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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Wenn der Putz vom Leuchtturm fällt

29.05.2013

Wangerooge Den Knoten kontrolliert Sven Rathjen zweimal, dreimal. Der muss nämlich sitzen. Der 39-Jährige will sich gleich außen am alten Wangerooger Leuchtturm abseilen. Da braucht er Sicherheit. Gemeinsam mit seinem Kollegen Daniel Pinkert (35) hat er zuvor ein Klettergeschirr angelegt – und beide haben gegenseitig penibel den genauen Sitz der Gurte überprüft.

Sicherheit steht an erster Stelle, wenn die beiden Inspektoren des Monumentendienstes im Einsatz sind. Dazu gehören auch die äußeren Bedingungen – und die sind an diesem Dienstag nahezu perfekt auf Wangerooge. Es ist trocken, kein Wind stört, und die Temperaturen sind angenehm. Dass gleichzeitig ein Seenebel über die Insel zieht, stört die beiden Bauexperten nicht.

Perfekte Bedingungen

Sie sind morgens mit dem ersten Flieger um kurz nach 8 Uhr von Harlesiel aus auf die Nordseeinsel geflogen. „Gleich nach unserer Ankunft waren wir erleichtert, dass wir für unseren Einsatz perfekte Wetterbedingungen hatten“, berichtet Sven Rathjen. Gegen Mittag wurden alle weiteren Flüge wegen des Nebels gestrichen. Zu dieser Zeit haben die beiden Inspektoren des Monumentendienstes bereits die ersten oberflächlichen Untersuchungen des Leuchtturms hinter sich.

Gerufen wurde der Monumentendienst vom Landkreis Friesland und der Gemeinde Wangerooge. In diesem Frühjahr waren plötzlich Schäden an der Wetterseite des alten Gebäudes sichtbar geworden. Der erst etwa zwei Jahre alte Anstrich bröckelte. Noch schlimmer: Auch der Putz löste sich an einigen Stellen – und kleine Brocken waren auch schon heruntergefallen.

Damit wurde der Turm, in dem jedes Jahr mehrere Hundert Menschen heiraten und den etwa 40 000 Menschen besuchen, ein Fall für den Monumentendienst. Diese Institution hilft den Besitzern historischer Gebäude, die Substanz ihrer Häuser zu erhalten.

Nach einer Inspektion bekommen die Hausbesitzer einen detaillierten Bericht über den baulichen Zustand ihrer Immobilie, verbunden mit einem nach Dringlichkeit gestaffelten Maßnahmen-Katalog. Daraus geht hervor, welche Maßnahme kurzfristig erledigt werden muss und was mittelfristig beziehungsweise langfristig zu machen ist.

Die Reparaturen am Wangerooger Leuchtturm gehören in die Rubrik der Dinge, die nicht auf die lange Bank geschoben werden sollen. Schließlich geht es dabei um die Sicherheit der Gäste und Insulaner, sagt Beate Grimm, stellvertretende Bürgermeisterin der Inselgemeinde. Ein erstes Angebot für die Arbeiten gebe es bereits bei der Verwaltung, doch wolle man zunächst die Empfehlung des Monumentendienstes abwarten – „danach werden wir unverzüglich handeln“.

Auf eine möglichst schnelle und gründliche Reparatur hofft auch Leuchtturmwärter Jan Gerdes, seit 1990 für das Schmuckstück zuständig. Der 56-Jährige hat in den vergangenen Jahren alles peinlich genau dokumentiert, was an dem Gebäude unternommen wurde. Die beiden Inspektoren sind beeindruckt über die Unterlagen, die sie zu Beginn ihres Einsatzes bekamen.

Schäden beherrschbar

Jan Gerdes ist nicht nur darauf stolz, sondern auch auf die Idee, in dem alten Leuchtturm eine Außenstelle des Standesamtes mit einem schmucken Hochzeitszimmer direkt unter dem obersten Deck des Turms einzurichten. Als im März 1996 die erste Trauung hoch über der Insel stattgefunden habe, sei das für viele andere Leuchtturmbetreiber ein Anlass gewesen, das nachzumachen. Gerdes ist im Übrigen froh darüber, dass die Gemeinde den beliebten Turm grundsätzlich gut in Schuss halte.

Die erste große Umbauphase hat es bereits im Jahr 1926 gegeben. Damals wurde der 1856 in Betrieb genommene Leuchtturm um sieben Meter auf eine Höhe von 39 Metern vergrößert. Notwendig war der Umbau geworden, weil die Hotels am Strand der Insel so hoch gewachsen waren, dass die Schiffe im Wangerooger Fahrwasser das Leuchtfeuer nicht mehr sehen konnten.

Die letzte größere Baumaßnahme an dem seit 1969 als Aussichtsturm und Museum genutzten Gebäude hat es im Jahr 2000 gegeben. Damals wurde ein zweilagiger Sanierungsputz aufgetragen – dessen obere Lage jetzt an einigen Stelle abplatzt.

Sven Rathjen ist nach den Untersuchungen des ersten Inspektionstages optimistisch, dass alle gefundenen Schäden gut beherrschbar sind. An diesem Mittwoch geht es um die „inneren Werte“ des alten Leuchtturms. Doch da wird eigentlich keine böse Überraschung erwartet.

Unlösbar ist jedoch ein anderes Problem. Der Wind zerfetzt jedes Jahr mehrere Oldenburger Flaggen, die den Turm ansonsten so schön schmücken. „Da hilft nur eins“, sagt Leuchtturmwärter Gerdes, „nämlich erneuern.“


     www.monumentendienst.de 
NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/friesland 

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