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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Betreiber nennt Entsorgungsproblem „Panikmache“

30.01.2020
Frage: Herr Wilberts, die Entsorgung von Windkraft-Rotorblättern, in denen seit Anfang der 2000er Jahre Kohlefasermatten (kohlefaserverstärkte Kunststoffe, CFK) eingebaut wurden, um sie noch leichter zu machen, bereitet Schwierigkeiten. Herkömmliche Verbrennungsanlagen wollen die Kohlenstoffmatten nicht annehmen, da ihre Filter wegen der elektrischen Leitfähigkeit der Kohlenstofffasern beschädigt werden und ausfallen können. Sehen Sie diese Problematik auch?
Wilberts: Nein. Da gibt es kein Problem, weil Entsorgungsmöglichkeiten längst entwickelt sind.
Frage: Inwiefern?
Wilberts: Es gibt Entsorgungsunternehmen, die aktuell bereits die Glasfaserverbundstoffe entsorgen und es gibt mittlerweile Systeme und Verfahren, die auch Kohlefaserstoffe aus diesem Material herausfiltern, um sie fachgerecht entsorgen oder wiederverwenden zu können.

Vielfältig engagierter Unternehmer

Wilhelm Wilberts aus Papenburg ist Landesvorsitzender des Bundesverbandes Windenergie und Mitglied des Verbandes Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen.

Der 61-Jährige betreibt in der Region diverse Bürgerwindparks mit insgesamt rund 180 Anlagen.

Frage: Ist die aufgeworfene Entsorgungsproblematik also Panikmache?
Wilberts: Ich sehe das so. Es ist sicherlich so, dass in den nächsten Jahren viele Windkraftanlagen ihre Lebensdauer erreicht haben und entweder erneuert oder einfach abgebaut werden, weil sie nicht mehr genehmigungsfähig sind. Nicht alle Hersteller aber haben Kohlefaserstoffe verwendet. Enercon verwendet diese beispielsweise nur in sehr geringem Maße. Und was die Entsorgung angeht, entwickelt sich gerade ganz viel.
Frage: Und zwar?
Wilberts: Es wird normierte Vorschriften geben, wie eine Windkraftanlage insgesamt zu recyceln ist. Der Bundesverband Windenergie etwa fordert die Einführung eines Abfallschlüssels, um am Ende international die gleichen Vorgaben zu haben. Um die Verwertung zu vereinheitlichen, sollen die Hersteller zukünftig den Nachweis erbringen müssen, welche Stoffe in den Rotorblättern verarbeitet wurden. Wenn gebrauchte Rotorblätter, die älter als fünf Jahre sind, im Inland weiterverwendet werden können, soll das möglich sein. Ist aber das Ziel, sie ins Ausland zu exportieren, so muss ein Nachweis erbracht werden, wo genau sie verwendet werden sollen, damit sie nicht illegal im Ausland entsorgt werden.
Frage: Nur mal für den Nordwesten Niedersachsens: Über wie viele solcher Windkraftanlagen sprechen wir in etwa, die in den nächsten Jahren abgerissen und entsorgt werden müssen?
Wilberts: Insgesamt sprechen wir über ungefähr 1200 Anlagen, die in Niedersachsen Ende dieses Jahres aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz fallen. Der Großteil davon steht sicherlich in Norddeutschland zwischen Cuxhaven und Emden. Das Ende der Förderung bedeutet aber nicht, dass alle Anlagen dann abgebaut und verschrottet werden müssen. Im Moment suchen die meisten Betreiber nach Lösungen, um die Anlagen weiterbetreiben zu können. Aus technischer Sicht ist das möglich, ob es auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn macht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Anlagen weiterbetrieben wird.
Frage: Denkbar ist laut Umweltbundesamt, dass sich die Hersteller an den Rückbaukosten beteiligen. Was halten Sie von der Idee, das müsste Ihnen als Windpark-Betreiber doch entgegenkommen.
Wilberts: Im Moment sind wir als Betreiber in der Entsorgungspflicht. Ich muss mir auch überlegen, was ich langfristig mit meinen Anlagen mache. Aber um es klar zu sagen: Ich sehe in erster Linie die Betreiber in der Verantwortung. Hinzu kommt, dass auch nicht in allen Fällen die Hersteller noch existieren, weil sie gar nicht mehr am Markt sind. Also: Die Betreiber der Anlagen sind für alles verantwortlich. Das fängt bei technischen Nachweisen an, geht über den Alltagsbetrieb und die Wartung der Anlagen und endet bei der Entsorgung. Das ist auch richtig so.
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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