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Drei tatverdächtige Männer nach Axt-Angriff in U-Haft
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Überfall In Oldenburg
Drei tatverdächtige Männer nach Axt-Angriff in U-Haft

NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Zwischen Leidenschaft und Nostalgie

04.06.2013

Bockhorn Viel Komfort bietet sie nicht, aber immerhin 1,5 Millionen Mal ist sie verkauft worden. Beige und irgendwie auch elegant fuhr sie daher. Sophia Loren und Peter Alexander machten sich für sie stark im „Kampf um den letzten Fußgänger“. Die Rede ist von dem erfolgreichsten Moped der 50er Jahre, der NSU Quickly. Vor genau 60 Jahren ist sie erstmals vorgestellt worden. Von ihr wird man zahlreiche Exemplare sehen, die zum Oldtimermarkt Bockhorn knattern. Er findet vom 7. Bis 9. Juni auf dem Veranstaltungsgelände an der Bundesstraße 437 in Bockhorn statt.

Modelle der 50er Jahre

49 Kubikzentimeter Hubraum, 1,4 PS Leistung. So machte die Quickly 1953 mobil. „Nicht mehr laufen,
Quickly kaufen“ – Rolf Decker aus Neuenwege bei Varel kennt noch den Werbespruch, der für die Quickly warb. Seine NSU Quickly hat der 77-jährige Sammler von Oldtimer-Fahrzeugen an seinen Sohn abgetreten. Beige (später lindgrün) der Rahmen, ein eiförmiger Tank, ein kleines Motörchen – so machte die Quickly mobil.

Rolf Decker hat den Staub, der sich auf dem Moped gesammelt hat, abgewischt. So sieht man auch die Prägung im Tankdeckel mit den Rennerfolgen der NSU-Motorräder, ein wenig Glanz sollte auf die Käufer der Quickly abfärben. Bis in die 60er Jahre wurde die Quickly, später stärker motorisiert und stark modifiziert, gebaut.

Aber schon in der Werbung von 1953 nahmen die Vertriebsleute den Mund ganz schön voll: Ihr zuverlässiger Motor verschaffe der Quickly „eine Bergsteigefähigkeit von 18 Prozent“. Man muss sich das einmal vorstellen: Der Schweizer St.-Gotthard-Pass hat nur zehn Prozent Steigung. Bei allem Respekt vor der Quickly, auf einer Bergstraße möchte man sich ein Moped mit 1,4 PS eher nicht vorstellen.

Rolf Decker hat die Quickly auch mehr aus Sammelleidenschaft gekauft. Sein erstes Motorrad war eine Express 150 mit Sachsmotor, ein Brot-und-Butter-Motorrad der 50er. Die NSU Quickly hat Decker erst gekauft, als seine Sammelleidenschaft für historische Fahrzeuge längst entbrannt war. Eine Zeit lang sammelte er Traktoren, 31 hatte er in einer Scheune bei Varel stehen, darunter einen der legendären Lanz-Bulldogs. Sein Ein-Zylinder-Motor (zehn Liter Hubraum, 37 PS) lässt die Herzen der Traktor-Liebhaber schneller schlagen. Gibt ein Bulldog Gas, kann man ihn nicht nur weit hören, sondern auch seine Abgasfahne weithin sehen. Decker fand


einen vor vielen Jahren auf einem Hof bei Eggeloge, wo ihn der Landwirt als Notstromaggregat nutzte.

Dann sammelte Decker das, was seinem Beruf entsprach. Decker war Berufskraftfahrer und hatte seit den 50er Jahren bis zu seinem Ruhestand verschiedenste Lastwagen und Lastzüge gefahren. Auch dafür gibt es einen Spruch: „Morgens Krupp-Krupp, abends putt-putt.“ Und noch ein Krupp-Kalauer: Welcher Lastwagen kann seinen Namen selbst sprechen? „Krupp-Krupp-Krupp-Krupp“ – wenn man (ein Männer-Bass ist schon hilfreich) es schnell genug ausspricht, ähnelt es dem kehligen Diesel, der die robusten Lastwagen antrieb. Rolf Decker hat vier Lastwagen, einen Krupp und drei Henschel.

Zum Oldtimermarkt in Bockhorn fährt er aber mit einem Hansa 1100, ein Vorkriegsfahrzeug aus dem Hause Borgward, das viele Bezüge zu Varel hat, zumal dort von 1905 bis 1930 Hansa-Automobile gebaut wurden. Carl Borgward kaufte Hansa, behielt aber nur das Bremer Werk und ließ das in Varel schließen. Erst später erhielten die Bremer Pkw den Markennamen Hansa.

Lebendige Erinnerungen

„Ein froher Gast ist niemandes Last“, steht auf einer Schleife, die im Wintergarten von Rolf Decker steht. Er selbst nimmt es mit jedem fröhlichen Gast auf, fallen ihm zu all seinen Autos und Lastwagen Geschichten ein. Zurück zu einer Geschichte, die der frühere Besitzer der NSU Quickly nur selbst erzählen kann. Wolfgang Busch aus Obenstrohe, war Verwaltungslehrling bei der Gemeinde Varel-Land im Rathaus in Langendamm, als er 1961 die NSU Quickly seines Schwagers übernehmen konnte.

Solchermaßen motorisiert, konnte er schon zur Arbeit mit dem eigenen Moped fahren. Allerdings hatte die 1953 gebaute Quickly einen entscheidenden Nachteil: Sie hatte nur einen Sitz, und deshalb fuhr Wolfgang Busch, später Erster Stadtrat und Bürgermeister der Stadt Varel (2001 bis 2006), bald ein Zündapp-Moped, das hatte auch Platz für seine spätere Ehefrau Doris. Und unweigerlich gingen die Träume weiter. Das erste Auto im Hause Busch war ein Fiat 700, ein Kleinwagen, wie er häufig auf dem Bockhorner Markt zu sehen ist.

Oldtimermarkt-Organisator Herbert Ahlers hat an den Markttagen kaum Gelegenheit, an seine eigenen mobilen Vorlieben zu denken. Es sind ganz bescheidene: Ahlers, Jahrgang 1946, fuhr Anfang der 60er Jahre eine Kreidler Florett. Die mit dem großen Kennzeichen, die auch alle zwei Jahre zum TÜV musste. Drei davon der Jahrgänge 1957 bis 1959 hat Ahlers zu Hause in einer Garage stehen. „Infiziert“, wenn man so sagen darf, wurde Ahlers dafür zu Hause im elterlichen Tankstellenbetrieb in Bentstreek (Friedeburg), wo er seine ersten automobilen Fahrversuche machte.

In der „Oldtimerei“-Szene sind Mopeds groß im Kommen. Sie sind nicht so aufwendig zu restaurieren und nehmen nicht so viel Platz weg wie Nutzfahrzeuge oder selbst „normale“ Pkw. Alle Sparten der Oldtimer-Szene sind jedoch reichlich vertreten in Bockhorn, wo seit mehr als 30 Jahren drei Tage lang im Juni „Benzin geredet“ wird.

Hans Begerow
Leitung
Politik/Region
Tel:
0441 9988 2091

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