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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Am Beckenrand gibt es große Lücken

13.06.2019

Wiefelstede Das Wasser plätschert über die hellblauen Fliesen am Beckenrand des Wiefelsteder Freibades, gemütlich zieht eine Seniorin ihre Bahnen im Schwimmerbecken, während ein Dutzend Jugendliche die Chance nutzen und die leere Rutsche in Beschlag nehmen.

Schwimmmeister Mario Schaeffer steht am Beckenrand. Dass sein Team im Wiefelsteder Swemmbad gut aufgestellt ist, ist eher die Ausnahme in der heutigen Zeit. Überall mangelt es in Bädern an Personal, auch im Oldenburger Land.

Schwimmmeister – umgangssprachlich auch Bademeister genannt – sind Mangelware, ebenso wie die Fachangestellten für Bäderbetriebe (sozusagen Gesellen). Der 60-jährige Mario Schaeffer ist Betriebsleiter des Swemmbads, außerdem Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen/Bremen im Bund Deutscher Schwimmmeister. Seit 44 Jahren arbeitet er in seinem Beruf. „Die Lage in Niedersachsen ist ein bisschen entspannter als in anderen Bundesländern“, sagt Schaeffer.

100 Azubis im Land

Neben Nordrhein-Westfalen habe Niedersachsen noch die meisten Auszubildenden. „Aktuell gibt es in Niedersachsen etwa 100 Azubis, davon bestehen rund 80 Prozent die Prüfung.“

Es kämen schon Fachkräfte nach, „aber der Engpass ist da“, betont der Schwimmmeister. Immer weniger junge Menschen wollen eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe machen. Wo die Betriebe früher noch die Qual der Wahl hatten, können sich heute umgekehrt die wenigen Azubis ihre Ausbildungsstellen aussuchen.

Das Problem mit dem Mangel sei hausgemacht, sagt der Vorsitzende. Nach der Umstellung von Tarifverträgen im öffentlichen Dienst vor etwa zehn Jahren habe es Lohnabstufungen gegeben, viele Kollegen seien wegen der schlechten Bezahlung in andere Berufe abgewandert. Heute liege das Einstiegsgehalt eines Fachangestellten für Bäderbetriebe (wenn es sehr gut läuft) bei etwa 1500 Euro netto – allerdings nur im öffentlichen Dienst. Einen flächendeckenden Tarifvertrag gebe es nicht. Von 1000 Euro netto beispielsweise könne man wiederum keine Familie ernähren, fügt er hinzu. Im privaten Bereich sei es wesentlich weniger, so Mario Schaeffer. Freizeitparks würden ihr Bad-Personal sogar mitunter nach Gastro-Tarifen bezahlen.

Positiv für die fertigen Azubis: „Aufgrund des Fachkräftemangels haben sie später keine Probleme, eine Stelle zu finden“, meint der Landesvorsitzende. Und auch bei der Gehaltsvorstellung sitzen die jungen Leute dadurch am längeren Hebel. Weil manche Bäder so händeringend nach fertigen Azubis suchen, zahlen einige davon gar überbetrieblich.

Mit 22 000 bis 23 000 Personen bundesweit sei es eine sehr kleine Berufsgruppe, die von staatlicher Seite wenig Unterstützung bekomme. „Die politische Unterstützung ist gleich null“, beklagt Mario Schaeffer.

Öffnungszeiten reduziert

Bäderschließungen sind dem Landesvorsitzenden keine bekannt. Wohl aber, dass einige Bäder ihre Öffnungszeiten aufgrund von Personalmangel reduzieren müssen. In der Region sind das zum Beispiel das Rosenfreibad in Harpstedt, das Hatter Freibad oder das Hallenwellenbad in Hooksiel. Auch in Brake blieb eine Stellen-Ausschreibung bislang ohne größere Resonanz, das hat Einfluss auf die Kurs-Angebote.

Nicht nur die Bezahlung, auch die Arbeitszeiten scheinen die Ausbildung wenig schmackhaft zu machen. „Wir arbeiten auch am Wochenende und in Schichtdiensten“, erklärt Schaeffer. Zudem gebe es auch Bäder mit einer Urlaubssperre in der Sommersaison. Nicht besonders familienfreundlich, fügt der 60-Jährige hinzu.

Noch nicht schwerwiegende, aber erste Anzeichen merke man in der Branche auch beim demografischen Wandel. Viele Schwimmmeister gehen in Rente, der Nachwuchs macht sich rar. Und noch ein Punkt in diesem Rahmen: Es gibt immer mehr ältere Menschen, die im Schwimmbad in Reha-Gruppen oder ähnlichem aktiv sind. Auch diese müssen betreut werden. Mario Schaeffer kann das Desinteresse nicht nachvollziehen. Es sei doch eine interessante Ausbildung, betont er. „Es geht auch um Verwaltungsangelegenheiten, Betreuung der Technik, Kurse wie Aquafitness oder Chemie.“

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Tonia Hysky Redakteurin / Politikredaktion
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