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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Jetzt wird mit harten Bandagen gekämpft

13.06.2016

Bremen /Oldenburg Die Zeit des Abtastens und der vorsichtigen Nadelstiche ist vorbei. Nach gut der Hälfte der insgesamt 54 bis Oktober vorgesehenen Verhandlungstagen hat im Bremer Stolberg-Prozess der offene Schlagabtausch begonnen – und wird am Dienstag fortgesetzt. Es geht um viel Geld und schwere juristische Vorwürfe.

Dem inzwischen in Oldenburg lebenden Ex-Chef der Beluga-Reederei, Niels Stolberg, sowie drei weiteren Manager des Unternehmens werden Kreditbetrug, Untreue, Bilanzfälschung und Betrug vorgeworfen. Von 100 bis 120 Millionen Euro Verlust sprach einer der Belastungszeugen aus der US-Investmentfirma Oaktree. Geradezu heimtückisch hätte Stolberg den US-Hedgefonds hereingelegt, mit geschönten Bilanzen und gefälschten Auftragsbüchern sei das Bild eines attraktiven Unternehmens mit verheißungsvoller Zukunft vorgegaukelt worden. Wenn Oaktree die tatsächliche Lage der Reederei gekannt hätte, wäre es wahrscheinlich nicht zur Zusammenarbeit gekommen.

Ein ganz anderes Bild zeichnet Stolberg. Einige Vorwürfe gibt er zu, aber dennoch habe der US-Investor einen eigenen Masterplan verfolgt, um die Macht bei Beluga zu übernehmen. Stolberg zur Seite stehen die Rechtsanwälte Bernd Groß und Bernd Buchholz. Groß aus der renommierten Frankfurter Kanzler „Feigen.Graf“, die unter anderem schon Uli Hoeneß vertrat. Buchholz war Verlagsmanager beim „stern“, später Bertelsmann-Vorstand und mehrere Jahre FDP-Abgeordneter im schleswig-holsteinischen Landtag.

Als Belastungszeuge agiert unter anderem Oaktrees Deutschland-Chef Hermann Dambach aus Frankfurt. Seine Aufgabe: Firmen zu finden, denen „eigenkapitalverstärkende Investitionsmittel“ zur Verfügung gestellt werden. Ziel ist es, sich nach fünf bis sieben Jahren zurückzuziehen und bis dahin ein jährliche Rendite von 20 bis 30 Prozent kassiert zu haben.

Bei Beluga stieg man mit insgesamt 175 Millionen Dollar ein. Die Oaktree-Darstellung von der großen Überraschung und Enttäuschung über die tatsächliche Lage bei Beluga geriet gewaltig ins Wanken, als Stolberg-Verteidiger Buchholz einen der Hedgefonds-Manager mit Fakten aus einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von „Ernst & Young“ konfrontierte. Punkt für Punkt listete er die Warnhinweise auf, aus denen sich ergebe, dass Beluga bereits im Jahr 2009 am Rande der Zahlungsunfähigkeit gestanden habe. Nach dem Rekordgewinn von 80 Millionen Euro im Jahr 2008 sei die Reederei bereits 2009 im operativen Geschäfts ins Minus gerutscht.

An diese Hinweise aus der von Oaktree in Auftrag gegebenen Untersuchung konnte sich jedoch ein 36-jähriger Investment-Experte als Zeuge jeweils „im Detail nicht mehr erinnern“.

Am Dienstag sagt ein weiterer Zeuge aus dem Hause Oaktree aus – und die Verteidigung wartet noch darauf, dass Dambach ein zweites Mal kommt. Denn ihm hatte das Stolberg-Lager am Ende der stundenlangen ersten Aussage aus zeitlichen Gründen keine Fragen mehr stellen können.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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