WESTERSTEDE/HOLLRIEDE - Pflanzen fühlen und schmecken, Gerüche von Küchenkräutern erkennen oder barfuß durch Sand laufen. Möglich ist das seit kurzem im Bienenpark Hollriede. Dort entsteht zurzeit ein gartentherapeutischer Park, der sich besonders auf die Bedürfnisse von Demenzkranken ausgerichtet.
„An Demenz erkrankte Menschen werden durch die Gartentherapie deutlich ruhiger, sie senkt die allgemeine Angst, wirkt Schlafstörung entgegen und fördert den Kontakt untereinander“, erklärte Carl-Wilhelm Düvel, Vorstand der Carl-und-Liselotte-Düvel-Stiftung und Betreiber des Parks. „Hier vor Ort sollen sich die Angehörigen Tipps und Anregungen für die Gartengestaltung Zuhause holen“, so Düvel weiter, „damit in den eigenen vier Wänden die Therapie fortgesetzt werden kann“.
Zuerst ausprobiert hat den Garten eine Selbsthilfegruppe von Patienten mit Schlaganfall und Aphasie (Sprachverlust) aus Cuxhaven. 25 Betroffene und Angehörige regten an fünf Stationen ihre Sinne an. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht, dass sich Gartenarbeit positiv auswirkt“, meinte Sabine Matthes, Leiterin der Selbsthilfegruppe. „Deshalb war die Resonanz auch in dieser Gruppe durchweg positiv“, fügte sie hinzu. Es gebe jedoch einige Punkte, die nachgebessert werden müssten. „Es fehlen beispielsweise fest installierte Bänke oder eine Unterstellmöglichkeit bei Regen“, so die Gruppenleiterin.
Im Regen steht derweil auch die Stadt Westerstede: Die Pläne für eine Tagespflegeeinrichtung für Demenzpatienten auf dem Gelände des Bienenparks haben sich wohl endgültig zerschlagen. „Wir haben nun zwei andere Angebote vorliegen, jeweils eins aus Edewecht und Rastede“, sagte Düvel am Rande der Gartenpräsentation. „Beide Gelände sind interessant für uns.“ Man wolle sich bei der Wahl des neuen Standorts zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht 100-prozentig festlegen. Derzeit sei man noch damit beschäftigt, potentielle Sponsoren zu suchen, so Düvel weiter.
Wie berichtet, hatte im April dieses Jahres der Stadtrat gegen den geplanten Bau einer Therapieeinrichtung in Hollriede gestimmt. Als Grund wurde damals u.a. Lärmbelästigung durch die nahe gelegene Bundesstraße 75 genannt.
