Weener - Zwar war die Friesenbrücke über die Ems lange Zeit Deutschlands längste Klappbrücke. Die über sie in Richtung Niederlande führende Bahnlinie aber ist unbedeutend und lange einstellungsbedroht gewesen.
Dann wurde der Fahrplan verbessert und in den Niederlanden der Ruf nach einem Intercity laut. Über 100 Millionen Euro stellten die Niederlande für einen Ausbau auch auf deutscher Seite in Aussicht. Diesseits der Grenze aber gab es kaum Interesse. Seit das Frachtschiff die Brücke zerstört hat, scheint sich der Wind gedreht zu haben.
Man sollte jetzt aus der Not eine Tugend machen und die Brücke gleich zukunftsfähig wieder aufbauen, mit einem zweiten Gleis und elektrifiziert, sagt Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD). Eine deutsch-holländische Konferenz zum Ausbau der Strecke Groningen-Leer forderte der SPD-Europaabgeordnete Matthias Groote mit ostfriesischen Parteikollegen in Hannover und Berlin. „Das Unglück an der Brücke muss in einen großen Wurf umgemünzt werden“, sagt er. Auch Parlamentarier aus der Provinz Groningen mobilisierten bereits für den Ausbau der Strecke und einen Wiederaufbau der Brücke – selbst von einem Tunnel war die Rede.
Während Gutachter die Brücke untersuchen, pendeln Busse über die Grenze – und hagelt es Kritik. Durch den sogenannten Schienenersatzverkehr mit Bussen verlängere sich die Fahrzeit zwischen Oldenburg und Groningen um eine Stunde, weil man den Anschluss in Leer um wenige Minuten verpasse, klagt Wilfried Jankowski vom Verkehrsclub Deutschland.
Zudem dürften in den Bussen keine Fahrräder transportiert werden. Bei kurzfristigen Streckensperrungen sei dies gerade noch hinzunehmen, „aber nicht bei einem langfristigen Ersatzverkehr“. Ein Neubau der Brücke wird Jahre dauern. In Anbetracht der „außergewöhnlichen Umstände“, sollten beschleunigte Planungen und Genehmigungen in Angriff genommen werden, sagt Wilhelm-Alfred Brüning, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg.
Im Zuge des Neubaus sollten die Bedürfnisse eines uneingeschränkten Zugverkehres berücksichtigt werden. Die bisherige Brücke bezeichnete Brüning als „Flaschenhals“ auf der Strecke zwischen Groningen und Bremen.
