Westerscheps - Die Westerschepser wollen mehr Verkehrssicherheit in ihrer Bauerschaft. Deshalb haben sie sich im März vergangenen Jahres an den Landkreis Ammerland (als Straßenverkehrsbehörde) gewandt.
Beantragt wurde, Westerscheps als geschlossene Ortschaft (Tempolimit 50 km/h) auszuweisen und das Verkehrschild „Vorfahrt gewähren“ im Eckbereich Kortenmoorstraße/Westerschepser Straße durch ein Stoppschild (Halt! Vorfahrt gewähren) zu ersetzen. Im Mai dieses Jahres – 14 Monate später – hat der Landkreis in einem mehrseitigen Schreiben den Antrag des Heimatvereins Vergnögde Goodheit abgelehnt (da es in Westerscheps und Wittenberge keinen Ortsverein gibt, vertritt der Heimatverein die Belange der Einwohnerschaft).
Einwohner würden immer wieder darauf hinweisen, dass es auf dem Teilstück der Westerschepser Straße zwischen Neuer Weg und Moorstraße zu gefährlichen Situationen käme, hatte es im Schreiben des Heimatvereins an den Kreis geheißen. An der Westerschepser Straße (Landesstraße 829) liege die Behindertenwerkstatt, die täglich von zehn Bussen morgens und nachmittags angefahren werde. Behinderte würden per Rollstuhl auf dem Radweg ausgeführt, wobei man im Kurvenbereich die Straße überqueren müsse. In der Sommerzeit kämen bis zu 15 Behinderte per Rad zur Einrichtung und müssten dabei ebenfalls die Landesstraße queren. Obendrein gäbe es Lieferverkehr.
„Gefahrenpunkte“
Als Gefahrenpunkt sehe man zudem die Kortenmoorstraße (Kreisstraße 296) zwischen Postsstraße und der Einmüdung Westerschepser Straße an. An der Kortenmoorstraße, die stark von Sandtransportern (Sandkuhlen liegen an der Straße) sowie von starkem Berufsverkehr aus dem Raum Harkebrügge genutzt werde, befänden sich zwei Wohnsiedlungen. An der Poststraße (nahe der Kortenmoorstraße) gäbe es eine Haltestelle für Busverkehr, die et wa 35 Mal am Tag angefahren werde (ÖPNV; Schulbus, Nachteule). Gefährdet seien besonders schwächere Verkehrsteilnehmer, weil vor allem Autofahrer oft ungebremst von der Kortenmoorstraße auf die Landesstraße bögen.
„Durch unseren Antrag hatten wir uns eine erhebliche Geschwindigkeitsreduzierung in Westerscheps und mehr Sicherheit im Einmündungsbereich Kortenmoorstraße/Westerschepser Straße versprochen“, so Rolf Kaptein vom Heimatverein zur NWZ . Der Vorstand bedauere das Ablehnen des Antrags durch den Kreis. Wenn man mit der Ablehnung als geschlossene Ortschaft leben könne, so wolle man sich doch weiter für Geschwindigkeitsbegrenzungen, z.B. in Höhe der Behindertenwerkstatt, einsetzen. Unverzichtbar sei eine Geschwindigkeitsmessstelle, Messungen müssten insbesondere auch an Wochenenden erfolgen, weil die L 829 eine beliebte Rennstrecke für Motorradfahrer sei.
Verkehre untersucht
Jan-Frieso Ralle, stellvertretender Leiter des Ammerländer Straßenverkehrsamtes, entschuldigte sich zunächst, dass zwischen Antrag und Antwort soviel Zeit vergangen sei. Mehrmonatige, krankheitsbedingte Ausfälle seien der Grund dafür. Gleichwohl betonte Ralle, dass man stets mit dem Verein im Gespräch gewesen sei und einiges geprüft habe bzw. prüfen ließ.
So habe es an zwei Tagen im Juni 2014 eine Verkehrzählung auf der Kortenmoorstraße in Höhe Poststraße gegeben, der Anteil der Schwerlastfahrzeuge betrug je Fahrtrichtung 13,6 bzw. 18,1 Prozent. Die Durchschnittsgeschwindigkeit von 85 aller Kraftfahrzeuge habe in beiden Fahrtrichtungen mit 69 km/h deutlich unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h gelegen. Außerdem lasse die Auswertung der Unfallzahlen der Polizei keine Rückschlüsse auf überhöhte Geschwindigkeiten zu und führe nicht dazu, dass ein Stoppschild zwingend notwendig sei. Eine Unfallhäufung gäbe es auch nicht. Obendrein sei die Landesstraße aus Richtung Kortenmoorstraße gut einsehbar.
Eine weitere Verkehrsuntersuchung habe es im März 2015 auf der L 829 gegeben. Dabei habe man festgestellt, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit der Autofahrer mit 84 km/h leicht über zulässigen Geschwindigkeit von 80 km/h gelegen habe. Deshalb wolle man mit der Polizei erörtern, ob man an der L 829 eine Geschwindigkeitsmessstelle einrichten könne. Als geschlossene Ortschaft könne man Westerscheps nicht ausweisen, weil das Dorf nicht zusammenhängend bebaut sei.
