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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

DGB-Regionalchefin appelliert: „Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft“

04.09.2019
Frage: Frau Jürgensen, wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung auf dem regionalen Ausbildungsmarkt?
Jürgensen : Es sieht momentan so aus, dass wir es immer noch nicht schaffen, genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Laut Statistiken fällt auf einen Bewerber nicht mal eine Stelle. Das ist nun wirklich keine Auswahlmöglichkeit. Wenn wir über Fachkräftebedarf reden, müssen wir auch in die Zukunft investieren – und das heißt ausbilden.

Jetzt noch schnell bewerben

Dorothee Jürgensen ist Geschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Region Oldenburg-Ostfriesland. Die Oldenburgerin ist auch Mitglied in der Jury beim „Preis für Innovative Ausbildung“ (PIA) der NWZ-Wirtschaftsredaktion.

Mit PIA sollen Unternehmen im Oldenburger Land gewürdigt werden, die in der dualen Berufsausbildung mehr tun als üblich. Bewerbungen sind noch bis Dienstag, 8. Oktober, möglich. Info zur Bewerbung und weitere Artikel unter

    www.nwzonline.de/pia

Frage: Wo genau liegt das Problem – haben die Betriebe keine Lust mehr auszubilden?
Jürgensen : Das kann man so nicht sagen. Es gibt viele Betriebe, die sehr gut ausbilden, das zeigt auch der Preis für Innovative Ausbildung. Aber betrachtet man das Gesamtbild, ist das Angebot nicht vielseitig genug. Leider gibt es auch immer noch schwarze Schafe, die schlechte Ausbildungsbedingungen haben – sei es durch Überstunden, geringen Lohn oder mangelnde Wertschätzung. Dann wären da noch die notorisch unbeliebten Ausbildungsberufe wie Friseur, Einzelhandelskauffrau/-mann, Fachkraft für Bäckerei oder im Gastronomiebereich. Wir haben aber auch im Bereich Lagerlogistik und bei Zerspanern häufiger Probleme, Nachwuchskräfte zu finden.
Frage: Was sollten Betriebe beachten?
Jürgensen : Ein ganz wichtiger Faktor ist die Wertschätzung. Ausbildung kostet Zeit, aber es ist eine Investition in die Zukunft. Nur mit Wertschätzung kann ich gute Nachwuchskräfte finden. Der Ausbilder muss sich Zeit für den Azubi nehmen und ihm frühzeitig eine Perspektive geben. Es kann nicht sein, dass über die Hälfte der Auszubildenden kurz vor dem Abschluss noch nicht wissen, ob der Betrieb sie übernimmt. Außerdem ist beiderseitiges Feedback wichtig. Sowohl der Betrieb sollte dem Azubi regelmäßig sagen, wie er sich macht, aber auch der Auszubildende sollte sagen dürfen, wie ihm die Ausbildung gefällt und wo es eventuell Schwierigkeiten gibt.
Frage: Spricht es sich rum, ein guter Ausbilder zu sein?
Jürgensen : Absolut. Es spricht sich aber genauso schnell rum, wenn ein Betrieb Ausbildung nicht ernst nimmt. Die sozialen Netzwerke sind ein nicht zu unterschätzender Multiplikator.
Frage: Haben es kleinere Betriebe nicht schwerer, Nachwuchs zu finden?
Jürgensen : Größere Betriebe haben es in der Tat leichter, eine Ausbildung zu stemmen, da sie mehr Ressourcen zur Verfügung haben. Aber auch in kleineren Betrieben ist das möglich – auch wenn es mehr Anstrengung kostet. Gerade in kleineren Betrieben kann es schneller mal passieren, dass der Ausbildungsplan vernachlässigt wird, da der Azubi gleich voll eingespannt wird. Das geht natürlich nicht. Es ist grundsätzlich nie verkehrt, sich gute Ausbildungsideen anderer Firmen anzuschauen. Auch hier ist PIA eine prima Anlaufstelle. Dort zeigen auch kleinere Firmen, wie es richtig geht. Und wer Hilfe benötigt, kann sich immer Anregungen bei Institutionen wie der Industrie- und Handelskammer holen.
Frage: Was sollten Ausbildungssuchende bei der Stellenauswahl beachten?
Jürgensen: In kleineren Betrieben kann man häufig eigenständiger arbeiten, dort ist der Ablauf nicht so fest getaktet wie in größeren Unternehmen. Daher sollte man nicht nur auf die großen Betriebe schauen. Es ist auf jeden Fall wichtig, dass junge Menschen ihren Traum verwirklichen können. Sie sollten jedoch immer eine Alternative zum Erstwunsch haben – im Zweifelsfall mit Unterstützung von der Arbeitsagentur oder anderen Institutionen. Denn es nützt niemandem, wenn derjenige einen Ausbildungsplatz besetzt, der ihm nicht liegt und er nach kurzer Zeit die Ausbildung abbricht. Nur wer seinen Job mag, ist auch gut darin.
Frage: Was können Betriebe eigentlich von Jugendlichen lernen?
Jürgensen: Ich glaube, dass uns die jetzige Generation einiges vorlebt. Sie möchte ein ausgeglichenes Verhältnis von Arbeit und Leben, und das ist wichtig, denn die psychischen Belastungen nehmen zu, entsprechend hoch ist der Krankenstand. Wir brauchen dringend eine Entschleunigung.
Frage: Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Jürgensen: Die Politik soll damit aufhören, unsere berufliche Ausbildung schlecht zu machen. Wir brauchen nicht nur Akademiker. Durch eine berufliche Ausbildung verbaut sich niemand seine Karriere. Man kann auch als Meister viel erreichen und wer möchte, kann nach der Ausbildung auch noch studieren. Die duale Ausbildung ist ein Aushängeschild in Europa, andere beneiden uns darum und wir fangen an, sie zu demontieren. Eine gute berufliche Ausbildung funktioniert auch nur, wenn die Unterrichtsversorgung an den Berufsbildenden Schulen gewährleistet ist. Daher müssen Stellen dringend nachbesetzt werden. Ansonsten wünsche ich mir eine angemessene Mindestvergütung bei der Ausbildung und eine Entlastung bei Fahrtkosten. Denn für Pendler ist das ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor.
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Sabrina Wendt Redakteurin / Wirtschaftsredaktion
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