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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Neue Studie zur A20: Bau von Küstenautobahn könnte doppelt so teuer werden

13.01.2021

Westerstede Der Weiterbau der Küstenautobahn A 20 in Schleswig-Holstein und Niedersachsen könnte sich einer Studie zufolge so drastisch verteuern, dass das Großprojekt aus Sicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nicht mehr wirtschaftlich ist. Die Gesamtkosten für den Neubau würden demnach rund doppelt so teuer ausfallen wie bislang geplant, wie der Verband bei der Vorstellung der Studie am Dienstag mitteilte. Statt 3,7 Milliarden rechnet der BUND mit Baukosten von mindestens 7 Milliarden Euro – inklusive dem neuen Elbtunnel bei Stade. Widerspruch kommt dagegen von der Politik. Das Land Niedersachsen betont die Bedeutung der A 20 für die Region.

Die Kosten für die A 20 im Bundesverkehrswegeplan seien deutlich zu niedrig angesetzt, sagte Kirsten Erwentraut, die die Studie im Auftrag des BUND erstellte. Tatsächlich überstiegen jedoch die Kosten den Nutzen der Autobahn. „Daraus lässt sich nur die Konsequenz ziehen, dass die A 20 nicht bauwürdig ist“, sagte sie. Die Kosten für einen Kilometer A 20 liegen demnach im Schnitt bei mehr als 25 Millionen Euro. „Was sehr kostspielig ist“, sagte Erwentraut. Ein normaler Autobahnkilometer komme auf 10 bis 20 Millionen Euro.

Auf Prüfstand stellen

Für den BUND steht die A 20 exemplarisch für andere Großprojekte. Laut Bundesvorsitzendem Olaf Bandt zerstöre das Vorhaben nicht nur die Natur – es passe auch nicht zu den anvisierten Klimazielen, etwa zu der Senkung des CO2-Ausstoßes. Bandt nahm die Kostensteigerung zum Anlass, um eine Umkehr in der Verkehrsplanung zu fordern: „Die Gelder bräuchten wir eigentlich tatsächlich für einen klimaverträglichen Ausbau der Mobilität.“ Statt mehr Verkehr auf den Autobahnen müsse stärker auf Bus- und Bahnverkehr gesetzt werden. Der Umweltverband forderte daher, das Infrastrukturprojekt zu stoppen und angesichts von Klima- und Biodiversitätszielen auf den Prüfstand zu stellen.

Für die Studie berechneten die Autoren auf Basis von Schätzungen des Bundesrechnungshofes zum geplanten neuen A 20-Elbtunnel die Kosten für das Gesamtprojekt neu und bezogen dabei auch etwa steigende Baupreise mit ein. Neben dem Elbtunnel könnten laut Studie viele weitere große Ingenieurprojekte die Kosten für das Vorhaben in die Höhe treiben. So müssten für die Trasse allein in Niedersachsen 145 Brücken gebaut werden. Zudem sei vor allem in der Wesermarsch, also in Marsch- und Moorgebieten, mit schwierigen Befestigungsarbeiten zu rechnen.

Die A 20 soll einmal die Niederlande, Norddeutschland und Polen verbinden. Mit 121 Kilometern auf niedersächsischer Seite zählt sie zu den wichtigsten Infrastrukturprojekten des Bundeslandes. Seit Langem endet die vom polnischen Stettin kommende Autobahn aber östlich von Bad Segeberg in Schleswig-Holstein. Über den Bau wird immer wieder gestritten – Klagen verzögern den Beginn des ersten, 13 Kilometer langen Abschnitts in Niedersachsen von der A 28 bei Westerstede (Landkreis Ammerland) bis zur A 29 bei Jaderberg.

Für den ersten Teil ist nun ein geänderter Planfeststellungsbeschluss nötig. Aktualisierte Genehmigungen werden laut Autobahngesellschaft des Bundes noch für diesen Januar oder Februar erwartet. Es sind allerdings auch noch Klagen, etwa des BUND, anhängig, so dass die Behörde frühestens mit einem Baustart im Herbst 2021 rechnet.

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Fast 3 Milliarden Euro

Bereits im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass das Neubauvorhaben allein auf niedersächsischer Seite wegen steigender Baukosten teurer werde. Die A 20 von Westerstede bis zur Elbe bei Drochtersen könnte sich demnach um 357,5 Millionen Euro verteuern, wie aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorging. Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU) bezifferte die Mittel auf knapp 2,6 Milliarden Euro. Hochgerechnet sei von Kosten von mehr als 2,9 Milliarden Euro auszugehen.

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