WESTERSTEDE - Die deutsche Wirtschaft bricht in diesem Jahr ein – aber manches Unternehmen im Nordwesten hält sich bemerkenswert stabil. „Es sieht gut aus, auch in diesem Jahr“, sagt etwa Jens Ewertowski (42), Geschäftsführer des Rohrpost-Spezialisten Swisslog Rohrpostsysteme GmbH in Westerstede (Ammerland). Man werde auch 2009 den Umsatz wohl leicht steigern und erwarte für 2010 bereits wieder einen kräftigen „Schub“.

Swisslog bietet ein im Prinzip altes Produkt – Rohrpost zum innerbetrieblichen Einsatz – in modernsten Anwendungen und neuen Branchen an. „Goldrichtig“ seien in Westerstede vor vier Jahren die Weichen neu gestellt worden, erläutert Ewertowski. Damals habe man sich auf spezielle Lösungen für den Bereich „Health Care“ verlegt. Im Gegensatz zu anderen Branchen, in denen die gute alte Rohrpost etwa durch E-Mails entbehrlich wurde, boome der Bedarf in den Krankenhäusern.

Diese stünden unter enormem Druck, ihre Effizienz zu steigern. Swisslog biete dazu passende Produkte für die innerbetriebliche Logistik an. Konkret würden z.B. Gewebeproben aus dem Operationssaal innerhalb von Sekunden zur Schnell-Analyse ins Labor geschickt, sagt Ewertowski. Damit entfielen aufwendige Botengänge und teure Wartezeiten am OP-Tisch.

Geht es um sensible Fracht wie etwa Blut, oder soll die Geräuschentwicklung gedämpft werden, kann die Fahrtgeschwindigkeit der flinken Hülsen im Rohrsystem elektronisch „angepasst“ werden. Sonst sind sie oft mit rasanten sieben Metern pro Sekunde unterwegs. Auf ihrem Weg werden die Container über ein Transponder-System genau kontrolliert. Nichts kann verloren gehen.

80 Prozent des Umsatzes macht Swisslog (70 Mitarbeiter) bereits im Gesundheitswesen. Die flexibel steuerbaren Rohrpost-Systeme aus Westerstede sind aber auch im Handel gefragt – etwa um Einnahmen aus der Kasse in gesicherte Bereiche zu befördern.


Rund 70 Prozent des Umsatzes erzielt Swisslog, das zum schweizerischen Swisslog-Konzern gehört, bereits im Export. Viel früher als andere wurden die Ammerländer etwa in der Türkei tätig. Heute seien dort 125 Krankenhäuser mit Swisslog-Systemen ausgerüstet, freut sich Jens Ewertowski. Auch in Asien und Südafrika sei man tätig.

Dass die Nachfrage unter der weltweiten Flaute nicht leidet, erklärt sich der Swisslog-Chef mit dem Kostensenkungseffekt seiner Produkte, aber auch mit der langfristigen Planung bei vielen Kunden. Krankenhausprojekte etwa würden stets mit mehreren Jahren Vorlauf geplant – und nicht so leicht wieder abgeblasen, weil die Konjunktur nicht laufe.

Für Jens Ewertowski steht fest: Der Boom der Rohrpost geht weiter, Motto: „Zurück zur Zukunft“. Die gute alte Rohrpost (Swisslog hat 15 000 Systeme installiert) werde mit neuen Anwendungen und Technologien überleben – und die Mitarbeiterzahl von 70 eher noch steigen. Die laufenden Investitionen von über einer Million Euro in die Gebäude der Swisslog Rohrpostsysteme GmbH (früher: Walther Rohrposttechnik) in Westerstede seien zudem als eine Art „Standortsicherungszusage“ zu verstehen.

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