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NWZonline.de Region

Wettlauf der Banken um Kreditvergabe an Stolberg

17.02.2016

Bremen /Oldenburg Im Prozess gegen Verantwortliche der Bremer Beluga-Reederei wollen die Richter am Mittwoch (10.00 Uhr) drei Mitarbeiter der Bremer Landesbank als Zeugen befragen. Dabei dürfte es vor allem darum gehen, ob, wann und wie viel die Bank vom Finanzierungsmodell des Reederei-Gründers Niels Stolberg wusste. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft Kreditbetrug vor.

Bereits am Dienstag hatten Banker ausgesagt. Aaron S. ist 39 Jahre alt, lebt in Singapur und ist für eine Großbank der verantwortliche Mann für Schiffsfinanzierungen im asiatisch-pazifischen Raum. Am Dienstag hatte er einen Termin in Bremen – als Zeuge im Prozess gegen Niels Stolberg und drei weitere Manager der ehemaligen Bremer Beluga-Reederei.

Kreditbetrug wirft die Anklage dem jetzt in Oldenburg lebenden Hauptangeklagten Stolberg vor. Mit fingierten Rechnungen, so die Staatsanwaltschaft, soll er sich Millionenkredite für den Bau neuer Schiffe auf einer chinesischen Werft erschlichen haben.

Geholfen habe dabei eine niederländische Werft, die für das Schiffsdesign und die Bauaufsicht überhöhte Beträge in Rechnung gestellt habe.

Auf diese Weise seien den Banken höhere Baukosten vorgegaukelt worden, so dass diese oft nicht nur – wie geplant – 70 Prozent, sondern bis zu 100 Prozent und mehr der tatsächlichen Baukosten mit ihren Krediten finanziert hätten. Aaron S. erläuterte am Dienstag, wie er als junger Nachwuchsbanker vor zehn Jahren den Kontakt zu dem damaligen Erfolgsreeder Stolberg gesucht habe. Er gehörte zu einem Team, das für die Dresdner Bank in das Geschäftsfeld Schiffsfinanzierungen eindringen sollte.

Den Kontakt zu Stolberg habe ein OLB-Vorstandsmitglied hergestellt – und in ersten Gesprächen seien gleich konkrete Ansätze zur Zusammenarbeit identifiziert worden. Später habe man sich dann mit einer entsprechenden Offerte um die Schiffsfinanzierungen der Beluga-Reederei beworben. Deutlich ist dem Banker anzumerken, dass er sich freute, damals das Rennen gemacht zu haben, zumal sich auch eine andere Bank darum bemüht habe.

In der Zeugenaussage wurde deutlich, dass bei der Überprüfung vor der Kreditvergabe der Auftragsteil der niederländischen Werft offenbar keine große Rolle gespielt hat. Es habe schließlich Gutachten über den Wert der Schiffe sowie die Qualität der Werft gegeben. Der Vertragsteil mit dem Eigenanteil sei zwar für die Kreditentscheidung wichtig gewesen, doch überprüft worden sei lediglich die „Plausibilität“.

Erst später, so der Zeuge, habe er erfahren, „dass es in der Branche nicht unüblich“ war, Eigenkapital durch sogenannte Kickback-Zahlungen darzustellen, eine künstliche Erhöhung der Investitionssumme. Schon zu Prozessbeginn hatte Stolberg dieses Verfahren branchenübliche Eigenkapitaldarstellung genannt. An diesem Mittwoch sagen weitere Banker aus.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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Beluga | Staatsanwaltschaft Bremen | Dresdner Bank | OLB

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