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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

An diese Lücke werden wir uns gewöhnen müssen

08.08.2017

Weener /Hannover Still fließt die Ems bei Weener durch den äußersten Winkel Ostfrieslands in Richtung Nordsee. Ruhe liegt über den angrenzenden Wiesen, auf denen Kühe und Schafe grasen. An der Bahnstrecke zwischen dem niederländischen Groningen Richtung Leer wuchert Unkraut im Bereich der Eisenbahnbrücke, die keine mehr ist. Im Dezember 2015 rammte ein Frachter die geschlossene Friesenbrücke. Seitdem ist das Bauwerk zerstört, der Bahnverkehr unterbrochen. Ein Neubau ist zum Ärger vieler Ems-Anrainer trotz vieler Diskussionen noch lange nicht in Sicht. Auch Radfahrer und Fußgänger stehen ratlos vor dem ramponierten Brückenbauwerk.

Viele Beteiligte

Die Deutsche Bahn, der Bundesverkehrsminister, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, das Land Niedersachsen, die Landkreise Leer und deutsche sowie niederländische Kommunen sowie die Meyer Werft in Papenburg – in diesem Kräftefeld bewegen sich seitdem zahlreiche Gespräche um die Zukunft der Klapp-Brücke.

Am Anfang stand zunächst die Untersuchung der Schäden, die der niederländische Frachter „Emsmoon“ bei der Kollision verursacht hatte. Wie stark sind die Segmente der Brücke betroffen, haben auch die massiven Pfeiler im Flussbett etwas abbekommen? Diese Bestandsaufnahme war Voraussetzung für die zunächst anvisierte Reparaturlösung: der 1:1-Ersatz.

Für geschätzte Kosten von 30 Millionen Euro könnte die mit 335 Metern längste Eisenbahn-Klappbrücke Deutschlands bis 2021 wieder hergestellt sein. So war der Stand Anfang November 2016, als die Meyer Werft plötzlich die Variante eines Neubaus mit breiterer Durchfahrt ins Spiel brachte. Für die Werft hätte das den Vorteil, dass ihre neuen Kreuzfahrtschiffe wesentlich leichter von Papenburg im Binnenland zur Nordsee überführt werden könnten. Bisher musste das Mittelteil der Brücke von einem Schwimmkran ausgehängt werden. Dann ruhte auch der Zugverkehr. Eine Task Force mit allen Beteiligten grübelt seitdem darüber, wie die Mehrkosten eines Neubaus von 15 bis 20 Millionen Euro geschultert und verteilt werden können. Zudem würde das erforderliche Planfeststellungsverfahren das Projekt um mindestens drei Jahre verzögern. Hinzu kämen bis zu fünf Jahre Bauzeit, befürchten die Umlandkommunen. „Das zieht sich wie Kaugummi“, zeigt sich Anfang 2017 der Leeraner Landrat Matthias Groote (SPD) enttäuscht über bis dahin ergebnislose Spitzengespräche.

Langwierige Amtswege

Die Lücke wird zur Hängepartie. Auch aus den Niederlanden kommt Unverständnis über die deutschen Amtswege. Inoffiziell erkundet sogar eine Pioniereinheit der niederländischen Armee Möglichkeiten für eine einfache, aber schnelle Ersatzlösung.

Im Mai kam schließlich die grundsätzliche Bereitschaft aus dem Bundesverkehrsministerium, die Mehrkosten für einen Teilneubau zu übernehmen. Allerdings waren die in Aussicht gestellten 15 bis 20 Millionen Euro nicht in dem Ende Juni von der Bundesregierung verabschiedeten Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2018.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hatte dennoch keine Zweifel daran, dass die Haushaltsmittel rechtzeitig bereit stehen. Das Land werde jedenfalls bis zu 30 Millionen Euro vorfinanzieren. Es liefen Gespräche, damit die Bahn vor der Absicherung der Gesamtfinanzierung mit den Planungsarbeiten beginnen könne, sagte Lies. Der fehlende Beschluss über die Bundesmittel soll sich nicht auf Planung und Realisierung des Teilneubaus einer Drehbrücke auswirken.

Das klingt bei der Bahn etwas anders: „Wir haben die Vorentwurfsplanungen des 1:1-Ersatzes abgeschlossen“, sagt ein Sprecher in Hamburg. „Wir sind mit dem Bund und dem Land in intensiven Gesprächen, da es seitens des Bundes den Wunsch gibt, einen Neubau zu finanzieren.“

Finanzierung unklar

Die Bahn könnte also sofort loslegen, aber noch ist der Bund am Zug, denn für das liebe Geld aus dem Verkehrsministerium fehlt grünes Licht aus Berlin. Die Gespräche unter anderem zur Finanzierung von Mehrkosten seien weit fortgeschritten, heißt es dort nur auf Anfrage: „Insofern ist es gemeinsames Ziel, dass die Planungen zum Ersatzneubau möglichst zeitnah aufgenommen werden. Dazu wird es Ende August ein abschließendes Gespräch zwischen den Beteiligten geben.“

Noch keine Lösung gibt es bisher auch für den Plan einer Fähre, die als Ersatz über die Ems pendeln soll. Die Meyer Werft und eine Reederei haben dafür bereits im April ein Schiff im britischen Cardiff ausfindig gemacht. Doch das Fahrzeug ist ohne aufwändigen Umbau nicht in Deutschland einsetzbar. Jetzt ist ein Neubau im Gespräch. Die Anträge für den Fährbetrieb sind allerdings noch nicht komplett.

Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet die Ems“ wertet das Fähr-Projekt von Werft und Reederei inzwischen als Lachnummer und den Zeitplan von zehn Jahren für eine neue Brücke als Armutszeugnis. „Die Bahn und die Menschen brauchen Lösungen und keine endlosen Visionen“, sagt BI-Sprecher Hajo Rutenberg.

Warum die Emsfähre noch nicht starten kann

Eine Fähre sollte schnellen und zeitweiligen Ersatz für die zerstörte Friesenbrücke über die Ems bei Weener bieten und über den Fluss pendeln, bis die Brücke wiederhergestellt ist. Eigentlich hieß es im Juni, dass die Fährverbindung noch diesen Spätsommer in Betrieb gehen würde. Doch es gibt noch immer Probleme mit Vorschriften, Genehmigungen – und der Finanzierung.

Das Schiff ist eine zuvor in Wales betriebene Fähre. Die britischen Vorschriften entsprechen nicht in allen Belangen den deutschen. Obwohl es seetauglich ist, müsste das Schiff also vor Inbetriebnahme aufwändig umgebaut werden. So sei die Tür zum Führerstand mit einer Breite von 75 Zentimetern in Großbritannien rechtlich in Ordnung gewesen, die deutschen Behörden verlangten aber eine Breite von einem Meter.

Betrieben werden soll die Fähre von der Meyer Werft und der Reederei Schulte & Bruns in Papenburg.

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