WESTERSTEDE - Still und heimlich wollte Klaus Schreiber, Besitzer von Westerstedes ältester noch bestehender Apotheke, Jubiläum feiern, doch ganz unbemerkt blieb es dann doch nicht. Vor 50 Jahren, im März 1958, öffnete die Adler-Apotheke an der Langen Straße erstmals ihre Türen. 18 Jahre versorgte Louis Eckmann die Kunden aus der Stadt und den umliegenden Orten mit Arzneimitteln, Tinkturen und Extrakten. Als Eckmann in den Ruhestand ging, übernahm Schreiber 1976 das Geschäft und ist mit nun 67 Jahren inzwischen auch der älteste Apotheker Westerstedes. „Ich wollte kein großes Aufsehen machen – so wichtig ist das nun wirklich nicht“, sagt Schreiber.
Der gebürtige Berliner lebt seit 1969 in Westerstede. Zuvor hatte es ihn „durch Kriegswirren“ zunächst nach Darmstadt und später nach Marburg verschlagen. Nach zwei Jahren bei der Bundeswehr studierte er an der Marburger Philipps-Universität Pharmazie, nachdem er zuvor die damals noch obligatorische zweijährige Lehre in einer Apotheke absolviert hatte.
„Das war vor dem Studium Pflicht“, erklärt Schreiber und fügt an: „In der Lehre haben wir den Beruf von der Pieke auf gelernt. Da hieß es erst einmal: Die Apotheke putzen und alle Gefäße und Behälter sauber machen.“ Da habe man schon früh die nötige „Beziehung zu den Drogen und Chemikalien“ entwickelt.
So langsam denkt Schreiber allerdings schon an den verdienten Ruhestand. Zumal das Menschliche in seinem Beruf angesichts der immer stärker zunehmenden Reglementierung seitens der Krankenkassen immer mehr in den Hintergrund trete. „Das kann nicht zum Wohle des Patienten sein“, meint Schreiber, der großen Wert auf Beratung und das persönliche Gespräche mit seinen Kunden legt. Ganz so bald werde er allerdings wohl noch nicht aufhören – das könne er seinen Kunden nicht antun.
Schreiber, seine fest angestellte Frau und seine anderen Mitarbeiterinnen bedienen in der Adler-Apotheke vorwiegend Stammpublikum. Zudem mache er nach dem Dienst viele Hausbesuche in Westerstede und den umliegenden Ortschaften, da einige Kunden, erläutert der inzwischen mit seiner Frau von Westerstede nach Halsbek gezogene Schreiber, nicht mehr in die Räume an der Langen Straße kommen könnten.
Über die Jahre hat Schreiber wahre Schätze in der urigen Apotheke angesammelt. „Ich habe mit Absicht keine Umbauten vorgenommen“, sagt Schreiber und ergänzt: „Hier können meine älteren Kunden noch in eine Apotheke kommen, wie sie sie aus ihrer Kindheit kennen – ohne den ganzen neumodischen Kram.“
Stolz blickt er während der Arbeit immer wieder auf mehr als 200 Jahre alte Rezept-Bücher, mundgeblasene Gefäße und historische Raritäten aus der inzwischen geschlossenen „Apotheke Westerstede“. Oder er erfreut sich an einer rund 180 Jahre alten Reisewaage mit Geheimfächern, die noch mit Unzen und Drachmen misst. „Vieles muss noch sortiert und geordnet werden, aber irgendwann kann das ganze hier vielleicht einmal ein Museum werden.“
