Westeremstek/Cloppenburg - Die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta hat ein Strafverfahren gegen die Emsteker Großschlachterei Vion wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung eingeleitet. Das bestätigte Polizeisprecherin Maren Otten am Donnerstag auf NWZ-Nachfrage.

Blauer Himmel, eine weiße zugefrorene Wasseroberfläche: Idyllisch sieht das Regenrückhaltebecken an der B 72 in Höhe der Abfahrt Emstek/Cappeln an diesem Donnerstagmorgen gegen 10.30 Uhr aus. Nur im Bereich eines Rohres, über das unter anderem Vion seine Oberflächen-Abwässer in das Regenrückhaltebecken einleitet, läuft das Wasser. Links und rechts eines Rinnsaals liegt braune Tierstreu. Unmittelbar am und im Rohr riecht es nach Schwein.

Nachfrage bei Vion: „Ende vergangener Woche gelangte eine unbestimmte Wassermenge versetzt mit Sägespänen und Dung über eine Ablaufrinne auf dem Vion-Betriebsgelände in ein Regenrückhaltebecken der Gemeinde“, räumte Vion-Pressesprecher Karl-Heinz Steinkühler ein. Ursache der Verunreinigung sei ein Viehtransportwagen gewesen, der außerhalb des vorgesehenen Waschbereichs vorgereinigt worden sei. Späne und Dung seien so mit dem Oberflächenwasser des Vorplatzes in das Kanalsystem gespült worden. Nach Bekanntwerden des Vorfalls habe Vion sofort vorsorglich die Vorreinigung der Lkw im Außenbereich gestoppt. Das Unternehmen habe der Gemeinde Emstek umgehend Unterstützung bei der Klärung der Verunreinigung im Regenrückhaltebecken zugesagt und auf dem eigenen Betriebsgelände Maßnahmen zum ordnungsgemäßen Auffangen der Rückstände eingeleitet, so Steinkühler.

Bereits am vergangenen Sonntag sei einem Beamten der PI Cloppenburg/Vechta aufgefallen, dass das Regenrückhaltebecken bei der Vion mit Sägestreu und Kot verunreinigt sei, so Kreissprecher Frank Beumker. Der Landkreis ist als untere Wasserbehörde bei Umweltdelikten wie dem vorliegenden zuständig.

Am Mittwoch – also drei Tage später – hatten sich Vertreter der PI Cloppenburg/Vechta, der Gemeinde Emstek und des Landkreises zu einem Vorort-Termin an dem Regenrückhaltebecken getroffen. Es seien Sägestreu und Kot entdeckt worden, aber kein Blut und keine Schlachtabfälle aus dem Schmutzwasserbereich, so Beumker weiter. Die Behördenvertreter hätten unverzüglich die Geschäftsleitung von Vion persönlich über die Gewässerverschmutzung in Kenntnis gesetzt.


Die erhebliche Menge Sägestreu und Kot müsse schnellstmöglich aus dem Regenrückhaltebecken entsorgt werden, bevor sie in die Soeste gelange, sagte der Kreissprecher. „Bei der derzeitigen Witterung und der vorhandenen Eisdecke kann nicht mit dem Abpumpen begonnen werden“, so Beumker. Daher werde zunächst der Überlauf aus dem Regenrückhaltebecken zur Vermeidung von weiteren Umweltschäden geschlossen. Für den Landkreis als untere Wasserbehörde sei es wichtig, dass keine weiteren Gewässer dadurch verschmutzt werden könnten.

Es seien Proben aus dem Regenrückhaltebecken entnommen worden, die jetzt in einem Labor auf verschiedene Parameter – wie zum Beispiel die Sauerstoffsättigung hin – untersucht würden, so PI-Pressesprecherin Maren Otten. Der Landkreis werde das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg, das der Vion die Genehmigung für den Betrieb des Schlachthofs erteilt hat, über diesen Vorfall informieren, so Beumker.

Wie berichtet, liegt die Stadt Cloppenburg in einem anderen Fall seit Monaten mit der Vion im Streit. Die Verwaltung wirft dem Unternehmen vor, vor allem 2016, aber auch im ersten Halbjahr 2017 unzulässige Schmutzfracht-Mengen über das Abwasser in die öffentliche Kanalisation eingeleitet zu haben. Diese hätten die Cloppenburger Kläranlage regelmäßig „in die Knie gezwungen“. Zuletzt habe es noch Störfälle zum Jahreswechsel gegeben. Das bestreitet Vion, die Probleme seien längst überwunden.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland