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28.05.2020

Verkehr:
Brücken-Neubau: Corona bremst Info-Mobil aus

Weener Wer sich mit dem Neubau der im Dezember 2015 zerstörten Friesensenbrücke beschäftigen möchte, kann die öffentlichen Antragsunterlagen einsehen. Interessenten sollten aber viel Zeit einplanen, wegen des großen Umfangs und diverser fachspezifischer Darstellungen. Die Pläne für den Neubau sehen Folgendes vor:

Eckdaten: Am Standort der bei einer Schiffskollision im Dezember 2015 zerstörten 335 Meter langen Friesenbrücke zwischen Weener und Hilkenborg soll eine neue eingleisige Hub-Dreh-Brücke mit einem Drehpfeiler für den beweglichen Teil auf der Overledinger Seite der Ems errichtet werden. Zum Bauwerk gehören ein 2,50 Meter breiter Fuß- und Radweg sowie ein separater Dienst- und Rettungsweg.

Begründung : Die Bahnstrecke 1575 verbinde sowohl die regionalen Ortschaften Ihrhove und Weener als auch die Metropolregionen Bremen und Groningen. Sie habe eine entsprechende Bedeutung für die Anlieger vor Ort und bilde „die Grundlage für transeuropäischen Austausch zwischen dem Norden Deutschlands und den Niederlanden in den Bereich Tourismus, Wissen, Kultur, Wirtschaft und Arbeit“. Bei der bisherigen Klappkonstruktion habe durch das Aushängen des 47 Meter breiten Überbaus zwischen den Pfeilern vier und fünf an zirka zehn Tagen pro Jahr kein durchgehender Eisenbahnverkehr betrieben werden können. Dieses Aushängen sei nicht mehr erforderlich. Und: „Durch den Bau der Drehbrücke wird der Öffnungsvorgang optimiert.“

Weil der Drehpfeiler auf Hilkenborger Seite des Flusses positioniert werde, bleibe außerdem die Nutzung der vorhandenen Fahrrinne in der Ems weiterhin möglich. Zudem vergrößere sich die Öffnungsbreite für Schiffe auf 56,50 Meter. Auch verbessere sich durch Konstruktionen zum Anprallschutz die Sicherheit des Bahnverkehrs. Ein Tunnelbauwerk komme „aus Gründen seiner Ausdehnung, der negativen Auswirkungen auf eine Vielzahl an Schutzgütern und die Umwelt sowie der Unwirtschaftlichkeit nicht in Frage“.

Terminplan: Im aktuellen Anhörungsverfahren durch die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr können Bürgerinnen und Bürger die Unterlagen in den Rathäusern in Weener und Ihrhove sowie im Internet unter uvp-portal.de einsehen und bis zum 23. Juli mögliche Einwendungen einreichen. Die Vergabe der Bau-leistungen nach der Vorlage eines rechtskräftigen Planfeststellungsbeschlusses soll 2021 erfolgen. Der Baubeginn mit Rückbau der vorhandenen Pfeiler und Vorlandbrücken ist im vierten Quartal 2021 vorgesehen. Dafür werden zwölf Monate eingeplant. Der eigentliche Neubau soll 24 Monate dauern und mit der Inbetriebnahme im vierten Quartal 2024 abgeschlossen werden.

Architektur: Das Brückenwärterhaus auf Weeneraner Uferseite, das 1926 erbaut wurde und unter Denkmalschutz steht, soll weitergenutzt werden. Es wird zu diesem Zweck baulich überarbeitet und dem Stand der neuen Technik angepasst. Im Bereich des alten Bahndamms auf der Hilkenborger Uferseite sollen ein 90 Quadratmeter großes Gebäude mit den elektrischen Energieanlagen für die Hub- und Drehvorgänge sowie eine Trafostation entstehen. Der neue Überbau der Brücke wird bis zu 14,85 Meter hoch sein und sich als geschweißte Stahlfachwerk-Konstruktion gestalterisch an das historische Vorbild anlehnen. Das Drehsegment wird eine Länge von 145 Metern haben. Im Westen (Weener) schließt sich eine 70 Meter lange, im Osten (Hilkenborg) eine 117 Meter lange Vorlandbrücke an.

Technik: Herzstück ist der zirka 30 mal elf Meter große Drehpfeiler mit begehbaren Räumen. Darin werden sich die Maschinentechnik und die Hydraulik untergebracht. Dazu zählt ein Hydraulikaggregat mit einem zirka 4000 Liter fassenden Öltank. Die Räume befinden sich auf drei Ebenen mit zwei separaten Treppenhäusern.

Der Bewegungsablauf zur Öffnung und Schließung der Brücke für den Schiffsverkehr gliedert sich in mehrere Phasen. Zunächst wird der drehbare Teil der Brücke entriegelt. In einem weiteren Schritt werden die Brückenenden am Drehpfeiler angehoben, ehe mit Hilfe eines Hydroantriebs und eines Drehkranzes das Aufdrehen und das Verriegeln in der Endlage folgt.

Baustelle: Der Bau wird zum größten Teil auf Overledinger Seite stattfinden. Für die Vorfertigung von Überbauteilen soll auch in Weener eine Fläche angelegt werden - und zwar auf dem Eisenbahndamm. Hinzu kommt eine Baustelle für die Westseite der neuen Konstruktion, die nördlich der Brücke parallel zur Friesenstraße eingerichtet wird.

Darüber hinaus heißt es: „Durch die Baumaßnahme kommt es zu Einschränkungen des Schiffsverkehrs.“ Während der Bauzeit werde „eine Mindestdurchfahrtbreite von 25 Metern freigehalten“. Für den Rückbau der alten Brücke und für das Einschieben der neuen Überbauten seien zeitweilige Sperrungen der Ems erforderlich.

Auf den Straßen kann es ebenfalls zu Verkehrsbehinderungen kommen. Denn „zeitlich und räumlich parallel mit der Erneuerung der Friesenbrücke“ werde der Tidepolder Coldemüntje als Maßnahme des „Masterplan Ems 2050“ angelegt. Der Transport von Bodenaushub erfolge über die Kreisstraße 22, die Fährhausstraße und den Weg Müggenborg.

Eingriffe in die Natur: Zur Kompensation der Versiegelung, die durch die Neugründung der Brückenpfeiler entsteht, ist der Rückbau von Deckwerk entlang des Emsufers auf einer Fläche von 2591 Quadratmetern vorgesehen - und zwar in Petkum. Hier soll zum Uferschutz stattdessen ein zehn Meter breiter Röhrichtgürtel angepflanzt werden.