel ist dennoch kein Schreckgespenst. „Wir müssen ihn als Chance begreifen und uns neu erfinden“, sagt Stefan Dieker, Inhaber eines Oldenburger Brillengeschäftes und Mitglied im Zusammenschluss „Oldenburgs gute Adresssen“. Das Ziel: Die Oldenburger Innenstadt mit neuen Ideen zu stärken – auch um die Käufer weg vom PC und hinein in die Stadt zu bewegen.


 Mehr Bilder unter:     www.nwzonline.de/fotos-region 
  Ein Video unter:   www.nwzplay.de 
Lars Laue
Korrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

Weitere Nachrichten:

PFL | Amazon | Residenzort Rastede GmbH

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