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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Wie das Internet die Städte bedroht

15.03.2014

Oldenburg Der zunehmende Online-Handel bedroht die Läden in den Städten. Doch längst nicht alle Einkaufsstraßen in der Region werden im gleichen Maße unter dem Online-Boom leiden. „Internet und Versandhandel machten 2012 sieben Prozent des Gesamtumsatzes von 73 Milliarden des Handels in Deutschland aus. Das wird zunehmen. Aber Experten sehen nicht nur den Handel in den Innenstädten bedroht, sondern auch Gefahren für das Stadtbild.

„Die Kommunen, und eben nicht nur der Handel, müssen Handlungskonzepte entwickeln, wie die Innenstädte für Kunden weiter attraktiv bleiben oder wieder werden“, sagt Prof. Dr. Walter Siebel, der jahrzehntelang an der Universität Oldenburg tätig war. Siebel gilt als einer der renommiertesten deutschen Stadtsoziologen mit internationaler Reputation.

Er empfiehlt dem Handel, mehr auf höherwertige Waren in den Sortimenten zu setzen. Siebel: „Man sollte das Einkaufen als Erlebnis inszenieren, geschultes Personal einsetzen, das den Kunden berät. Und für rentable Geschäfte braucht man mehr Fläche.“

Das Drumherum müsse in den Läden stimmen, so Siebel. Kleidung anprobieren, Produkte ausprobieren – das könne man halt im Internet nicht. „Der klassische Handel sollte stärker auf die emotionale Seite des Einkaufens setzen.“ Dabei solle der klassische Innenstadt-Einzelhandel durchaus auch online auf sich aufmerksam machen, indem er auf die Qualität des Geschäftes setze.

Es sei, meint Siebel, durchaus möglich, Kaufkraft von der grünen Wiese zurück in die Innenstädte holen. Oldenburg habe dies mit der Ansiedlung des ECE-Centers (Schlosshöfe) durchaus bewiesen.

Aber eben auch die Kommunen müssten ihren Beitrag zur Attraktivität der Innenstädte leisten. „Es gibt eine Renaissance der Innenstadt als Wohn- und Arbeitsort“, erklärt Prof. Siebel. Wenn immer mehr Menschen den Beruf in den Mittelpunkt ihres Lebens stellten, zugleich aber die sozialen Voraussetzungen dafür, nämlich die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau schwinde, dann ergebe sich ein Dilemma, aus dem nur zwei Wege führen. Siebel: „Erstens, man reduziert radikal alle außerberuflichen Verpflichtungen, indem man seinen Haushalt mit arbeitssparenden Gerätschaften aufrüstet, Haushaltshilfen beschäftigt und auf Kinder verzichtet.“

Der zweite Weg sei das Leben in der Stadt. Moderne Dienstleistungsstädte seien Maschinen, die jeden, der genügend Geld habe, mit allem versorge, wofür man früher einen privaten Haushalt benötigte. „Die moderne Stadt bietet Kinderbetreuung, Pflege der Alten und Kranken, Essen jeder Qualität, Wohnungspflege, Wäschereien, Unterhaltung und psychologischen Zuspruch - kurz alles, was man zu seiner Reproduktion braucht.“

Kommunen sollten darauf achten, dass in den Innenstädten Kultur, Einkaufen, Wohnen, Freizeit und Arbeit ineinander greifen. Im Grunde müsse es in jeder Kommune städtische Fachleute geben, die sich um Leerstände kümmerten – sowohl beim Handel, als auch beim Wohnraum.

„Vor allem die strukturschwachen Klein- und Mittelstädte werden Probleme bekommen. Das wird auch am demografischen Wandel liegen. Deshalb werden Kommunen, in denen die Bevölkerung weiter wächst, zu den Gewinnern gehören. Das sind zum Beispiel die Stadt Oldenburg und die Kreise Cloppenburg und Vechta“, betont Siebel.

Norbert Wahn
Redakteur
Politikredaktion
Tel:
0441 9988 2097

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