WIEFELS - Bereits frühmorgens rollten am Montag die Betonlaster ins Abfallwirtschaftszentrum Wiefels: In rund 15 Stunden wurde neben den Fermenter-Türmen im hinteren Bereich des Geländes eine 1000 Quadratmeter große Betonplatte für die Trockenvergärungsanlage gegossen. In den kommenden Wochen wird eine weitere 1000 Quadratmeter große Fläche betoniert, dann werden zehn Fermenterhallen errichtet.
Ende Juli soll die Trockenvergärung in Betrieb gehen, die die Nassvergärung der Mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) ergänzt. Die Gesamtkosten für die Ergänzung belaufen sich auf rund 10 Millionen Euro.
Durchsatz von 250 Tonnen
Wie berichtet, war die MBA gebaut worden, um rund 1400 Tonnen Hausmüll pro Woche zu deponierfähigem Material zu verarbeiten. Der Bau war begleitet von Pleiten, Pech und Pannen und am Ende stellte sich heraus, dass die Biologie die gesamte Menge der mechanisch vorsortierten und zerkleinerten Abfälle nicht bewältigen kann: Abfälle zwischen 40 und 80 Millimetern Größe verstopften Pumpen und Filter.
Diese gröberen Stoffe, rund 250 Tonnen pro Woche, werden ab Juli in der Trockenvergärung verarbeitet. Anders als in der Nassvergärung, wo der feine Hausmüll mit viel Wasser „zu einer Suppe verkocht wird“, die in hohen, 5000 Kubikmeter fassenden Fermentertürmen vergärt, wird der grobere Müll in der Trockenvergärung in langen Hallen eingelagert: „Der Müll wird unter Zufuhr von Wasser und Wärme durch Bakterien unter Luftausschluss zersetzt“, erklärt der technische Geschäftsführer des Abfallwirtschaftszentrums, Lothar Arlinghaus. Rund vier Wochen dauert der Prozess, danach werden unter Luftzufuhr Restgase ausgesondert. Heraus kommt dann ein bröselig-erdiger Stoff, der mit dem Abfall aus der Nassvergärung gemischt und auf die Deponie gefahren wird.
„Wir fahren 1000 Kilo Müll in die Mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage ein und heraus kommen 400 Kilo“, erklärt Lars Bohlken, kaufmännischer Leiter des Abfallwirtschaftszentrums den Effekt.
Gas wird zu Strom
Bei der Vergärung – sowohl nass als auch trocken – entsteht Methangas, das in den betriebseigenen Blockheizkraftwerken in Strom umgewandelt wird. Rund sieben Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produzierte die Anlage bisher. Das entspricht dem Eigenbedarf aller Anlagen des Abfallzweckverbands in Wiefels. „Damit sind wir bereits energetisch autark“, betont Verbands-Vorsitzender Dietrich Gabbey. Geht die Trockenvergärung in Betrieb, kommen weitere rund vier Millionen Kilowattstunden Strom hinzu. „Damit wird hier deutlich mehr Strom produziert und eingespeist, als benötigt wird“, so Gabbey.
Er ist stolz darauf, was die Geschäftsführer Arlinghaus und Bohlken erreicht haben: „Hier wird an hunderten Stellschrauben gedreht, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen“, sagt er mit Blick auf Stimmen, die den Bau der Mechanisch-biologischen Anlage immer wieder als „Millionengrab“ bezeichnen. Denn trotz der jüngsten Anhebung der Müllgebühren in Friesland, gehörten die Preise mit zu den niedrigsten in Niedersachsen.
