WESERMARSCH - Die Vorschläge der EU-Kommission zur Neuabgrenzung der sogenannten von der Natur benachteiligten Gebiete beurteilt Peter Cornelius rundum positiv. Denn die derzeitige Klassifizierung entspricht nach den Worten des Kreislandvolk-Vorsitzenden meist nicht den tatsächlichen Gegebenheiten. „Wir wollen da Gerechtigkeit“, sagte Cornelius bei einem Lokaltermin auf dem Hof von Peter und Claudia Cornelius in Blexerwisch.
Bei einer zweitägigen Klausurtagung des Deutschen Bauernverbandes in der Wesermarsch bereisten am Mittwoch rund 30 Teilnehmer die Halbinsel Butjadingen. Eine Delegation mit Josefine Loriz-Hoffmann von der EU-Kommission, dem Staatssekretär im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium Friedrich-Otto Ripke sowie Hartmut Schlepps vom Landvolverband Niedersachsen an der Spitze erkundigte sich nach der Situation in der nördlichen Wesermarsch.
Die Abgrenzung eines Gebietes sei problematisch, betonte der Kreislandvolk-Vorsitzende. Zurzeit werde noch die Bevölkerungsdichte zugrunde gelegt. Daher seien die Stadt Nordenham und Butjadingen bisher nicht als benachteiligte Gebiete berücksichtigt worden. Die nun von der EU-Kommission angestrebten einheitlichen Standards (siehe Kasten links) könnten dies ändern.
Die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete ist ein Instrument zur Milderung von Bewirtschaftungserschwernissen. Mit welchen Unbilden die hiesigen Landwirte zurechtkommen müssen, ohne Finanzmittel zu erhalten, machte Landwirt Cornelius in Blexerwisch deutlich. Zusammen mit seiner Frau bewirtschaftet er einen 120 Hektar großen Milchviehbetrieb. In den Boxenlaufställen werden 120 bis 130 Kühe gehalten. Alles in allem muss Familie Cornelius auf ihrem Hof rund 260 Tiere versorgen. Doch immer mehr Auflagen und der Milchpreis-Verfall setzen den Landwirten zu.
Hinzu kommen weitere Faktoren, die die Bewirtschaftung erschweren. Da ist zum einen die Entwässerung, die immer mal wieder Probleme bereitet. Zum anderen könnten sich die 13 000 Hektar, die in der Wesermarsch unter Naturschutz gestellt werden sollen – es handelt sich dabei um FFH-Gebiete zum Aufbau des Netzes Natura 2000 –, folgenschwer auswirken. „Irgendwann werden Auflagen hinzukommen“, befürchten die Landwirte.
In der frühen Phase Einfluss zu nehmen und auf die problematische Situation in der Wesermarsch hinzuweisen, sei das Anliegen des Kreislandvolks, sagt der Vorsitzende Cornelius. Bei der Neuabgrenzung sollten nach seinen Worten auch die landwirtschaftlichen Betriebe in benachteiligten Gebieten von Eckwarden bis Nordenham einbezogen werden.
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