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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Integration: Wo Handicaps keine Rolle spielen

10.08.2013

Brake In aller Ruhe isst Arthur seine Apfelscheiben. Neben ihm sitzt Marlon, der lustlos auf seinem Brot herumkaut. Tilda ist schon fertig und wartet ungeduldig auf das Ende des Frühstücks. Sie schaut sich bereits die Affen in einem Bilderbuch an und ahmt ihre Stimmen ganz begeistert nach.

Tilda ist ein Jahr alt und eines von insgesamt sechs Kindern, das in die integrative Krippe der Lebenshilfe Wesermarsch in Brake eingewöhnt wird. Sie wird die nächsten zwei Jahre zusammen mit behinderten und nichtbehinderten Kindern aufwachsen. Tildas Mutter, Maren Penner, ist sehr zufrieden mit der Einrichtung. Sie habe bereits ihr erstes Kind gerne in die integrative Krippe gebracht, erzählt sie.

Insgesamt stehen 12 Plätze in der Kinderkrippe in der Schopenhauerstraße in Brake zur Verfügung. „Davon werden zehn durch Regelkrippenkinder und zwei durch Kinder mit einer Behinderung besetzt“, sagt Einrichtungsleiter Reinhard Brodé. „Keine Behinderung schließt den Besuch der Krippe aus.“ Momentan seien diese zwei Plätze aber noch unbesetzt. „Bis Oktober werden wir sie aber besetzt haben“, sagt Brodé.

Neben der integrativen Krippe des Vereins Lebenshilfe bietet im Landkreis Wesermarsch die Kindertagesstätte „Lüttje Lüü“ in Schwei noch zwei integrative Krippenplätze an, wie Kita-Leiterin Heike Woltmann-Mehrens mitteilt. Im Jahr 2011 erweiterte die Kita in diesem Bereich ihr Angebot.

Recht auf Krippenplatz

Insgesamt decken somit im Landkreis Wesermarsch vier integrative Krippenplätze den gesamten Bedarf ab. Das bestätigt Ingrid Miodek, Leiterin des Fachdienstes Soziales beim Landkreis Wesermarsch: „Es gibt zurzeit mehr Plätze als Anträge.“

Seit dem 1. August hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Anspruch auf Betreuung, entweder in einer Krippe oder bei einer Tagesmutter. So wurde es 2007 per Gesetz beschlossen. Der Rechtsanspruch schließt dabei auch Kinder mit einer Behinderung ein und damit den Anspruch auf einen integrativen Krippenplatz.

Für diese Integration vom Kleinkindalter an spricht sich Reinhard Brodé von der Lebenshilfe Wesermarsch aus. „Derzeit reden alle von Inklusion. Krippenneubauten sollten von Anfang an so ausgebaut werden, dass Behinderte aufgenommen werden können.“

Eine Erweiterung des integrativen Betreuungsangebotes werde vom Landkreis jedoch nur dann angestrebt, wenn entsprechende Anträge vermehrt auftreten, sagt Ingrid Miodek vom Landkreis Wesermarsch: „Dann werden wir sofort in Verhandlungen treten und zeitnah auf die Nachfrage reagieren.“

Gemeinsam groß werden

Tilda fühlt sich in ihrer Krippe bei der Lebenshilfe in Brake schon fast wie zu Hause. Sie hat sich innerhalb von wenigen Tagen sehr schnell an eine weitere Bezugsperson gewöhnt und sie neben ihrem gewohnten Umfeld akzeptiert. „Wir führen die Kinder in Anlehnung an das Berliner Eingewöhnungsmodell an die Gruppe heran“, erklärt Krippenleiterin Andrea Heckmann. Praktisch umgesetzt, bedeute das eine stückweise Eingewöhnung in den Krippenalltag unter Einbeziehung der Eltern. So seien diese anfangs bei den Krippenbesuchen noch anwesend und für das Kind erreichbar. Am zweiten Tag verlassen sie bereits das Zimmer und ab dem dritten Tag für einige Zeit die Krippe. Dadurch wissen die Kinder ihre Eltern immer in sicherer Nähe, bauen aber zeitgleich einen engen Bezug zu Personen außerhalb des gewohnten Umfelds auf.

Das Modell wird auch bei Kindern mit erhöhtem Förderbedarf angewandt: „Es wird bei der Eingewöhnung kein Unterschied zwischen Kindern mit und ohne Behinderung gemacht“, sagt Heckmann. Ein gemeinsamer Förderplan, unter Einbeziehung der Eltern, legt die Ziele der Kindesentwicklung fest.

„Kinder mit einer Behinderung werden individuell gefördert“, erklärt die Krippenleiterin. Dabei richte sich die Förderung danach, was das Kind für Fähigkeiten mitbringe: „Wenn es nur robben kann, dann wird das Kind dennoch in alle Aktivitäten mit einbezogen. Für die Kinder ist das normal, sie machen da keinen Unterschied. Sie legen sich dann einfach auch auf den Boden und robben mit“, sagt sie.

Kinder mit einer Behinderung seien mittendrin und nicht nur dabei. Sie würden das Geschehen aktiv in der Gruppe miterleben. „Wir gehen zusammen einkaufen, in den Wald oder in den Garten. Vor allem die Sinneswahrnehmung wird gestärkt. Im Winter geben wir den Kindern beispielsweise Schnee in die Hand. Den erfahren sie dann sinnlich über den Körper.“

Vier Mitarbeiterinnen

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Insgesamt betreuen vier Mitarbeiterinnen – eine Sozialassistentin, zwei Erzieherinnen und eine Heilpädagogin – die Gruppe. Durch mehr Personal könne besser auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden, so Reinhard Brodé. Zusätzlich werden die Kleinen ein- bis zweimal die Woche von einem Logopäden, Krankengymnasten und Ergotherapeuten betreut.

Tilda, Arthur, Marlon und die anderen werden bald auch mit Kindern, die körperlich oder geistig beeinträchtigt sind, ganz selbstverständlich zusammen spielen. Denn: „Die Behinderung tritt sehr schnell in den Hintergrund. Nachher sieht man nur noch den Menschen“, findet Reinhard Brodé.

Tanja Henschel Barßel / Redaktion Münsterland
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