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AUSBILDUNG Dreierpack nutzt den Azubis

WESTERSTEDE - Gestartet wurde das Gemeinschaftsprojekt vor drei Jahren. „Es hat sich bewährt“, sagt Fleischerinnungs-Obermeister Malte Luers.

von matthias eichler

WESTERSTEDE - Ohne Zögern setzt Bastian Seeck das Messer an. Vor ihm auf dem großen Schneidebrett liegt der hintere Teil eines Schweins. Mit einer ebenso flüssigen wie gekonnten Bewegung schneidet er ein Filetstück heraus. „Sie sehen, man steht als Fleischer nicht bis zum Knöchel im Tierblut“, sagt Malte Luers. In seinem Betrieb hat der Obermeister der Fleischerinnung im Landkreis Ammerland dem 20-jährigen Seeck die richtigen Zerlegetechniken beigebracht. „Allerdings am Rind“, berichtet Luers.

Denn Seecks „Heimatbetrieb“ ist eigentlich die Rügenwalder Mühle in Bad Zwischenahn. „Wir haben aber einen Fleischer-Ausbildungsverbund geschlossen“, sagt Luers. Das war vor drei Jahren. „Wegen der BSE-Krise hat Rügenwalder kein Rindfleisch mehr in der Produktion verwendet“, erklärt Luers. Dessen Bearbeitung ist aber fester Bestandteil der Fleischer-Ausbildung (siehe Infokasten oben).

Da es im Ammerland an Fleischernachwuchs mangelt, habe man sich eben zusammen getan, sagt der Fleischerinnungs-Obermeister. „Für uns als rindfleischfreier Betrieb war der Zusammenschluss eine Grundlage zur Schaffung von Ausbildungsplätzen“, pflichtet Jörg Albers (Produktionsleiter Rügenwalder Mühle) ihm bei. Zu dem Verbund gehören neben Rügenwalder und dem Betrieb von Obermeister Luers noch die Fleischerei Georg Meinen (Edewecht).

„Die Ausbildung im Verbund kommt den Auszubildenden zugute“, sagt Luers. Und auch der frisch gebackene Geselle Seeck ist begeistert: „Man lernt auch die Arbeitsweisen in kleinen Betrieben kennen“, fügt er hinzu. Sein Kollege Thomas Piske (20), der im ersten Ausbildungsjahr bei Rügenwalder lernt, pflichtet ihm bei: „Bei uns lernt man nur die industrielle Produktion kennen.“


Beide sind froh, dass sie sich für die dreijährige Ausbildung entschlossen haben. „Man kann sich immer weiter hocharbeiten“, sagt Piske. Vor seiner Ausbildung war er als Aushilfskraft über eine Zeitarbeitsfirma bei Rügenwalder tätig. „Es hat mir so gut gefallen, dass ich mich um einen Ausbildungsplatz beworben habe.“ Und das mit Erfolg.

Am Ende steht die Gesellenprüfung. Doch damit muss noch lange nicht Schluss sein. „Ich möchte im nächsten Jahr meinen Meister machen“, sagt Geselle Seeck. Über das nötige Know-how verfügt er bereits – dank des Ausbildungsverbundes. „Der Beruf macht mir sehr viel Spaß“, sagt der 20-Jährige. Und das wohl nicht nur, weil Fleischer eben nicht bis zum Knöchel im Tierblut stehen.

Die Ausbildung im Fleischerhandwerk dauert drei Jahre

Zum Fleischer

werden junge Frauen und Männer in drei Jahren ausgebildet.

In der Zwischenprüfung

nach eineinhalb Jahren müssen die Auszubildenden ein Teil des Schweins beurteilen, zerlegen und herrichten. Außerdem werden bestimmte Wurstwaren selbst hergestellt.

Die Abschlussprüfung

nach drei Jahren sieht dieselbe Prozedur vor. Die angehenden Gesellen müssen ihr Wissen allerdings am Rind beweisen. Zudem müssen die Fleischerazubis ofenfertige Gerichte herstellen, eine Wurstrezeptur aufschreiben und auch in einer mündlichen Prüfung ihr theoretisches Wissen zeigen.

Auszubildende

im Fleischerhandwerk verdienen in kleineren Handwerksbetrieben im 1. Ausbildungsjahr 380 Euro (in der industriellen Produktion: 510 Euro), im 2. Jahr 480 (590 Euro) und im 3. Jahr 645 Euro.
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