Westrittrum - Für Marc Naber aus Husum ist es die erste Ansprache als Vorsitzender des Ortslandvolkverbandes Huntlosen gewesen, die er beim Ernteball auf der Diele der Familie Ritterhoff in Westrittrum hielt. 22 Jahre hatte lang Karl-Heinz Wilkens den Vorsitz inne, am Samstagabend nun war der Neuling gefordert.
Die schmucke Erntekrone, gebunden von der Dorfgemeinschaft Westrittrum unter der Leitung von Heide und Heiner Hillen, hing schon unter der Decke, als die Gäste zum Ernteball eintrafen. Bevor mit dem Ehrentanz für die Kranzbinder der gesellige Abend eröffnet wurde, ging Naber auf das vergangene Erntejahr ein.
Die begrenzenden Faktoren für eine mäßige Ernte waren unlängst bekannt. Naber erinnerte an den Winter ohne richtigen Regen. „Jeder schaute immer wieder auf seine App auf dem Handy, doch Regen war nicht viel in Sicht.“ Der Mai sei kühl gewesen, im Juni sei etwas Regen gefallen und im Juli habe die Hitze dominiert. „Die Getreideernte war am 1. August abgeschlossen. Beim Gras war nur der erste Schritt ergiebig, weitere blieben hinter den Erwartungen zurück“, so Naber. Der Mais habe teilweise keine Kolben geschoben und bei den Kartoffeln sei der Ertrag auch geringer ausgefallen.
„Nun ist der Regen da, wenn der man im Sommer gekommen wäre. Aber die Landwirtschaft hat sich immer auf das Wetter einstellen müssen. Das werden wir Landwirte auch jetzt machen“, sagte der Vorsitzende. Viel schlimmer sei die Sündenbockfunktion, die die Landwirte durch Medien, Politik und Gesellschaft zugesprochen werde. „Die vorgeworfene Profitgier auf Kosten der Umwelt ist eine Falschdarstellung. Bauern wirtschaften seit Jahrhunderten auf ihren Flächen und pflegen sie. Wichtig ist, den Landwirten Rahmenbedingungen an die Hand zu geben, nach denen sie arbeiten können“, forderte Naber.
Bürgermeister Thorsten Schmidtke erinnerte daran, dass vor 50 Jahren jeder Einzelne noch 46 Cent von einem Euro für Lebensmittel ausgab. 1,1 Millionen Bauern sorgten für die Ernte. Jeder von ihnen ernährte 27 Menschen. „Heute werden 26 Cent eines Euros für Nahrung ausgegeben. Das sind 14 Prozent des Einkommens für Lebensmittel. 265 000 Betriebe gibt es noch. Ein Landwirt ernährt nun 150 Personen. Das alles vor dem Hintergrund, dass der Landwirt immer schuldig ist“, so der Bürgermeister.
Das Bild der Landwirte müsse wieder in ein positives Licht gerückt werden. „Ich kenne die Betriebe in der Gemeinde. Den Tieren geht es gut. Das ist die Regel. Schwarze Schafe gibt es leider immer. Großenkneten wird auch weiter eine durch Landwirtschaft geprägte Gemeinde bleiben“, so Schmidkte. Für die Bauern stünden die Rathaustüren im Zweifel immer offen.
