Frankfurt Am Main - Der Dax hat mit seinem wochenlangen Sturmlauf eine Rekordmarke nach der anderen aufgestellt. Vor allem Minizinsen, die Aktieninvestments im Vergleich zu festverzinslichen Anlagen begünstigen, treiben den deutschen Leitindex an. „Er läuft und läuft und läuft - was einst für den Käfer galt, gilt nun für den Dax“, konstatiert Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research. Ob das so weitergeht, daran scheiden sich allerdings die Meinungen.

Der Dax schloss mit einem Plus von 0,66 Prozent auf 11 401,66 Punkte - wieder ein neuer Höchststand. Auf Wochensicht gewann das Barometer der 30 wichtigsten deutschen Aktienwerte über 3 Prozent hinzu. Zudem schaffte es der MDax erstmals in der Geschichte über die Marke von 20 000 Punkten.

„Im Vergleich zu Staatsanleihen sind Aktien noch immer günstig“, so Saurenz weiter. Die mangelnde Rendite bei zinsabhängigen Anlagen treibe die Anleger in dividendenstarke Aktien - selbst Versorgertitel wie RWE und Eon seien ohne fundamentalen Grund wieder angesprungen.

Wenn man zudem bedenke, dass der Börsenwert des US-Konzerns Apple fast 80 Prozent der Marktkapitalisierung aller Unternehmen im Dax entspreche, sei dieser bei 11 000 Punkten „fast ein Schnäppchen“, meint Saurenz. Daher könnte „die Dax-Party trotz allen Korrekturbedarfs noch längst nicht am Ende sein“.

In die gleiche Kerbe schlägt Marktstrategin Sarah Brylewski vom Handelshaus Ayondo, die sogar eine mögliche Zeitenwende ausruft. Titel wie Continental oder Bayer notierten bei vielen Kennzahlen „schon jenseits von Gut und Böse, weit über dem Zehnjahres-Durchschnitt“. Anderen Experten machen die schwindelerregenden Höhen, die das Börsenbarometer mittlerweile erreicht hat, allerdings Sorgen. Die Kursrally werde nicht von entsprechend steigenden Unternehmensgewinnen flankiert, warnt etwa Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba.

Für die Wertpapierspezialisten der DZ Bank ist der Kursaufschwung „eine Vorauszahlung auf Unternehmensgewinne“. Diese dürften aber trotz des Rückenwinds durch den schwachen Euro und die gesunkenen Ölpreise Mühe haben, Schritt zu halten. Denn die laufende Berichtssaison der Dax-Firmen zeige für das Schlussquartal 2014 eine erwartungsgemäße Umsatz-, aber eine enttäuschende Gewinnentwicklung. „Der Dax ist nun auf Basis aller von uns betrachteten Bewertungsindikatoren überbewertet“, heißt es weiter.

Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin „Index-Radar“ warnt derweil, dass nach einer Rally „die Kurse schnell auch mal nach unten übertreiben, wenn die Stimmung kippt“. Die im historischen Vergleich hohen Bewertungen etlicher Dax-Titel deuteten auf ein baldiges Ende der Aufwärtsbewegung. Einen genauen Zeitpunkt dafür könne allerdings niemand voraussagen.