WESTERSTEDE - Franziska Koch macht sich gerne die Hände schmutzig. Um sich ihr Taschengeld aufzubessern, arbeitet die 15-Jährige zurzeit bei der Westersteder Baumschule Ahlers, während ihre Freunde im Urlaub sind oder am Badesee liegen.

Ferienzeit – für Schüler die schönste Zeit des Jahres. Endlich Zeit zum Entspannen, Freunde treffen und Geld verdienen. Doch was die Ferienjobs angeht, sieht die Realität anders aus, denn die klassischen Aushilfstätigkeiten wie Eis verkaufen oder Fabrikarbeiten gibt es kaum noch.

Mehr Eigeninitiative

„Es gibt immer weniger Jobs, denn Firmen haben in Zeiten der Wirtschaftskrise immer weniger Geld dafür zur Verfügung. Darüber hinaus sind Firmen heute so organisiert, dass sie Auftragsspitzen mit eigenem Personal bewältigen können. Viele Facharbeiter sind ohnehin noch in Kurzarbeit und würden gern mehr arbeiten“, sagt Wolfhard Helms vom Arbeitgeberservice Oldenburg/Bad Zwischenahn.

Das gilt auch für das Ammerland: Wer sich im Internet über freie Ferienjobs in seiner Region informieren will, kann über „www.arbeitsagentur.de“ die Jobbörse anklicken, den Menupunkt „Ferienjob“ wählen und einen Ort, zum Beispiel Westerstede, eingeben. Treffer findet der Suchende nicht, es sei denn, er nimmt weite Anfahrtwege in Kauf.


Doch mit den weniger werdenden Jobs schwindet offenbar auch die Anzahl der arbeitswilligen Schüler. „Anders als vor fünf oder zehn Jahren gehen bei uns nur noch wenige Anfragen ein. Schülerferienjobs laufen kaum noch über die Arbeitsagentur“, verrät Helms. Darum rät der Experte Schülern auf Jobsuche zu mehr Eigeninitiative. „Ich kann Schülern nur raten, bei Betrieben anzurufen oder sich direkt vorzustellen“, so Helms.

So hat es auch Franziska gemacht. Die Schülerin der Westersteder Robert-Dannemann-Schule hatte erst in der vergangenen Woche bei Ahlers-Betriebsleiter Gerard de Regt ihr Interesse bekundet, sich dann persönlich vorgestellt und schnell einen Job bekommen. Zu ihren Aufgaben gehören vor allem Arbeiten im Freien, wie Unkraut jäten, aber auch das Etikettieren der Pflanzen, um sie versandfertig zu machen. „Die Arbeit ist anstrengend, aber macht auch Spaß. Außerdem sind die Kollegen sehr nett“, sagt die Realschülerin.

Franziska arbeitet drei Wochen lang montags bis freitags von 7 bis 16 Uhr. Am Ende des Monats wird sie sich über knapp 600 Euro netto freuen können. „Viele meiner Freunde wollen in den Ferien nicht arbeiten. Aber ich möchte mein eigenes Geld ausgeben können, und dazu muss ich es verdienen“, erklärt die 15-Jährige. Einen Teil des Geldes möchte sie zurücklegen, der Rest wird in die Freizeit, wie für Kino und Shopping „investiert“.

Noch vermisst Franziska die gemeinsamen Nachmittage mit ihren Freunden am Badesee nicht. „Da kann ich auch noch nach 16 Uhr hingehen“, sagt sie selbstbewusst.

Schlechte Erfahrungen

Gerard de Regt wünscht sich mehr Schüler wie Franziska. In der Vergangenheit hätte er oft schlechte Erfahrungen mit Schülern gemacht. Viele seien nicht einmal zu den Vorstellungsgesprächen erschienen und andere hätten bereits nach einem Tag aufgegeben, berichtet er. Doch seit dem vergangenen Jahr stellt die Firma Ahlers wieder Schüler ein, in diesen Sommerferien sind es insgesamt sieben.