WIEFELS - Als „grundsätzlich falsche Weichenstellung“ hat die FDP in Friesland die Auftragsvergabe für die so genannte „Trockenvergärungsanlage“ auf der Abfalldeponie in Wiefels bezeichnet. Die in Auftrag gegebene Anlage sei sowohl technisch als auch wirtschaftlich und ökologisch nicht überzeugend, schreiben der FDP-Kreisvorstand und die FDP-Kreistagsfraktion in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Auch den Ansprüchen, die die Neufassung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes an die Rückgewinnung von Energie stelle, genüge die neue Anlage nicht. Zu fragen sei, warum sie kurz vor Inkrafttreten des Gesetzes in Auftrag gegeben wurde.

Wie berichtet, soll die Trockenvergärungsanlage die Mechanisch-Biologische Abfallanlage (MBA) ergänzen, die die erforderliche Kapazität nicht erreicht hat. In der neuen Anlage sollen so genannte „Faserstoffe“ behandelt werden, die in der MBA immer wieder zu Problemen führen. Der europaweit ausgeschriebene Auftrag mit einem Volumen von bis zu elf Millionen Euro wurde an eine Firma aus den Niederlanden vergeben.

Nach Angaben der FDP wird in der Trockenvergärungsanlage nur ein geringer Teil des eingebrachten Materials (etwa 15 Prozent) biologisch umgesetzt. 85 Prozent verlassen die Anlage wieder und müssen deponiert werden. „Da es zum Teil noch biologisch aktiv ist, entspricht es nicht der Ablagerungsverordnung und darf ohne weitere Zumischung von anderem Material nicht auf die Deponie“, so die Liberalen.

Die Investition in einer Größenordnung von elf Millionen Euro führe beim Abfallzweckverband der Landkreise Friesland und Wittmund zu einer Rekordverschuldung von ca. 64 Millionen Euro. Die Anlage werde vollständig über Kredite finanziert. Die Aufwendungen für Zinsen und Tilgung – die jetzt schon mehr als 30 Prozent des Haushalts ausmachten – würden weiter steigen. Zwischen 2005 und 2009 seien alleine 10,1 Millionen Euro an Zinsen gezahlt worden.

Die Anlagen in Wiefels sind nicht nur für die Verarbeitung des Hausmülls aus Friesland und Wittmund, sondern zum größeren Teil für umliegende Landkreise ausgelegt. Laut FDP kommen ca. 20 Prozent des Hausmülls aus Friesland, ca. 10 Prozent aus Wittmund und die restlichen 70 Prozent zu festen Preisen von den Anlieferern aus den umliegenden Landkreisen.


Durch die Gebührenerhöhungen der vergangenen Jahre von 16 Prozent für 2009 und 11,7 Prozent für 2010 werden die Bürger in Friesland nach Berechnungen der FDP allein 2010 mit ca. 1,1 Millionen Euro Mehrkosten für ihren Müll belastet.

Die FDP hat ihre Bedenken zu den Entscheidungen im Bereich des Abfallwirtschaftszentrums über Jahre hinweg in die Diskussion eingebracht. Ihre Befürchtungen seien mit Blick auf die Rekordverschuldung und eine Gebührenerhöhung von mehr als 30 Prozent innerhalb der vergangenen zwei Jahre bestätigt worden.

Der Aufbau der gut 20 Millionen Euro teuren MBA in Wiefels wurde von der Insolvenz des beauftragten Unternehmens und vielen technischen Schwierigkeiten überschattet.

Aus Sicht der Kreisverwaltung und der Kreistagsmehrheit ist die Investition in die Trockenvergärungsanlage immer noch günstiger, als den überschüssigen Müll extern – z. B. in einer Verbrennungsanlage oder auf einer anderen Deponie – zu entsorgen.