Wesermarsch - Eine Tabelle von Nutztierrissen in Niedersachsen wird vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) geführt. Darin sind zwei Wolfsrisse zweifelsfrei für Jade bestätigt. Am 22. September sowie am 24. September 2017 wurden insgesamt 16 Tiere getötet, elf wurden verletzt. Jetzt ist am 12. Februar mit Fuchsberg eine weitere Wolfsattacke hinzugekommen. Die offizielle Bestätigung durch das vom niedersächsischen Wolfsbüro (Hannover) beauftragte Institut Senckenberg steht aber noch aus.
Der betroffene Deichschäfer Fred Wachsmuth aus Moorhausen ist sich sicher, dass ein Wolf die Schafe aus seiner Herde gerissen hat. Ein Tier wurde totgebissen, zwei ertranken im Graben. Ein weiteres Tier hatte der Wolf so schwer verletzt, dass es eingeschläfert werden musste.
Selbstverständlich hatte der Deichschäfer auch den Wolfsberater Franz-Otto Müller hinzugezogen. Es wird nach den Worten des Experten aber wohl eine Zeit lang dauern, ehe diese Ergebnisse vorliegen. Er rechnet mit zwei bis drei Monaten. „Ich habe DNA-Proben genommen und alles einen Tag später ans Wolfsbüro geschickt.“ Die Proben seien dort am 14. Februar eingetroffen. Jetzt würde das Institut Senckenberg in Gelnhausen/Hessen die Untersuchungen vornehmen.
Das Institut ForGen in Hamburg, das ebenfalls Proben der Tiere von Fred Wachsmuth untersucht hat, ist nach seinen Worten nicht dazu prädestiniert, offiziell Aussagen zu machen. „Wenn Fred Wachsmuth einen finanziellen Ausgleich vom Land haben möchte, muss er das Ergebnis von Senckenberg abwarten.“ Fred Wachsmuth geht es aber nicht um die Entschädigung. Der Wolf sei nachgewiesen, stellt er fest.
Von einem „typischen Wolfsmerkmal“ bei den Proben sprach Dr. Nicole von Wurmb-Schwark vom ForGen-Institut auf Nachfrage der NWZ. Es gebe bestimmte Merkmale, die man nur beim Wolf finde. „Alles spricht dafür, dass es sich um DNA vom Wolf handelt“, sagte sie. Nun sollte man sich Gedanken machen über die Weidetierhaltung oder eine Aufstallung der Nutztiere, meint Fred Wachsmuth. Die Schafhalter seien in der Wesermarsch eher die Exoten, merkt er an. Noch stärker betroffen seien die Landwirte mit Milchviehhaltung. Der Wolf, so zeigten Beispiele, würde auch Kälber und sogar Rinder angehen.
Küstenschutz ohne Schafe gehe nicht, betont Fred Wachsmuth, der seit 15 Jahren den Betrieb in Moorhausen betreibt. Und von dem seelischen Druck, dem betroffene Schäfer ausgesetzt sind, spreche niemand. Vier Jahre schon eiere man herum, rede über die Wolfsproblematik, doch passiert sei bislang nichts, kritisiert er.
Die Weidetierhaltung zu sichern und den Umgang mit dem Wolf zu ändern, dazu habe die Fraktion der FDP im Landtag einen Antrag eingebracht, teilt der Landtagsabgeordnete Horst Kortlang (Elsfleth) mit. Der Wolf sei ins niedersächsische Jagdrecht aufzunehmen. Das Land trage nach Aufnahme ins Jagdrecht weiterhin die Kosten für durch den Wolf verursachte Schäden. Der hohe Schutzstatus des Wolfes sei nicht mehr gerechtfertigt, so die FDP.
