Oldenburg - Durch unpräsidiales Verhalten macht Donald Trump von sich reden – deutsche Medien sind sich ziemlich einig mit ihrer Kritik am US-Präsidenten. Doch wie kommt Trump in den USA an? Und was haben deutsche Unternehmen von seinen Ankündigungen zur Wirtschaftspolitik zu befürchten? Diesen Fragen widmete sich die Journalistin Dr. Melinda Crane bei der jüngsten Ausgabe von Marktwirtschaft aktuell.
Eingeladen hatte die wirtschaftliche Vereinigung Oldenburg „Der kleine Kreis“. Crane ist politische Chef-Korrespondentin im englischen Programm beim Auslandssender Deutsche Welle TV. „Trump ist dabei, aus Obamas Yes, we can ein No, we won’t zu machen“, sagte die Journalistin zu Beginn ihres Vortrags. Obama sagt Ja, wir können es, Trump Nein, wir werden nicht. Das scheint zumindest für die Handelspolitik zu gelten, in der Trump für Abschottung plädiert.
Trump verspricht „good jobs“ zu schaffen. Er kündigt Investitionen in die Infrastruktur an, jede Menge Deregulierung, Steuerreduzierungen und eine neue Handelspolitik. Dabei setzt er vor allem auf das „Comeback von Kohle“, sagte Crane. Und damit womöglich auf das falsche Pferd: „Die US-Bundesstaaten bestimmen ihre Energiepolitik und sie halten an der sauberen Energie fest.“
Trumps Deregulierung soll vor allem die Banken entlasten. „Ökonomen bezweifeln, dass das etwas bringt“, so Crane. Allerdings müsse Europa sich darauf einstellen, dass es schwieriger wird, sich auf globale Regeln im Finanzsektor zu einigen. In Sachen Steuern äußerte Trump bereits die Idee eines „tax holiday“. Dabei werden Steuern zeitweise reduziert oder ausgesetzt, um Investitionen zu fördern. „Der letzte tax holiday hat in Amerika 20 000 Jobs gekostet“, informierte Crane.
In der Handelspolitik liebäugelt Trump mit dem Protektionismus. So könnten eine Grenzausgleichssteuer oder Strafzölle ausländische Firmen teuer zu stehen kommen. Allerdings: Viele US-Firmen seien international aufgestellt, weshalb eine Abschottung nicht in ihrem Interesse wäre, sagte Crane.
