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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Wie gefährlich kann uns Chinas Börsenkrise werden?

31.07.2015

Frankfurt Am Main Der Wachstumsmotor China stottert. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst so langsam wie seit 1990 nicht mehr. Bremst das die Exportnation Deutschland aus? Erste Dämpfer gibt es, doch noch steckt die hiesige Wirtschaft die fernöstliche Krise weg.

Welche Bedeutung hat China für deutsche Firmen?

China ist mit Abstand Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in Asien. Im vergangenen Jahr wurden laut Statistischem Bundesamt Waren „made in Germany“ im Gesamtwert von 74,5 Milliarden Euro nach China ausgeführt. Damit war China der viertwichtigste Absatzmarkt für deutsche Firmen - nach Frankreich, den USA und Großbritannien. Umgekehrt ist Deutschland wichtigster Handelspartner für das Reich der Mitte in Europa: Die Einfuhren aus China lagen 2014 bei rund 79,7 Milliarden Euro. Nur aus den Niederlanden wurde mehr importiert.

Welche Branchen profitieren besonders von den Handelsbeziehungen?

China ist der weltweit wichtigste Absatzmarkt für deutsche Maschinen. 2014 gingen nach Angaben des Branchenverbands VDMA Maschinen und Anlagen aus deutscher Fertigung im Gesamtwert von 17 Milliarden Euro in die Volksrepublik. Damit hatte China 11,2 Prozent Anteil an den deutschen Maschinenexporten, die USA als zweitwichtigster Markt kamen auf 10 Prozent. Auch für Autobauer ist der Riesenmarkt ein Muss. Bei Europas größtem Autobauer Volkswagen etwa entfällt ein gutes Drittel des Konzernabsatzes auf China. Für die deutsche Elektroindustrie war China 2014 erstmals die Nummer eins unter den Absatzmärkten - noch vor den USA. Die Exporte deutscher Elektro- und Elektronikhersteller haben sich nach Zahlen des Branchenverbands ZVEI von 2,5 Milliarden im Jahr 2000 auf 14,9 Milliarden Euro im Jahr 2014 versechsfacht.

Spüren deutsche Unternehmen die jüngsten Turbulenzen schon?

Die Flaute auf dem weltgrößten Automarkt setzt den Herstellern zu: VW legte eine durchwachsene Halbjahresbilanz vor und kassierte seine Verkaufsprognose. Die Elektroindustrie exportierte im Mai weniger Waren nach China als im Vorjahresmonat. „Das war der erste Rückgang seit Spätsommer 2013“, sagt ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann. „Die Börsenturbulenzen in China zeigen, dass die Zeit weitgehend risikofreier Wachstumsmärkte vorbei ist und auch massive staatliche Eingriffe in das Marktgeschehen von zweifelhaftem Nutzen sind“, kommentiert Stefan Mair, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

Wie gefährlich sind der Börsenabschwung und die Abkühlung der Wirtschaft in China langfristig für die deutsche Wirtschaft?

„Früher hieß es, wenn Amerika hustet, hat die Weltwirtschaft eine Grippe. Heute kann der Schwächevirus durchaus aus China kommen“, meint Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Sein Kollege von der Commerzbank, Jörg Krämer, warnt: „Für Deutschland ist das Nachlassen des Wirtschaftswachstums in China ein beträchtliches Risiko, das nur deshalb nicht voll durchschlägt, weil die Nullzinsen der EZB in Deutschland zunehmend die Binnennachfrage anfachen.“ Ferdinand Fichtner, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), wertet den jüngsten Kurssturz an Chinas Börsen als Problem der Finanzmärkte - und weniger als Indiz dafür, dass die Wirtschaft dort in einer ernsten Krise steckt. „Ich würde noch nicht alle Alarmglocken läuten“, sagte er dem „Tagesspiegel“.

Sind die Entwicklungen in China also nur eine kurzzeitige Episode?

Viele Volkswirte werten den jüngsten Börsenabsturz durchaus als Hinweis auf grundsätzliche Probleme. „Die eigentliche Gefahr des Börsencrashs in China für die deutsche Wirtschaft liegt in der darin zum Ausdruck kommenden strukturellen Schwäche der chinesischen Volkswirtschaft“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. Dekabank-Ökonom Kater ist überzeugt, das Börsenbeben in China sei „nur ein Symptom dafür, dass es auch an anderen Stellen in der Tiefe der chinesischen Wirtschaft grummelt“. Commerzbank-Experte Krämer bekräftigt: Chinas Wirtschaft leide vor allem unter fallenden Immobilienpreisen. „Die Wachstumserwartung der Regierung in Höhe von sieben Prozent ist zu optimistisch - und zwar nicht nur wegen der fallenden Häuserpreise, sondern auch wegen der hohen Verschuldung der Unternehmen.“

Worauf stellt sich die deutsche Wirtschaft mit Blick auf China ein?

Die chinesische Wirtschaft werde über einen längeren Zeitraum jährlich eher um fünf Prozent als um zehn Prozent zulegen, prognostiziert Hüther: „Die deutsche Wirtschaft ist dadurch mit einer Vielzahl von Direktinvestitionen in China betroffen, vor allem die Automobilbranche wird das spüren.“ Der Präsident des Autoverbands VDA, Matthias Wissmann, räumte im „Tagesspiegel“ ein, das Geschäft in China werde schwieriger. Doch das Land bleibe ein Wachstumsmarkt, das Potenzial sei nicht ausgereizt: „Derzeit kommen auf 1000 chinesische Bürger 61 Pkw - in Deutschland sind es 540 Autos auf 1000 Einwohner.“

Wie steuert die deutsche Wirtschaft gegen?

Viele Firmen haben sich nach Einschätzung von VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann bereits auf mehr Gegenwind eingestellt: „Wir beobachten seit geraumer Zeit, dass wir weg sind von unseren zweistelligen Exportraten nach China.“ Aktuell böten sich aber zum Beispiel im Iran neue Chancen. Deutschlands Elektroindustrie stellt sich ebenfalls auf rückläufige China-Ausfuhren ein. „Wir sehen sehr wohl, dass sich das Wachstum abkühlt, brechen deswegen aber nicht in Panik aus. Volatil ist es immer gewesen“, sagt ZVEI-Chefvolkswirt Gontermann.

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