WESTERSTEDE - Möglichst vielfältige Kontakte zwischen den Menschen im polnischen Pleszew und den Westerstedern anzubahnen, hat sich der Partnerschaftsverein auf die Fahne geschrieben. Jetzt hat sich eine neue Tür aufgetan: Erstmals waren angehende Landwirte im Ammerland zu Gast. Zugute kam den Initiatoren um Reinhold Weerts eine angestrebte Partnerschaft zwischen den Berufsbildenden Schulen in Rostrup und der landwirtschaftlichen Fachschule Marszew nahe Pleszew. Schnell waren Kontakte hergestellt und Gastfamilien für die elf jungen Männer und Frauen gefunden. Zwei Wochen lang haben diese auf den Bauernhöfen mitangepackt und so manche neue Erfahrung gewonnen. Nach Abschluss der Aktion konnte Weerts ein rundum positives Fazit ziehen. „Wir haben mit allen Beteiligten gesprochen, und alle waren so begeistert, dass sie sofort wieder mitmachen würden“, freut er sich über die gelungene Premiere.

Dabei habe anfangs noch eine gewisse Unsicherheit geherrscht, erinnern sich Meike und Meino Pleis. Das Ehepaar hatte auf seinem Hof in Ihausen noch nie einen Praktikanten und war sich auch nicht sicher, wie das mit der Verständigung klappen würde. „Das lief nur über Zeichen, aber es war tatsächlich kein Problem. Unser Gast hat sich einfach alles abgeguckt“, erzählt Meino Pleis von der Anfangszeit. Für den 17-jährigen Städter Dawid Kocik war der Aufenthalt eine Umstellung. Er hat sich bei seiner Ausbildung auf den Bereich landwirtschaftlichen Maschinenbau spezialisiert. Im Ihauser Mischbetrieb hat er dann seine erste Kuh gemolken, und auch das Treckerfahren hat er inzwischen gelernt.

„Ich wollte die Praxis kennenlernen, die Arbeitsabläufe und die Technik, und sehen, welche Unterschiede es zwischen Höfen in Deutschland und Polen gibt“, berichtet er von seinen Beweggründen. „Tatsächlich gibt es bei uns ganz kleine oder sehr große Betriebe, hier sind es eher mittlere“.

Sein 18-jähriger Kollege Waclaw Tomalak verbrachte ebenfalls zwei Wochen in Ihausen, aber in einem anderen Betrieb. Vom elterlichen Hof kennt er den Gemüseanbau, hier lernte er die Milcherzeugung aus dem Effeff.

„Wir haben die Gastfamilien so ausgesucht, dass immer zwei Praktikanten in der Nähe untergebracht waren. So waren sie nie ganz auf sich allein gestellt“, erläutert Weerts das Prinzip. „In den Betrieben können die jungen Leute ihr Wissen für den Beruf erweitern. Aber es werden vor allem Vorurteile abgebaut, und die Partnerschaft zwischen den beiden Gemeinden wird vertieft“, beschreibt er seine Ziele.


Für Dawid und Waclaw jedenfalls hat sich der Aufenthalt gelohnt, wie sie betonen. Beide loben die deutsche Gastfreundschaft und freuen sich darüber, dass sich die Familien so viel Zeit für sie genommen haben. Zu Hause werden sie von den hübschen, sauberen Dörfern, netten Menschen und anderen positiven Eindrücken erzählen. Für Weerts steht nach dem erfolgreichen Auftakt fest: „Wir werden weitermachen. Im nächsten Jahr werden Praktikanten aus dem Ammerland nach Polen gehen. Und wir werden erneut Praktikanten aufnehmen.“