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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Kleine Kneipe erinnert an großen Kampf um Südzentrale

11.12.2017

Wilhelmshaven Es ist dunkel, kalt und nass. Dezemberabend in der Wilhelmshavener Südstadt. Am Fuß der Kaiser-Wilhelm-Brücke, die den Verbindungshafen überquert, fällt durch große Fenster warmes Licht auf die Straße und spiegelt sich in einer Pfütze.

„An der Südzentrale“ steht über dem Eingang der Kneipe zwischen zwei dorischen Säulen eines alten denkmalgeschützten Eckhauses an der Rheinstraße 11. Peter Hartmann hat das Lokal vor zwei Jahren übernommen und komplett saniert. Viel Holz, warme Farben, gedämpftes Licht. Links der Theke steht ein Klavier, rechts als Hingucker ein Lastenfahrrad, mit dem man auch mal eine Kiste Bier holen kann. „Wir wollen Einheimische, Touristen und auch Schiffsbesatzungen ansprechen“, sagt der 62-jährige Inhaber. An jedem 2. Freitag im Monat finden Lesungen und kleine Konzerte statt.

Die „Südzentrale“ ist aber mehr als eine gemütliche Eckkneipe, von denen es leider immer weniger gibt. Sie erinnert mit ihrem Namen an ein Gebäude, das Bau- und Industriegeschichte schrieb – und 2015 nach langem Kampf um seinen Erhalt abgerissen wurde. Einst versorgte die 1911 gebaute Südzentrale die Stadt und das Marinearsenal mit Energie. Die markante Jugendstil-Fassade bildete ein Ensemble mit der Kaiser-Wilhelm-Brücke und prägte das Hafenbild. Jetzt sind nur noch Schuttberge übrig. Was mit dem Gelände passieren soll, steht in den Sternen.

In der Kneipe „An der Südzentrale“ treffe ich Rüdiger Nietiedt und Ralph Ehlers, die mit dem Verein zum Erhalt der Südzentrale alles versucht hatten, den Abbruch zu verhindern.

„Ich bin immer noch fassungslos“, sagt Nietiedt. Der 75-jährige Unternehmer aus Wilhelmshaven hatte mit seinen Mitstreitern Geld gesammelt, Gutachten erstellen lassen, Nutzungskonzepte vorgelegt. Letzte Hoffnung war, in der alten Südzentrale das internationale Wattenmeersekretariat anzusiedeln.

Mit einer Menschenkette protestierten Bürger gegen den Abriss, ein Film über die Geschichte und Bedeutung der Südzentrale sorgte für lange Schlangen vor dem Wilhelmshavener Kino, ein Bildband erschien.

Doch nichts half. Der Verein biss sich an den Eigentümern die Zähne aus und scheiterte am mangelnden Willen der Stadt, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zu retten. „Das ist eine lange Geschichte verpasster Chancen“, sagt Nietiedt heute. Nun sei das Baudenkmal unwiederbringlich verloren. Und mit diesem Verlust sei auch das Engagement und Interesse vieler Bürger missachtet worden.

Damit sich das nicht wiederholt, ist aus dem Verein zum Erhalt der Südzentrale der Verein zum Erhalt Wilhelmshavener Baukultur geworden. „Ich bin Bürger Wilhelmshavens, mir gefällt die Stadt und ich glaube, dass man die Geschichte und das Gesicht dieser Stadt erhalten muss“, sagt Ralph Ehlers, der Vereinsvorsitzende. Es gebe viele gefährdete Baudenkmale, betont der 54-jährige Marineoffizier: Der alte Wasserturm an der Gökerstraße, der Textilhof, das ehemalige Jadebad am Kanal und das städtische Lagerhaus am Handelshafen seien nur einige Beispiele.

Der Verein erstellt ein Kataster mit Wilhelmshavener Baudenkmalen. Auf dieser Liste steht auch das vermutlich um 1870 erbaute Eckhaus an der Rheinstraße 11 mit seiner späthistoristischen Fassade aus der Kaiserzeit.

Es liegt in der Südstadt direkt am Hafen – der Keimzelle Wilhelmshavens, deren alte Pracht trotz vieler Kriegsschäden auch heute noch sichtbar ist. Oben befinden sich Wohnungen. Im Erdgeschoss war ursprünglich ein Kolonialwarenladen untergebracht, vermutet Peter Hartmann. Später wurde das Ladenlokal zur Trinkhalle, in der auch die Arbeiter der benachbarten Südzentrale eingekehrt sind.

Während auf dem Nachbargrundstück Büsche und Bäume die Trümmer der Südzentrale überwuchern, hält die Eckkneipe die Erinnerung an den einst stolzen Industriebau wach. Bald könnte noch eine weitere Erinnerung dazukommen. Rüdiger Nietiedt und seine Mitstreiter haben 600 Kilo Metallschrott aus der Südzentrale gerettet und den Vareler Künstler Diedel Klöver beauftragt, daraus eine Skulptur zu gestalten. Sie soll in der Nähe des ehemaligen Kraftwerks aufgestellt werden. Davon hört auch Peter Hartmann zum ersten Mal – und ist gleich begeistert: „Hier bei mir vor der Kneipe wäre doch ein guter Platz dafür.“

Ulrich Schönborn
Chef vom Dienst
Chefredaktion
Tel:
0441 9988 2004

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