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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Forschung: Wracksucher auf Jubiläumsfahrt

13.07.2012

CUXHAVEN Die Regentropfen prasseln immer stärker auf das Wasser. Der Wind pfeift durch den Hafen. Draußen an Deck kümmert sich die Besatzung um die letzten Arbeiten. Im Inneren des Schiffes zeigt Kapitän Ulrich Klüber auf einer Karte, wo die Reise hingehen soll.

„Unsere alte Dame wird leider immer unzuverlässiger“, erzählt er. Das Forschungs- und Wracksuchschiff „Atair““ befindet sich seit Dienstag auf seiner 200. Forschungsfahrt. Von Cuxhaven aus ging es los. Die „Atair“ hat schon ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel. Das merke man ihr auch so langsam an, erzählt Klüber. Der letzte Werft-Aufenthalt der „Rentnerin“ dauerte zwei Monate. Geplant waren nur 14 Tage. Der Rost war schuld. Eigentlich werde ein Schiff spätestens nach 20 Jahren ausgetauscht, erklärt der Kapitän in der Hoffnung auf ein neues Modell.

Doppelte Ausbildung

Kapitän Klüber führt das Schiff des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) seit sieben Jahren. Für den Job auf der „Atair“ musste er zwei Diplomstudien in Nautik und Vermessung absolvieren. Auch viele Männer seiner Besatzung sind doppelt ausgebildet. „Die meisten haben vorher schon bei der Marine oder in der Fischerei gearbeitet. Das ist ein guter Pool, aus dem wir schöpfen können“, so Klüber.

Hauptsächlich geht die „Atair“ auf Wracksuche. Dabei wird zunächst ein kleines Bild des Wracks erstellt, wenn das Forschungsschiff über den Fundort fährt. Die Funde werden in fünf verschiedene Gefahrenstufen eingeteilt und dann in regelmäßigen Abständen überprüft. „In der Elbe wird für die geplante Vertiefung jetzt noch stärker kontrolliert. Einige Wracks müssen dort sogar beseitigt werden“, erzählt Ulrich Klüber.

Bei diesem Einsatz überprüft die „Atair“ die Messstationen „Deutsche Bucht“ und „GW Ems“. Diese erfassen Daten wie Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff, Nährstoffe und Radioaktivität bis fast zum Meeresboden hinunter. Auch die Forschungsplattformen „FINO 1“ und „FINO 3“ werden angefahren. Hier wird die Windenergienutzung auf See erforscht.

Zur Festbesatzung zählen 17 Mann. Dazu kommen bei dieser Jubiläumsfahrt noch vier Wissenschaftler. Auch ein Elektrotechniker aus Edewecht nimmt an der Forschungsreise teil.

Zwei Taucher an Bord

Um ein Wrack genauer zu untersuchen, geht ein Taucher ins Wasser. Frithjof Peters ist einer von zwei Tauchern an Bord. „Da kommt garantiert kein Wasser durch“, erzählt er, als er den schwarzen, rauen Gummistoff seines Neopren-Anzuges anfasst. Ohne diesen würde man einen Tauchgang nicht überstehen, sagt er. In 20 Meter Tiefe herrschen in der Nordsee nur noch 4 Grad Celcius. Peters taucht dort durchschnittlich sogar noch zehn Meter tiefer.

„Unser Helm wiegt 14 Kilogramm. Daran können wir noch ein Taucherlicht, ein Videolicht und eine Kamera anschließen“, erklärt Frithjof Peters weiter seine Ausrüstung. 1985 fing er mit der Sporttaucherei an. Drei Jahre später legte Peters nach der Lehre die Prüfung bei der IHK Kiel ab und darf seitdem mit auf Forschungsreisen gehen.

Für den Taucheinsatz steht ein extra ausgestattetes Beiboot bereit. Im Inneren sieht es aus wie in einem Flugzeug-Cockpit. Überall sind Knöpfe und Monitore. Über ein Funkgerät kann die Besatzung Kontakt zum Taucher aufnehmen. Ein Schlauch am Boot versorgt ihn mit Pressluft.

Ganz wichtig für die Taucher ist die Druckkabine an Bord der „Atair“. In der orangefarbenen Röhre können auf engstem Raum Verletzungen behandelt oder Taucheinsätze simuliert werden. Die Kabine bereitet Menschen mit Platzangst jedoch arge Probleme. Der Eingang ist nur so groß wie ein Hula-Hoop-Reifen.

Den beiden Tauchern reicht das. Zu ihren Aufgaben zählt auch die Wartung und der Austausch von Seegangsmessbojen. Das sind große gelbe Kugeln, die wie Riesen-Tennisbälle aussehen. Sie messen die Richtung und Höhe von Wellen.

Ein Koch für 21 Mann

„Vor Jahren wurde mal eine Welle von 17 Metern gemessen“, erzählt Schiffskoch Heinz Hamann mit großen Augen. Er versorgt die 21 Mann an Bord mit Essen. Gerade einmal fünf Euro pro Person pro Tag stehen ihm für drei Mahlzeiten zur Verfügung. Ohne Discounter laufe da gar nichts. „Den Einkauf mache ich komplett selber“, so Hamann über sein kleines Budget. Man müsse eben einfallsreich sein. Er guckt zum Eintopf, der gerade auf dem Herd kocht.

Bevor Hamann vor 13 Jahren beim BSH anfing, hat er das Kochen in einem Hotelrestaurant auf dem Festland gelernt. Jetzt muss er die Töpfe schon mal mit einer Metallleiste auf dem Herd festschnallen: „Bei hohem Wellengang fliegt hier sonst alles durcheinander“, erzählt er mit einem Lächeln.

Draußen sind Regen und Wind geblieben. Das macht der Besatzung einen Strich durch die Rechnung. Der eigentlich geplante Start muss noch einen Tag warten.

Der Bau der „Atair“ begann 1986 in der Kröger-Werft in Rendsburg.

Getauft wurde das Schiff am 24. April 1987. In den Dienst gestellt wurde es am 3. August des gleichen Jahres.

Das Forschungsschiff hat eine Länge von 51,40 Metern und eine Breite von 11,40 Metern.

Der Tiefgang beträgt 3,45 Meter, die Geschwindigkeit 11 Knoten.

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