Rodenkirchen - Davon träumt jeder Milchviehhalter: Die Molkerei garantiert vier Jahre lang einen Milchpreis von 36 Cent. Und wenn das Kraftfutter teurer wird, steigt der Milchpreis proportional dazu.
Viele Legehennenhalter arbeiten unter solchen paradiesischen Bedingungen, sagte Uwe Bintz. Das liegt daran, dass Eier aus Deutschland nur 68 Prozent des Bedarfs in Deutschland decken können. Milchbauern dagegen sind auf Exporte angewiesen, weil sie mit ihrer Milch den Bedarf im eigenen Land schon zu 103 Prozent erfüllen. Uwe Bintz zeigte ihnen Wege auf, wie sie dennoch erfolgreicher wirtschaften können.
Kaum Kredit-Risiko
Uwe Bintz ist Unternehmensberater für die Kreise Emsland und Grafschaft Bentheim bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Jedes Jahr berät er nach eigenen Angaben 150 Betriebe. Jetzt war er Gast der Fachtagung „Landwirte im Dialog“, die die Oldenburgische Landesbank (OLB) in der Markthalle veranstaltete. 200 Landwirte hörten ihm zu.
Sie erfuhren, dass sie bei Banken als Partner sehr gefragt sind. Denn erstens ist das Kreditausfall-Risiko in der Landwirtschaft mit 5 Prozent niedriger als in allen anderen Wirtschaftszweigen. Zweitens sind Kredite dank Hofgebäuden und Ländereien gut besichert. Zudem erlebt die Landwirtschaft seit 15 Jahren einen Investitionsboom ohnegleichen, und das freut auch die Banken. Gab es früher auf dem Hof eine Großinvestition pro Generation, so sind es heute mehrere. Oft geht es um Beträge jenseits der Millionengrenze. Diese Dynamik werde weitergehen.
Allerdings seien Investitionen in mehr Flächen und neue Gebäude keineswegs immer sinnvoll. Landwirte müssten zunächst die drei Produktionsfaktoren Fläche, Arbeit und Kapital in ihrer individuellen Lage begutachten. Kapital sei das geringste Problem, wenn das Konzept stimme. Schwieriger sei es mit der Fläche. Denn Pacht- und Kaufpreise hätten sich in den vergangenen Jahren verdoppelt oder verdreifacht.
Uwe Bintz empfahl den Bauern, Pachtverträge schon deutlich vor ihrem Ablauf zu verlängern und so moderate Preissteigerungen zu erreichen. Wenn der Eigentümer erst einen Makler beauftragt habe, werde es sehr teuer. Wer in Gebäude investiere, beachte oft Folgekosten etwa durch zusätzliche Filtertechnik nicht ausreichend und könne deshalb nicht die erforderlichen Erlöse erwirtschaften.
Das größte Problem aber sei der Faktor Arbeit. Viele Betriebsinhaber und ihre Familien arbeiteten schon am Limit, könnten weitere Belastungen kaum verkraften. Zudem wollten sie nicht nur wirtschaften, sondern auch leben. Was also tun?
Qualität gefragt
Uwe Bintz empfahl, die vorhandenen Kapazitäten besser auszunutzen. Dazu gehöre auch eine höhere biologische Leistungsfähigkeit der Tiere. Die wiederum hänge von der Qualität der Produktion ab. Mit höherer biologischer Leistungsfähigkeit sei mehr Geld zu erwirtschaften als mit höheren Subventionen. Fast jede Kuh sei genetisch in der Lage, 10 000 Liter Milch im Jahr zu geben. Das mache sie aber nur, wenn sie sich wohlfühle. Und da sei die Produktionsqualität gefragt.
Zudem seien die Landwirte aufgefordert, die Verbraucher besser mitzunehmen. Die allermeisten Verbraucher seien für Landwirte, die einen sehr komplexen Beruf ausüben, keine ebenbürtigen Gesprächspartner mehr, merkten dies aber nicht. Deshalb müssten die Bauern besser informieren – Schulklassen, Gemeinderäte, Kirchen und lokale Medien.
Und wenn doch alles zu viel wird? Dann müsse der Landwirt seinen Betrieb verpachten und einen neuen Beruf ergreifen. Das bringe ihm mit weniger Arbeit mehr Einkommen.
