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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Wenn die Post vom Himmel ins Meer fällt

20.09.2013

Wilhelmshaven Post von zu Hause – für Seeleute immer eine Besonderheit, auch wenn sie gelegentlich nicht von der Familie kommt. Spezielle Post auf einem ungewöhnlichen Weg erreichte jetzt die in Wilhelmshaven beheimatete Fregatte „Niedersachsen“ in den Weiten des indischen Ozeans.

Für einen Teil der Besatzung waren die Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl am Sonntag nicht rechtzeitig im Hafen von Djibouti am Horn von Afrika angekommen. Transporthilfe leistete dann, wie berichtet, ein spanisches Aufklärungsflugzeug, das eine Kartusche mit den Unterlagen per Fallschirm in der Nähe der Fregatte ins Meer warf.

Mit einem schnellen Beiboot wurden die Unterlagen an Bord geholt – und inzwischen sind die ausgefüllten Wahlzettel via Bordhubschrauber und Flugzeug auf dem Rückweg in die zuständigen deutschen Wahlämter.

Vor dieser Episode hatte die „Niedersachsen“ gerade ihren ersten Einsatz-Auftrag absolviert, nämlich einen Frachter mit Mais auf dem Weg von Mombasa (Kenia) nach Mogadischu (Somalia) begleitet. „Diese Hilfstransporte im Auftrag der Vereinten Nationen sind ohne Schutz leicht angreifbar“, berichtet Fregattenkapitän Kurt Leonards im Telefongespräch mit dieser Zeitung. Sie liegen tief im Wasser, sind langsam unterwegs und können sich selbst schlecht gegen Piratenangriffe wehren.

Mit einer Fregatte an der Seite sind die Piraten ohne Chance – und das wissen sie offenbar. Denn seit Monaten haben sie sich nicht mehr blicken lassen. Diese Ruhe zeigt den beteiligten Soldaten, dass sich der jahrelange Marineeinsatz gelohnt hat. Mit großer Zufriedenheit stellen sie fest, dass in dem ehemals gefährlichsten Seegebiet der Welt zunehmend mehr Fischer unterwegs sind, weil die Piraten weg sind.

„Hier findet keine Piratenjagd mehr statt, jetzt geht es um Konsolidierung“, sagt der 45-jährige Kommandant der „Niedersachsen“ und fügt hinzu, wie wichtig es sei, dass jetzt weiterhin in dem Seegebiet Flagge gezeigt werde. Bei jedem Kontakt mit den Fischern vor Ort werde dies deutlich: „Immer sagen die Fischer uns, dass es nur deshalb so ruhig sei, weil wir hier sind.“ Gleichzeitig formulierten sie die Sorge, dass sich das sofort wieder ändern würde wenn sich die Piraten wieder größere Chancen ausrechnen könnten. Ihr Wunsch: „Lasst uns nicht allein.“

Etwa sechs Schiffsverbände operieren derzeit in dem riesigen Seegebiet, das etwa 18 Mal so groß wie Deutschland ist. Der EU-„Atalanta“-Verband besteht neben der „Niedersachsen“ aus dem niederländischen Flaggschiff „Johan de Witt“, einer italienischen und einer spanischen Fregatte sowie zwei Seefernaufklärern aus Spanien und Luxemburg. Außerdem sind Verbände aus den USA, England, Korea, Japan und China unterwegs. Die einzelnen Aufgaben werden untereinander abgestimmt, um die Überwachungslücken so klein wie möglich zu halten.

Zu den Hauptaufgaben der Fregatten gehört der Begleitschutz für Hilfstransporte, aber auch der Aufbau eines genauen Lagebildes beispielsweise in dem Transit-Korridor im Golf von Aden.

Auch wenn seit langem keine Piraten mehr gesichtet wurden – die Besatzung der „Niedersachsen“ ist darauf vorbereitet und übt regelmäßig die entsprechenden Einsatz-Szenarios. Kommandant Leonards: „Wir werden dabei von dem Bewusstsein getragen, dass wir hier etwas wirklich Sinnvolles machen.“

An diesem Freitag beginnen nach 12 Tagen in glatter See bei angenehmen mediterranen Temperaturen wieder zweieinhalb Hafentage in der schwülen Hitze Djibutis, wo selbst nachts noch über 30 Grad Hitze herrschen – bei deutlich mehr als 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Dort verfolgen die Soldaten dann die Bundestagswahl im Internet.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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