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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Zasterfahndung

28.11.2013

Für den Unternehmer Peter Mager war schnell klar, was er mit den Einnahmen aus dem Verkauf seiner Firma machen würde. Er habe sich entschlossen, das Geld in Immobilien, Firmenbeteiligungen und ausgewählte Aktien zu investieren. Auf diese Weise, so der Geschäftsmann, sei sein Vermögen gut und verantwortungsvoll angelegt.

Der Gründer des Verpackungsherstellers Nordenia aus Steinfeld (Kreis Vechta) ist noch immer zufrieden mit einer der wichtigsten Entscheidungen seines Unternehmerlebens, die er vor sieben Jahren treffen musste. Als er 57 war, trennte er sich von einer Firma, die lange Zeit mit atemberaubendem Tempo gewachsen war. An immer entfernteren Standorten hatte Nordenia Fabriken errichtet, um Kunden aus der Chemie- und Konsumgüterindustrie bei der Expansion in ausländische Märkte zu begleiten. Der Investitionsbedarf stieg unaufhörlich, das Geld wurde knapp. „Ein Familienunternehmen konnte diesem Expansionstempo nicht mehr folgen“, sagt Mager.

Artikel „Zasterfahndung“, In: Die Wirtschaft

Im Jahr 2006 verkaufte er Nordenia an den Finanzinvestor Oaktree. Heute gehört der südoldenburgische Spezialist für Kunststoffverpackungen zum südafrikanischen Konzern Mondi – und wächst stetig weiter.

Nicht immer geht der Verkauf eines Familienunternehmens so erfolgreich über die Bühne wie im Fall von Peter Mager. Das fängt schon bei den Gründen für den Ausstieg an, die sehr vielfältig sein können. Manchmal laufen die Geschäfte nicht mehr gut. In anderen Fällen ist kein Nachfolger in Sicht. Oder die Eigentümer wollen mehr Flexibilität, ihr Vermögen breiter streuen oder mehr Liquidität zur Verfügung haben. Manchmal sind es auch mehrere dieser Gründe auf einmal.

Ist die Veräußerung nach zahllosen Gesprächen und endlosen Sitzungen endlich vollzogen worden, steht das nächste Problem ins Haus: Die Einnahmen müssen angelegt werden. Eine Aufgabe, die selbst erfahrene Unternehmerfamilien nicht mal eben so nebenbei lösen. „Nötig ist eine klare Anlagestrategie“, sagt Andreas Blomenkamp, Gesellschafter der Oldenburger Privatbank W. Fortmann & Söhne.

Selbst wenn die Familien ihr Geld solide investieren, kann das aus dem Verkauf entstandene Vermögen im Lauf der Jahrzehnte erheblich schrumpfen. Inflation, Steuern, Verwaltungskosten und Privatentnahmen zehren nicht nur an den Erträgen, sondern können auch den Kapitalstock angreifen. Manche Experten gehen davon aus, dass die durchschnittliche Rendite langfristig zwischen sechs und sieben Prozent pro Jahr betragen muss, damit die ursprüngliche Summe zumindest nicht kleiner wird.

Allein die Erbschaftsteuer schlägt mit 25 Prozent zu Buche, wenn das Vermögen nicht in begünstigten Anlagen investiert ist. Dazu zählen neben Familienunternehmen auch Ländereien und Wälder. Fest steht: Ein großes Vermögen, das voll der Erbschaftsteuer ausgesetzt ist und nicht massiv wächst, schnurrt innerhalb von drei Generationen kräftig zusammen. Hinzu kommen Kosten für die Vermögensanlage, die Finanzdienstleister berechnen oder die an Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte gezahlt werden müssen.

Die Finanzwelt ist für viele Familien, die über Jahrzehnte ein Industrieunternehmen geführt haben, Neuland. Die Regeln, die dort gelten, müssen sie erst lernen. Andreas Zittlau von der Vermögensverwaltung Privacon erzählt von drei Brüdern, die beschlossen, sich von ihrer gemeinsamen Firma zu trennen. Als der Verkauf geglückt war, merkten sie, dass sie auf diese Situation nicht vorbereitet waren. „Einer von ihnen ging erst mal nach New York, um ein Praktikum im Wertpapierhandel zu machen.“

Es fehlt an Alternativen Viele Unternehmer haben wenig Gelegenheit zu erfahren, wie man Geld am Kapitalmarkt anlegt. Geld, das übrig ist, wird in den eigenen Betrieb investiert und nicht in unbekannte Branchen. „Meiner Erfahrung nach stecken 70 bis 80 Prozent des Vermögens eines Unternehmers in seiner Firma“, sagt Andreas Maage, Finanzplanungsexperte der Bremer Landesbank.

Von Verflechtungen zwischen Privat- und Firmenvermögen sind zum Beispiel Immobilien betroffen. Beispiel: Ein Gebäude gehört dem Unternehmer, ist aber an die Firma vermietet. Solche Verflechtungen sollten gelöst werden, bevor es zum Ausstieg kommt. „Ich plädiere für einen sauberen Schnitt“, sagt Maage. So behält der Eigentümer den Überblick, kann leichter einschätzen, wie viel die Firma wert ist und frühzeitig planen, was er mit dem Geld macht.

Die Suche nach der richtigen Anlage hat ihre Tücken. Es fehlt schlicht an Alternativen. Die einst als sicher geltenden Staatsanleihen können hohe Verluste mit sich bringen, wenn der ausgebende Staat, wie im Fall Griechenlands, vor der Pleite steht. Die Papiere sicherer Emittenten werfen wegen der weltweiten Niedrigzinspolitik kaum Rendite ab. Auch am Aktienmarkt brauchen Investoren eine Menge Ausdauer. Die Kurse können nach einem Höhenflug rasch für lange Zeit im Keller bleiben. Auch die scheinbar zuverlässig steigenden Preise am Immobilienmarkt könnten sich am Ende als Blase erweisen und ebenfalls zu Verlusten führen.

Egal, welche Richtung eine Unternehmerfamilie einschlägt – ein Patentrezept zum Vermögenserhalt gibt es nicht. Renditen von mehr als zwei Prozent seien unter den derzeitigen Bedingungen immer mit einem gewissen Risiko verbunden, so Bankgesellschafter Blomenkamp.

Manche Experten raten daher zu einer Doppelstrategie beim Unternehmensverkauf. „Es kann sich als günstig erweisen, zunächst einen Minderheitsanteil von 30 bis 40 Prozent zu behalten“, sagt Udo Goetz, Vorstand der Oldenburger Beratungsfirma Axanta, die Familien beim Unternehmensverkauf begleitet. Auf diese Weise ist der Eigentümer die Sorgen um die operative Führung los und kann einen Teil seines Vermögens sicher anlegen, hat aber weiterhin das Recht auf einen Teil des Firmengewinns.

Eine ständige Gefahr für Familienvermögen sind private Entnahmen. Das Vermögen soll zwar möglichst wachsen, seinen Eigentümern aber auch ein gutes Leben ermöglichen. Da sich die Zahl der Berechtigten über die Generationen hinweg vervielfacht, wachsen die Begehrlichkeiten. Die Folge ist, dass die Renditen extrem hoch sein müssen, damit das Vermögen nicht schrumpft. In der Regel ist das nur mit dem Gewinn aus einer Unternehmensbeteiligung möglich. Bei Mittelständlern aus der Industrie kann die Rendite des eingesetzten Kapitals über den Daumen bei sechs bis sieben Prozent liegen. Zum Vergleich: Bundesanleihen werfen derzeit zwischen ein und zwei Prozent ab.

Wer sich entschließt, einen Teil seines Vermögens am Kapitalmarkt anzulegen, braucht eine einfache und durchschaubare Strategie. „Trends nach oben mitnehmen, Trends nach unten auslassen“, rät Vermögensverwalter Zittlau. Das klingt trivial, ist aber in der Praxis ziemlich schwierig. Denn wer diesen Grundsatz beherzigt, muss sich zum Beispiel auch entschließen, Aktien aus dem Depot zu werfen, wenn die Verluste noch überschaubar sind. Gerade Unternehmer neigten dazu, diesen Grundsatz beiseitezuwischen, so Zittlau. Sie hoffen lieber darauf, dass die Anlage doch noch ins Plus dreht. Ihrem eigenen Unternehmen haben sie schließlich auch in schlechten Zeiten die Treue gehalten. In der Zwischenzeit kann das Vermögen bedrohlich schrumpfen.

Unternehmerfamilien sind es gewohnt, die Kontrolle zu haben. Denn in der Firma dürfen die Eigentümer den anderen sagen, wo es langgeht. Ist das Geldvermögen aber in Minderheitsbeteiligungen angelegt, sind sie von Entscheidungen anderer Investoren abhängig. Zittlau rät deshalb, starke Positionen aufzubauen – besser die Mehrheit an einem kleinen Fonds als die Minderheit an einem großen.

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Trotz dieser Probleme setzen immer mehr Unternehmerfamilien verstärkt auf eigenes Management. In sogenannten Family Offices bündeln sie ihr Vermögen und verwalten es selbst. Der Trend zu dieser Art von Verwaltung wurde durch die Finanzkrise verstärkt, als etliche Banken in Schieflage gerieten und Anleger viel Geld verloren. Misstrauen gegenüber den Finanzdienstleistern war die Folge. Voraussetzung für eine eigenständige Verwaltung ist jedoch eine Mindesthöhe des Vermögens. Sie sollte über einen einstelligen Millionenbetrag hinausgehen. Firmenwert wird überschätzt Bei der Mehrzahl der Unternehmensverkäufe ist der Erlös deutlich niedriger – was zu Enttäuschungen führt. „Viele Unternehmer überschätzen den Wert ihrer Firma erheblich“, sagt Axanta-Chef Udo Goetz. Einige haben zur aktiven Zeit zu viel Geld aus dem Unternehmen herausgezogen. Das wirkt sich auf den späteren Verkaufspreis aus. Ein weiterer Grund für schrumpfende Verkaufserlöse ist die demografische Entwicklung. Geschäftsleute, die in den wirtschaftlich starken 1960-er Jahren ein Unternehmen gegründet haben, sind heute alt, finden keinen Nachfolger und wollen verkaufen. Das drückt die Preise und den Veräußerungsgewinn.

Das ist ärgerlich, denn manch ein Unternehmer will nicht nur Geld, um seinen Ruhestand zu genießen. Nicht wenige stecken ihr Vermögen gleich wieder in eine neue Firma, sagen übereinstimmend mehrere Berater. Bei echten Unternehmern sei das wie bei wahren Künstlern. Sie müssen ihrer Leidenschaft folgen.

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