WESTERSTEDE - WESTERSTEDE - Rot angestrichen in ihrem Kalender haben fünf Frauen einen Tag in der Woche: Immer freitags treffen sie sich im Café Matthia zum gemütlichen Plausch. Sie sind um die 80 Jahre alt und kennen sich schon seit Jahrzehnten. Zusammengeschmiedet hat sie das langjährige Engagement im Landfrauenverein Westerstede, in dem einige sogar eine Position im Vorstand inne hatten. Und Waltraude Böhlje ist bis heute im Verein für das Verschicken der Post zuständig.

Wenn man alt sei, dürfe man nicht vereinsamen, ist sich die fröhliche Runde einig. Früher hätten sie sich beim Einkauf auf dem Wochenmarkt getroffen, aber im Café sei es einfach gemütlicher, finden die munteren Frauen. Zu Kaffeekränzen und Geburtstagen treffe man sich auch privat, aber immer zwanglos.

Vom Landfrauenverein können die alten Damen trotzdem nicht lassen. Hier schätzen sie die vielfältigen Informationen und den Gedankenaustausch mit den Jüngeren. Vieles habe sich verändert im bäuerlichen Alltag ebenso wie im Landfrauenverein, weiß die Runde. „Früher nach dem Krieg haben wir uns in erster Linie mit praktischen Themen beschäftigt, beispielsweise mit der Frage: Wie richte ich meine Küche ein?“, erinnert sich Cäcilie Fehrendt. Heute werden über vieles referiert: Umwelt, Gesundheit, Ernährung oder Politik. Ausflüge hätten die Frauen auch früher schon im Landfrauenverein unternommen. „Für manche war es die einzige Reise. Man konnte ja auch nicht einfach so vom Hof weg“, weiß Inge Thye.

Auch die Aufgaben der Ehefrauen hätten sich stark verändert, wissen die fünf aus eigener Erfahrung. „Wir haben die Kinder großgezogen ohne Elektroherd, Heizung und elektrische Waschmaschine“, erzählt Inge Thye. „Es gab ja auch keine Kindergärten“, pflichtet ihr Anneliese Heinemann bei. Und die anderen erinnern sich ebenfalls noch lebhaft an den Großwaschtag, als die Wäsche auf dem Rubbelbrett sauber geschrubbt wurde und hinterher noch „in die Bleiche“ musste.

Die regelmäßigen Schlachttage kennt Marie Heckmann noch sehr genau. Eine Aufgabe, die heute wohl keine Bäuerin mehr zu erfüllen habe. Viele Stunden hätten die Frauen nicht nur mit dem Befeuern der Kachelöfen, sondern auch beim Einwecken von Obst und Gemüse verbracht, erzählt Cäcilie Fehrendt. Trotz der vielfältigen Aufgaben und Anforderungen sei die Zeit sehr schön gewesen, findet Anneliese Heinemann: „Wir hatten trotzdem noch Zeit für Hobbys, es gab ja kein Fernsehen.“ Heute sei die Arbeit der Landfrauen körperlich leichter, aber die Zeit sei auch hektischer, zählen die Frauen die Vor- und Nachteile auf.