Köln/Im Nordwesten - Wie wollen wir wohnen? Um diese Frage dreht sich in diesen Tagen wieder alles bei der IMM Cologne in Köln, einer der wichtigsten Leitmessen der Einrichtungsbranche. Als Megatrend haben die Experten das Schlagwort „Gemütlichkeit“ ausgemacht. Da können sich sicher viele Verbraucher für erwärmen. Aber jenseits der Tipps der Trendscouts gilt in den eigenen vier Wänden von jeher: erlaubt ist, was gefällt. Daher wollen wir von NWZonline wissen: Was ist euer liebstes Einrichtungsstück? Der Eckschrank von der Oma, das Designsofa oder die Schatztruhe vom Flohmarkt? Vielleicht ist euer ganzer Stolz aber auch die ausgefallene Tapete, das selbstgehäkelte Kissen oder die Terrakottafigur aus dem Urlaub.
Schickt uns ein Bild von eurem Lieblingsstück an red.online@nordwest-zeitung.de, wir zeigen dann in einer Fotostrecke, wie der Nordwesten wohnt. Bitte nennt euren Namen, gebt eine ganz kurzen Begründung zur Bedeutung des Stücks und setzt in die Betreffzeile „Lieblingsmöbel“.
Zum Auftakt zeigen wir NWZonliner, was wir in unseren Wohnungen besonders schätzen.
Und hier ein Überblick über die Einrichtungstrends, die die Branchenkenner in Köln ausgemacht haben:
Gemütlichkeit
Das Idealbild sei für viele ein englisches Cottage mit viel Grün drumherum, berichtet Markus Majerus, Sprecher des Veranstalters Koelnmesse. Aber das mit dem gemütlichen Wohnen ist nicht ganz neu.
Man könnte nach dem Comeback der Gemütlichkeit im vergangenen Jahr nun schon von der Gemütlichkeit 2.1 sprechen. Aber man kann auch einfach sagen, hierbei handelt es sich nicht um einen Trend, der nach einer Saison wieder weg ist. Sondern um einen Megatrend, wie das Messesprecher Majerus ausdrückt. Und um etwas, was uns noch eine Weile erhalten bleiben wird.
Wenn Einrichtungsexperten wie Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie von Gemütlichkeit sprechen, meinen sie ein Lebensgefühl. Der Mensch wolle zu Hause durchatmen können, sich zurückziehen von Stress und Hektik des Alltags, von einer Außenwelt, die durch die Kommunikation im Internet sich immer schneller zu drehen scheint, erklärt Geismann. „Man sagt sich: Ich will eine Welt, die anders ist als die da draußen.“ Entschleunigung zu Hause ist das Zauberwort.
Und das schafft sich der Mensch, indem er sich nicht einfach nur so einrichtet, wie er es gerne mag. Sondern er legt betont Wert auf Details bei Möbelformen und -eigenschaften, die nicht für Härte, schweren Alltag und Hektik stehen. Farben und Stoffe verstärken das Gemütlichkeitsgefühl.
Wie das aussieht? Statt Möbel mit eckigen Kanten sind nun eher runde Formen gefragt. Kuschelige, warme Stoffe wie Strick sind wichtig, Holz auch. Selbst Fliesen sehen so aus wie warme Holzböden.
Artikel: Probier’s mal mit Gemütlichkeit
Farben
Jedes Jahr hat die Möbelbranche eine andere Trendfarbe: 2014 waren viele Sofas blau, viele Accessoires gold und silber. Was wird 2015 kommen? Einer, der es wissen muss, ist der Farbenexperte Axel Venn. Der emeritierte Professor für Farbgestaltung und Trendscouting an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim hält seit vielen Jahren auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne Vorträge zu den Farbtrends. Er hat nun ausgemacht: Im Trend ist 2015 eigentlich alles.
Lesen Sie hier ein NWZ-Interview mit Prof. Axel Venn
Denn immer mehr Hersteller erweitern ihre bestehenden Möbelserien in Schwarz, Weiß, Grau und Holztönen um eine große Farbenpalette. „Plötzlich hat man 27 Farben“, sagte Prof. Axel Venn. „Das ist ein Zeichen der Zeit, der Purismus ist out.“ Auch den Grund hat er ausgemacht: Nur Schwarz, Weiß und Grau im Wohnraum ohne Farbtupfer halte der Mensch nicht lange aus. „Er braucht Spannung.“
Und während bisher Braun, Beige oder Grau vielen Farben beigemischt war, um diese dezenter wirken zu lassen, werden die Einrichtungsfarben in den nächsten Jahren richtig knallen. „Es werden reine Töne sein, die sehr kräftig sind. Es wird prägnant sein, fast wehtun“, erklärte der Trendscout. „Die Farben sind sicher nicht sanft.“
Sofas
Aus für Sofas mit den Maßen eines kleinen Doppelbetts. Wo früher riesige Sitzlandschaften zum trendgerechten „Loungen“ einluden, sehen Experten nun eine Rückkehr zum aufrechten Sitzen. Auch kleinere Menschen können sich künftig wieder anlehnen, verkündete die Trend- und Designexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, Ursula Geismann, die Botschaft zum Start der internationale Möbelmesse IMM hat am Montag in Köln.
„Es gab eine Zeit, da konnte man nicht sitzen auf Sofas“, erinnert sich die Trendexpertin. Aus den zum Lümmeln einladenden Wohnlandschaften der 1970er Jahre seien dann in den 1990er Jahren Polsterburgen in Übergroße geworden. Die Folge: „Manchmal schaffte man es aus dieser Chill-Position nicht mehr ins Bett“, so Geismann.
Aktuelle Sofa-Modelle seien bei der Möbelmesse nun wieder deutlich kleiner und wieder mit einer „Sitzfunktion“ ausgestattet. Manche Hersteller bieten auch gleich Elektroanschlüsse im Sitzmöbel an.
Artikel: Es hat sich ausgelümmelt
Upcycling
Wenn aus Bauschutt ein Regal wird oder aus Sperrholz der große Esstisch der Familie, nennt sich das Upcycling. Möbeldesigner bedienen sich aus Abfallprodukten, Produktionsresten oder gar Sperrmüll und machen aus dem vermeintlichen Ballast der Industrie etwas hochwertiges Neues. Designliebhaber blättern dafür teilweise viel Geld hin. Beschädigungen, Macken und verblasste Farben des Ausgangsmaterials bleiben oft erhalten. Viele Beispiele gibt es auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln zu sehen.
„Anfangs waren es Start-ups aus Berlin oder Hamburg, die das Thema aufgegriffen haben“, erläutert Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Jungdesigner suchten Restmaterialien zusammen, die keiner mehr wollte, und formten daraus anspruchsvolle Möbel. Darüber wurde auf den Messen zwar geredet, einige Einzelstücke waren zu sehen, aber erst jetzt kommt der Trend richtig im Möbelhandel an. Auch Sascha Akkermann hat den Upcycling-Trend mit seinem Oldenburger Unternehmen „Produktwerft“ aufgegriffen.
Artikel: Vom Müll zum Möbel Gründerszene im Nordwesten: Oma-Design aus Oldenburg
