Oldenburg - Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz (KI) heute und künftig in Wirtschaft und Schule? Welche Chancen, aber auch welche Risiken bietet sie? Diese Fragen standen am Freitag im Mittelpunkt beim 17. bundesweiten „Tag der ökonomischen Bildung“ an der Universität Oldenburg, die vom Verband Ökonomische Bildung an allgemein bildenden Schulen (Vöbas/Oldenburg) organisiert wurde.
Erst am Anfang
In seinem Impulsvortrag zeigte Dr. Benjamin Giesers vom Oldenburger Informatik-Institut Offis auf, dass Künstliche Intelligenz bewusst oder unbewusst schon längst im Alltag der Menschen angekommen ist, sei es über die biometrische Erkennung beim Smartphone, durch Sprachassistenten, Übersetzungsprogramme oder personalisierte Empfehlungen. Und dabei stehe man gerade erst am Anfang, sagte er mit Blick auf Generative Pre-Trained Transformer (GPT), eine hoch entwickelte neuronale Netzarchitektur, die zum Trainieren großer Sprachmodelle verwendet wird. Diese Transformer besäßen eine enorme Lernfähigkeit und ein erstaunliches Sprachverständnis, wodurch generative KI heute schon in der Lage sei, anhand von Sprachbefehlen brauchbare Texte, Bilder, Musik oder Videos zu erzeugen. Und diese würden sich immer weiter entwickeln und besser werden. „Wir sehen heute noch kein Anzeichen, dass diese Technologie ein natürliches Limit hat“, sagte Giesers. Von einer eigenständigen Intelligenz könne man aber noch nicht sprechen.
Mit Blick auf den Schulbereich meinte Prof. Dr. Dirk Loerwald vom IÖB, dass KI „kein Allheilmittel für Lernprozesse“ sein werde und auch „kein Ersatz für Lehrkräfte“. Momentan könne KI vor allem bei der Unterrichtsplanung helfen. Mit Blick auf die Zukunft habe Künstliche Intelligenz das Potenzial, bei einem der heute wohl größten Herausforderungen im Unterricht zu helfen: Eine zunehmend heterogene Schülerschaft mache Personalisierung und Differenzierung in Bildungsprozessen zu einem kaum lösbaren Problem, so Loerwald. Hier könne KI durch adaptive individuelle Lernpfade dabei helfen, besser auf die einzelne Schülerin und den einzelnen Schüler einzugehen. „Nicht der Lernende passt sich dem Material an, sondern das Material passt sich dem Lernenden an“, erläuterte Loerwald. Im Bereich ökonomische Bildung arbeite das IÖB gerade zusammen mit der Leuphana-Universität Lüneburg und der Uni Tübingen an einem entsprechenden Projekt für die Mittelstufe zu den Thematiken „Grundlagen wirtschaftlichen Handelns“ sowie „Grundlagen des Marktes“.
Diskutierten über KI in Wirtschaft und Schule: (von links) Moderator Michael Koch, Unternehmer Jan Schoenmakers, der Bundestagsabgeordnete Stephan Albani sowie (zugeschaltet via Video) Verbraucherschützer Arndt Onnasch Bild: Sascha Stüber
In der anschließenden Diskussionsrunde meinte der CDU-Bundestagsabgeordnete Stephan Albani, der selbst längere Zeit in der Wissenschaft tätig war, dass er sich darüber freuen würde, wenn man die Diskussion über KI hierzulande „nicht nur von den Risiken aufziehen“ würde, „sondern auch die Chancen dabei sieht, denn die sind aus meiner Sicht ganz erheblich“. Arndt Onnasch von der Verbraucherzentrale Niedersachsen sieht sowohl viele Chancen, aber auch Risiken. Aus Verbrauchersicht sei „Transparenz das oberste Stichwort“. Wichtig sei etwa, wo KIs ihre Daten herbekommen und wie sie trainiert werden.
Fachkräftemangel als Treiber
Für Jan Schoenmakers, Gründer und Chef des Oldenburger KI-Softwareunternehmens Hase & Igel müsse man mit Blick auf KI gar nicht unbedingt von einer Revolution sprechen. Es gehe vielmehr um „die Fortschreibung von etwas Bestehendem, aber mit einem wahnsinnig erhöhten Tempo“. Aus seiner Sicht kann man nicht jedes Problem mit KI besser lösen. Allerdings biete KI häufig die Möglichkeit, „für dieselben Prozesse oder Produkte sehr viel Zeit und potenziell aus sehr viel Personalintensität zu sparen“. Das bedeute allerdings nicht, dass es um Personalabbau gehe, sagte er mit Blick auf die Kunden seines Unternehmens. „Treiber ist in der Regel der Fachkräftemangel“, so Schoenmakers. Das Credo vieler Kunden: Besser mal etwas Neues ausprobieren, als dazusitzen und nicht produzieren zu können.
