Westerstede - Wo bis vor wenigen Wochen ein historisches Fachwerkhaus stand, klafft jetzt eine Lücke. Hier soll neu gebaut werden. „Es gibt jetzt eine Wunde in Hüllstede, die mit ein paar Wohnhäusern gefüllt wird, die möglicherweise keine 400 Jahre halten“, ärgert sich UWG-Ratsherr Hermann Rust. Dem Investor sei kein Vorwurf zu machen, er orientiere sich an politischen Vorgaben. Aber genau da sieht Rust das Problem: „Es fehlt komplett am Bewusstsein für historische Bausubstanz, für intakte Ortsbilder und Heimatgeschichte“, findet er. Niemand fühle sich verantwortlich und steuere entgegen. „Westerstede verändert sein Gesicht dramatisch“, warnt der Ratsherr.

Lade ...

Auch an weiteren Stellen sei alte Bausubstanz in Gefahr oder bereits verschwunden. In Hüllstederdiele sei vor drei Jahren ein weiteres, ebenfalls am alten Postweg gelegenes Bauernhaus abgebrochen worden. Für die Gaststätte Schwengels in Gießelhorst, ein altes ostfriesisches Gulfhaus, sieht er mit dem beschlossenen Bau des Dorfhauses in der Nachbarschaft ebenfalls keine Zukunft mehr. Gleiches gelte für die Gaststätte Eilers, nachdem für den zugehörigen Parkplatz eine Baugenehmigung erteilt worden sei. Damit könnten dort keine Veranstaltungen mehr stattfinden. „Man denkt bei den Entscheidungen nicht weit genug und wie sie sich auswirken“, sagt Rust mit Blick auf Landkreis und Stadt. So müsse man überlegen, ob es nicht eine andere sinnvolle Verwendung für alte Gebäude geben könnte.

Drohe ein altes Gebäude zu verfallen, sei eine Abbruchgenehmigung nicht die einzige Lösung. Denkbar sei beispielsweise, dass die Stadt Gebäude von historischer Bedeutung aufkaufe und selbst aktiv nach Investoren suche.

Kritik am Abriss des historischen Gebäudes in Hüllstede hatte seinerzeit auch schon Manfred Meins von der Interessengemeinschaft Bauernhaus im Ammerland geübt. Mit großer Besorgnis beobachte der Verein, dass in rapider Geschwindigkeit historisches Kulturerbe zu verschwinden drohe. Auch er hatte einen Bewusstseinswandel gefordert.

„Wir gehen durchaus sensibel mit diesem Thema um, müssen aber jeden einzelnen Fall betrachten“, entgegnete Westerstedes Bürgermeister Klaus Groß. Stadt und Landkreis suchten durchaus nach Wegen, historische Bausubstanz zu erhalten und würden die Privateigentümer dahingehend beraten.

Auch bei der Umgestaltung des Jaspershofs habe man den Rat der Denkmalschutzbehörde eingeholt. Die Stadt könne zwar nicht jedes historische Gebäude aufkaufen, so Groß, aber beispielsweise bei der Apothekervilla sei durch die Umnutzung ein ortsbildprägendes Gebäude erhalten geblieben.

Für die Arbeit im Rat und in den Ausschüssen soll jetzt sogar die Liste der denkmalgeschützten Gebäude um jene mit ortsbildprägendem Charakter ergänzt werden.

Kerstin Schumann
Kerstin Schumann Redaktion Westerstede