WESTERSTEDE - Die Krippenkinder sind enttäuscht. Sie wollten am Tag darauf ihre Kirschen selbst ernten.
von horst suermann
WESTERSTEDE - DRK-Kinderkrippenleiterin Sabine Schröder, ihre Kolleginnen und die 15 Krippen-Kinder können es kaum fassen: Einen Tag vor der beabsichtigten Kirschen-Ernte im krippeneigenen Garten an der Peterstraße hat eine unbekannte Familie mit Oma, Mutter und Kleinkind abgeerntet, was vom herangeschafften Klettergerüst aus abzuernten war. Der kleine Moritz (3), der gestern auf die Leiter stieg, griff ins Leere; Kirschen gibt’s jetzt nur noch in vier Metern Höhe und damit weit außerhalb der Reichweite von Kinderarmen.„Das ist das Dreisteste, das wir je erlebt haben“, ärgert sich Sabine Schröder. Den Beobachtungen einer Nachbarin und den Spuren am Tatort zufolge waren Sonntagnachmittag zwei Frauen südländischen Aussehens mit einem Kleinkind an der Hand – offenbar Oma, Mutter und Enkel – mit Hilfe eines umgedrehten Eimers über den Zaun gestiegen, um die weithin leuchtenden Kirschen zu pflücken. Als Untersatz nutzten sie zunächst eine hölzerne Sitzbank, die prompt zerbrach. Daraufhin holten sie sich ein knapp zwei Meter hohes Klettergerüst, das etwa zehn Meter entfernt stand. Von diesem Gerüst aus ernteten sie die Kirschen – so die Nachbarin - „mit vollen Händen“. Als die Zeugin die räuberischen Frauen ansprach, zogen die vollbepackt ab. Zurück blieb u. a. der Verpackungsmüll vom Fast-Food-Essen, Styropor und Alufolie.
Für die Kinderkrippe ist der Diebstahl doppelt ärgerlich. Die Natur im Werden und Vergehen zu begleiten, gehört dort zum pädagogischen Konzept; im Fall der Kirschen haben die Kinder Blattbildung und Blüte beobachtet; die Ernte erleben sie nun nur aus zweiter Hand – wenn Sabine Schröder mit der Hochleiter die verbliebenen Früchte aus der Krone holt. Und natürlich fällt die Kirsch-Ernte entsprechend geringer aus. Auch die Erklärung, dass gedankenlose Erwachsene ihnen die Kirschen vor der Nase weg gestohlen haben, müssen die Kids erst einmal verarbeiten.
Kinder und Betreuer haben ihren Frust nun auf ein Plakat gemalt, das jedermann lesen kann, das sich aber speziell an die wendet, „die unsere Kirschen gepflückt und unsere Bank zertreten haben“. „Wir Krippenkinder, heißt es dort, „möchten unserer Obst selbst ernten“.
Gleich drei Ausrufezeichen unterstreichen die Aussage.
