WESTERSTEDE - Ideen aus Westerstede sind auch anderswo gefragt. Das stellten die Mitglieder des Vereins Daheim statt Heim jetzt im Gedankenaustausch mit Besuchern fest. Zwei Delegationen wurden kurz hintereinander in der Kreisstadt begrüßt. Neben der Bundesvorsitzenden von „Daheim statt Heim“ aus Berlin, Sylvia Schmidt (MdB), und ihrem Pressesprecher Christoph Lixenfeld hatte sich die Evangelische Stiftung Alsterdorf aus Hamburg angekündigt.

Im Mittelpunkt der Gespräche mit der Bundesvorsitzenden standen neben Demografie-Konzepten erste Erfahrungen mit der „Zeitbank“, die vor kurzem in Westerstede ins Leben gerufen wurde. Dabei können Bürger Serviceleistungen wie beispielsweise Vorlesen, Kochen oder Computerdienste anbieten und erhalten als Gegenwert Zeit geschenkt, die sie gegen andere Leistungen einlösen können.

Das Westersteder Konzept einer „Zeit-Währung“ neben dem Euro erscheine als ein zukunftsweisender Ansatz, sagte Schmidt – auch vor dem Hintergrund der wachsenden Altersarmut. Zeitbanken seien zwar nicht neu, diese aber in den Dienst der Sozialpolitik zu stellen, sei ein neuer Gesichtspunkt. Wie die Gastgeber hinterher erklärten, habe sie die „großartige Arbeit“ vor Ort gelobt und Hilfe zugesagt, um die Arbeitsergebnisse überregional zu verbreiten.

Die Gäste aus Alsterdorf waren durch eine Präsentation auf die Arbeit in Westerstede aufmerksam geworden. Die Stiftung, die 160 Einrichtungen betreibt, sucht ebenfalls nach geeigneten Modellen zur ambulanten Versorgung von Menschen mit Assistenzbedarf. Sie hörten mit Interesse vom Ansatz der Westersteder, die Zeitbank als zusätzliche kommunale Altersvorsorge aufzubauen.

An der Runde nahmen neben Vereinsvorsitzendem Heino Hinrichs und Vorstandsmitglied Martina Steguweit-Behrenbeck auch Bürgermeister Klaus Groß und Sozialdezernentin Heidrun Hamjediers teil. „Wir müssen diese Herausforderung jetzt angehen und ich weiß, dass das im Rat auch von allen Parteien so beurteilt wird“, betonte Hinrichs.

Kerstin Schumann
Kerstin Schumann Redaktion Westerstede